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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Acetinblau - Acetyl

entstehen beim Erhitzen von Glycerin mit Eisessig. Di- und Triacetin sieden unzersetzt; Triacetin, das Essigsäurefett, findet sich in geringer Menge im Öl von Evonymus europaea L.

Acetinblau, zu den Indulinen (s. d.) gehöriger Farbstoff.

Acetine, s. Geheimmittel.

Acetometer oder Acetimeter (Essigmesser), ein von Otto erfundener Prüfungsapparat, mittels dessen die Stärke des Essigs, d. h. dessen Gehalt an Essigsäure, zu ermitteln ist. Er besteht wesentlich aus einem mit Einteilung versehenen, 30 cm langen und 15 mm weiten Meßgefäß (Glasrohr) von der hier dargestellten Form. Auf demselben sind folgende Räume markiert. Bis an ^[img] den Punkt a faßt die Röhre 1 ccm Flüssigkeit. Der Raum zwischen a und b faßt 10 ccm. Die Räume der Skalenteilung des Rohres fassen je 2 ccm; sie sind mit 1, 2, 3 ... bezeichnet, und jeder derselben ist wieder in vier gleich große Räume geteilt. Um mittels dieses A. einen Essig zu prüfen, füllt man den Raum bis a mit schwacher Lackmuslösung, in dem man die blaue Tinktur vorsichtig an der Wand der Röhre herabfließen läßt, bis sie den Strich a schneidet. Hierauf gießt man genau bis an den Strich b von dem zu prüfenden Essig ein; er giebt mit der Lackmustinktur eine rote Flüssigkeit. Nun fügt man von einer Normal-Ammoniaklösunq (die im Liter genau 17 g Ammoniak enthält) so lange hinzu, bis die rote Farbe der Flüssigkeit nach kräftigem Umschütteln gerade in blau mit rötlichem Ton übergeht. Ist dies eingetreten, so liest man den Stand der Flüssigkeit an der Skala ab. Jeder ganze Teilstrich entspricht 1 Proz. an sog. wasserfreier Essigsäure. Bei der Prüfung stärkerer Essigsäure füllt man bloß den Raum a-beta = 1/2 mit Essig und beta-b mit Wasser. Die ermittelte Zahl wird mit 2 multipliziert.

Aceton, organische Verbindung, die, als Produkt der trocknen Destillation vieler organischer Substanzen schon lange bekannt, als Essiggeist, brenzliger Essigäther, Mesitalkohol, Mesityloxydhydrat bezeichnet wurde. Es hat die Zusammensetzung C3H6O ^[C<sub>3</sub>H<sub>6</sub>O], die Konstitutionsformel CH3.CO.CH3 ^[CH<sub>3</sub>.CO.CH<sub>3</sub>] und ist als Dimethylketon oder Ketopropan das einfachste Keton (s. d.). A. entsteht bei der trocknen Destillation des Holzes, des Zuckers, der Stärke u. s. w., findet sich daher im rohen Holzgeist und ist auch im Harn der an Diabetes mellitus Leidenden vorhanden. Dargestellt wird A. durch Erhitzen von essigsaurem Kalk in eisernen Retorten. Das abdestillierte rohe A. wird zur Entfernung von Essigsäure mit Kalk behandelt, filtriert, mit Chlorcalcium entwässert und rektifiziert. Ganz chemisch rein kann es nur erhalten werden, wenn man durch Schütteln mit einer konzentrierten Lösung von Natriumbisulfit (s. Schweflige Säure) die krystallisierte Verbindung des A. mit diesem Salz darstellt, reinigt und durch Natronlauge wieder zersetzt. Das A. ist eine wasserhelle, leicht bewegliche brennbare Flüssigkeit von eigentümlichem Geruch, vom specifischen Gewicht 0,792 bei 18°. Es siedet bei 56°, ist löslich in Wasser, Alkohol, Äther und löst selbst Fette, Harze, Schießbaumwolle. Gegen wässerige Alkalien und verdünnte Säuren verhält sich das A. indifferent, mit den Bisulfiten der Alkalien giebt es krystallisierende Verbindungen. Mit Hydroxylamin entsteht festes Acetoxim (s. d.), mit Phenylhydrazin flüssiges Acetonphenylhydrazon. Durch Oxydation mit einer wässerigen Lösung von Chromsäure werden aus dem A. Ameisensäure und Essigsäure, durch Reduktion mit Natriumamalgam Isopropylalkohol gebildet. Konzentrierte Schwefelsäure verwandelt das A. in mehrere Kondensationsprodukte, so Mesityloxyd, C6H10O ^[C<sub>6</sub>H<sub>10</sub>O], Phoron, C6H14O ^[C<sub>6</sub>H<sub>14</sub>O], und Mesitylen (s. d.), C9H12 ^[C<sub>9</sub>H<sub>12</sub>]. A. dient zur Darstellung von Chloroform, Jodoform, Sulfonal und zur Denaturierung von Spiritus.

