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Conti (Ort) – Conti (Niccolò dei)
Conti, Ort, s. Conty.
Conti (spr. kongtih), der Titel jüngerer Nebenzweige des bourbonischen Hauses Condé (s. d.), den sie von der kleinen, bei Amiens gelegenen Stadt dieses Namens (s. Conty) führten.
Franz von Bourbon, Prinz von C. (1558‒1614), zweiter Sohn Ludwigs Ⅰ., Prinzen von Condé, kämpfte unter Heinrich Ⅳ. gegen die Liga; seine Gemahlin Louise Marguérite von Guise (1577‒1631) stand als Witwe mit Bassompierre (s. d.) in naher Verbindung. Die «Histoire des amours du grand Alcandre» (d. i. Heinrichs Ⅳ.; Par. 1652) ist auf sie zurückgeführt worden.
Armand von Bourbon, Prinz von C. (1629‒66), der Bruder des großen Condé, gab die geistliche Laufbahn, in der er begonnen hatte, auf, nahm an den Wirren der Fronde (s. d.) teil, erst gegen Condé und den Hof, dann mit Condé gegen den Hof; er wurde 1650 mit seinem Bruder verhaftet und erst 1651 in Freiheit gesetzt. Der Neuausbruch des Bürgerkrieges riß auch C. zuerst mit, doch söhnte er sich bald mit dem Hofe aus und heiratete die Nichte Mazarins, Anne Marie Martinozzi. Er kämpfte glücklich gegen Spanien, unglücklich 1657 in Italien, und zog sich seitdem auf das Gouvernement der Provinz Languedoc zurück, den frommen Übungen seiner Jugend von neuem hingegeben. Er starb zu Pézenas. Aus seinem Nachlaß kamen mehrere Schriften heraus, darunter ein gegen das Theater gerichteter «Traité de la comédie et des spectacles» (Par. 1667).
Sein ältester Sohn und Nachfolger war Louis Armand, Prinz von C., Graf von Pézenas (1661‒85). Ludwig ⅩⅣ. gab ihm seine Tochter (von der Lavallière) Marie Anne von Bourbon, genannt Mademoiselle de Blois, zur Gemahlin, eine der schönsten Frauen ihrer Zeit. Nach Kriegsruhm dürstend, ging C. mit seinem Bruder und andern Großen des Hofs nach Ungarn, um gegen die Türken zu kämpfen. Am Hofe stand er in Ungnade.
Ihm folgte sein Bruder François Louis, Prinz von Roche-sur-Yon und C., geb. 1664. Unter den Augen des großen Condé erzogen, zeigte er viel Neigung für die militär. Laufbahn, erhielt aber keine Anstellung und ging deshalb mit nach Ungarn. Infolge des von den Prinzen mit ihren Freunden am Hofe geführten Briefwechsels, der spöttische Äußerungen über den König und die Frau von Maintenon enthielt, wurde er nach Chantilly verbannt. Nachdem sich Condé noch auf dem Sterbebette für seine Begnadigung verwandt hatte, diente C. unter dem Befehl des Marschalls von Luxembourg und zeichnete sich durch Tapferkeit bei vielen Gelegenheiten aus. Ein Teil der poln. Magnaten wählte ihn 1697 zum König von Polen. Er reiste bis nach Danzig, kehrte aber zurück und entsagte der Krone, als er sah, daß er gegen seinen Rivalen, Kurfürst August von Sachsen, nicht aufkommen konnte. Er erhielt nun das Gouvernement von Languedoc und 1703 den Oberbefehl über das bedrängte franz. Heer in Italien; doch vermochte auch C. wenig auszurichten. Er starb 1709, als er eben das Kommando der flandr. Armee übernommen hatte.
Louis François, Prinz von C., der Enkel des letztern (1717‒76), führte 1744 das Oberkommando in Piemont, 1745 machte er den Feldzug in Deutschland mit und im folgenden Jahre den in Flandern, wo er Mons und Charleroi einnahm. Nach dem Frieden setzte er sich in Opposition gegen den Hof, sodaß ihn Ludwig ⅩⅤ. nicht mehr anstellte. Unter dessen Regierung griff er Maupeou, unter der folgenden Turgot heftig an. Er lebte verschwenderisch und starb in Schulden.