Acetonämie (grch.), ein durch Anhäufung von Aceton im Blut entstehender Krankheitszustand, welcher sich durch einen eigentümlichen acetonähnlichen Geruch des Atems und Harns, sowie durch gewisse nervöse Störungen, welche bald mehr den Charakter der Depression, bald mehr den hochgradiger Aufregung besitzen, zu erkennen giebt, wird am häufigsten im Verlauf der Zuckerharnruhr, chronischer Magen- und Darmkrankheiten, sowie mancher fieberhafter Affektionen beobachtet; wahrscheinlich bildet sich das Aceton (s. d.) im Magen und Darm aus Traubenzucker und gelangt von dort aus in das Blut.

Acetone, s. Ketone.

Acetonitril, Methylcyanid, ist das Nitril (s. d.) der Essigsäure, CH3.CN ^[CH<sub>3</sub>.CN], eine angenehm riechende, bei 82° siedende, in Wasser lösliche Flüssigkeit, die durch Destillation von Acetamid mit Phosphorsäureanhydrid oder durch Umsetzung von Jodmethyl mit Cyankalium entsteht.

Acetonsäure, eine krystallisierende organische Säure, C4H8O3 ^[C<sub>4</sub>H<sub>8</sub>O<sub>3</sub>], die durch die Einwirkung von Blausäure auf Aceton und Verseifung des entstandenen Cyanhydrins erhalten worden ist. Nach ihrer chem. Konstitution heißt sie auch alpha-Oxyisobuttersäure, (CH3)2C(OH).COOH ^[(CH<sub>3</sub>)<sub>2</sub>C(OH).COOH].

Acetonurie, Auftreten von Accton im Harn, s. Acetonämie.

Acetonylaceton, s. Diketone.

Acetophenon, Phenylmethylketon, ein aromatisches Keton, das durch Destillation eines Gemisches von 100 Teilen benzoesaurem und 56 Teilen essigsaurem Kalk oder durch Kochen von 10 Teilen Benzol mit 1 Teil Acetylchlorid und 2 Teilen Aluminiumchlorid gewonnen wird. Das A. krystallisiert in großen Blättern, schmilzt bei 20,5 °C und siedet bei 202°. Es besitzt einen starken nicht unangenehmen Geruch und findet unter der Bezeichnung Hypnon in Einzelgaben von 6 bis 8 Tropfen als Schlafmittel Anwendung.

Acetoxim, im allgemeinen jedes Produkt der Einwirkung von Hydroxylamin auf Ketone. A. im engern Sinne ist die krystallisierende chem. Verbindung (CH3)2.C.NOH ^[(CH<sub>3</sub>)<sub>2</sub>.C.NOH], die aus Hydroxylamin und Aceton entsteht. Es ist in Wasser, Alkohol und Äther leicht löslich, schmilzt bei 60°, siedet bei 135°. Beim Kochen mit Säuren wird es in Aceton und Hydroxylamin gespalten. Die höhern A. zeigen ein ganz analoges Verhalten.

Acetum (lat.), Essig, (s. d.); A. aromaticum, aromatischer Essig; A. concentratum, konzentrierter Essig (s. Essigsäure); A. plumbum s. saturninum, Bleiessig; A. pyrolignosum crudum, roher Holzessig; A. pyrolignosum rectificatum, gereinigter Holzcssig; A. Scillae, Meerzwiebelessig.

Acetyl, Acetoxyl, chem. Bezeichnung für die Atomgruppe CH3.CO- ^[CH<sub>3</sub>.CO-], die nur in Verbindung mit andern Atomen oder Atomgruppen vorkommt. A. ist das sog. Radikal der Essigsäure (Acetylsäure), CH3.COOH ^[CH<sub>3</sub>.COOH], und kommt noch in vielen andern Verbindungen vor, z.B. im Aldehyd, CH3.COH ^[CH<sub>3</sub>.COH], Acetylchlorür, CH3.COCl ^[CH<sub>3</sub>.COCl], u.s.w.