Sein Sohn Louis François Joseph, Prinz von C., geb. 1734, zog sich, nach kurzer militär. Laufbahn, ins Privatleben zurück und lebte unter Ludwig ⅩⅥ. vom Hofe entfernt. 1789 wanderte er in schroffem Gegensatz mit der Revolution aus, kehrte aber 1790 nach Frankreich zurück, wurde 1793 verhaftet, 1795 wieder entlassen und nach dem 18. Fructidor (4. Sept. 1797) verbannt. Er starb 13. März 1814 zu Barcelona; mit ihm erlosch die legitime Linie des Hauses C.
Aufsehen erregten Ende vorigen Jahrhunderts die 1797 zu Paris in 2 Bänden erschienenen «Mémoires» einer «Prinzessin von C.» Diese (Amélie Gabrielle Stephanie Louise) natürliche Tochter des Prinzen Louis François wurde danach kurz vor der Zeit, wo der König sie als legitime Tochter ihres Vaters anerkannte, von ihren nächsten Anverwandten in eine kleine Provinzialstadt entführt und, noch unmündig, mit Gewalt an einen ihr widerwärtigen Menschen verheiratet, durch den sie mehrere Jahre die unwürdigste Behandlung erdulden mußte, bis es ihr gelang, eine Nichtigkeitserklärung ihrer Ehe beantragen zu können. Als ihr Lehrer erscheint Rousseau. Ihre Leiden, die auch nach der Auflösung ihrer Ehe nicht enden, sowie ihre ans Wunderbare streifenden Abenteuer bilden den Inhalt jener durchaus unzuverlässigen Memoiren, die Goethe den Stoff zu seiner «Natürlichen Tochter» gegeben haben. – Vgl. Barthélemy, Las princesse de C. d’après sa correspondance inédite (Par. 1875).
Conti, Augusto, ital. Philosoph, geb. 4. Dez. 1822 in Villa di San Piero bei San Miniato in Toscana, kämpfte als Freiwilliger 1848 gegen die Österreicher und wurde dann Professor der Philosophie in San Miniato, wo er nebenher Advokatenpraxis ausübte. Nach verschiedenen Beförderungen wurde er 1864 an das Istituto di superiori studii in Florenz als Professor der Filosofia razionale e morale berufen. Seine Hauptwerke sind: «Il vero nell’ ordine» (2 Bde., Flor. 1876), «L’armonia delle cose» (2 Bde., ebd. 1878; am Schluß ein kurzer Abriß seines Systems), «Il bello nel vero» (2 Bde., ebd. 1884), «Il buono nel vero» (2 Bde., ebd. 1884). Seine Philosophie ist ein kirchlicher Eklekticismus, dessen Bestrebungen sich vor allem gegen den Skepticismus richten. Als Wahrheitskriterien sieht er an: die natürliche Evidenz, den sensus communis und die heilig gehaltene Überlieferung. Aufgabe der Philosophie ist, die intelligible Ordnung in den Dingen zu erfassen, welche in Gott ihre letzte Ursache hat; diese Ordnung und die Vielheit der Dinge bringt er mit Platonischen Ideen (Urbildern, die in Gott sind) in Verbindung und betrachtet alles unter den idealen Apprehensionen des Wahren, Schönen und Guten. – Vgl. Werner, Die ital. Philosophie des 19. Jahrh., Bd. 3 (Wien 1885).
Conti, Niccolò dei, Reisender, ging zu Handelszwecken frühzeitig nach Damaskus, von dort 1424 mit einer Karawane nach Arabien und Persien, besuchte Bagdad und Basra und segelte von da nach Vorderindien. Dann durchzog er die Halbinsel, gelangte weiter nach Ceylon und drang bis Sumatra vor, besuchte auf dem Rückwege die Küstenländer Hinterindiens am Bengalischen Meerbusen, ging noch ein- ^ [folgende Seite]
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