Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Dahna; Dahomē

689

Dahna – Dahome

von Bechelaren» (Trauerspiel; Lpz. 1875), «Deutsche Treue» (Schauspiel; ebd. 1875), «Staatskunst der Frauen» (Lustspiel; ebd. 1877), «Sühne» (Schauspiel; ebd. 1880), «Der Kurier nach Paris» (Lustspiel; ebd. 1884), «Skaldenkunst» (ebd. 1882), vier Operntexte: «Armin», «Der Schmied von Gretna-Green», «Der Fremdling», «Harald und Theano» und das Festspiel «Moltke» (ebd. 1890). 1890‒92 erschienen auch Bd. 1‒3 seiner «Erinnerungen», und endlich «Betrachtungen über den Entwurf eines Volksschulgesetzes in Preußen» (Bresl. 1892) und «Moltke als Erzieher» (ebd. 1892).

Sein Vater Friedrich D., geb. 18. April 1811 zu Berlin, war seit 1829 Mitglied des Königstädtischen Theaters daselbst, ging 1831 nach Hamburg und gehörte seit 1834 dem Hoftheater zu München auch als Regisseur an; seit 1878 war er nicht mehr aktiv, aber Ehrenmitglied der Hofbühne. Er starb 9. Dez. 1889 in München.

Konstanze D., geborene Le Gaye, geb. 12. Juni 1814 zu Cassel, seit 1833 Gattin des vorigen, zeichnete sich im Fache der Liebhaberinnen aus, wurde 1850 geschieden und trat 1869 von der Bühne zurück. Sie starb 26. März 1894 in München.

Marie Dahn-Hausmann, zweite Gattin Friedr. D.s, geb. 17. Juni 1830 zu Wien, debütierte bereits 1846 auf dem Hoftheater zu Mannheim, ging dann nach Frankfurt a. M. und 1849 nach München, wo sie sich 1852 mit Friedr. D. verheiratete.

Therese D., geborene Freiin von Droste-Hülshoff, geb. 28. Mai 1845 zu Münster, Nichte der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, seit 3. Aug. 1873 mit Felix D. verheiratet, gab mit diesem «Gedichte» (Lpz. 1873) heraus und verfaßte mit ihm «Walhall. German. Götter- und Heldensagen» (ebd. 1883 u. ö.) und (allein) «Kaiser Karl und seine Paladine» (ebd. 1887).

Dahna, Sandwüste in Südarabien, s. Dehna.

Dahomē (Dahomey), seit Ende 1892 von Frankreich unterworfener Negerstaat in Nordwestafrika an der Sklavenküste, wird begrenzt im W. von Togo, im N. von der Landschaft Mahe, im O. von dem Reich Joruba und der engl. Kolonie Lagos, im S. durch die Bai von Benin, an welcher das Gebiet von Porto Novo und die Hafenplätze Kotonu, Whydah und Groß-Popo und Agwe liegen, hat über 10400 qkm und (1891) gegen 600000 E. Nahe der sandigen Küstenstrecke ziehen sich Lagunen, unter denen die Denhamlagune die bedeutendste ist, hinter schmalen Nehrungen hin, welche nur zur Zeit der Überschwemmung mit dem Meer in Verbindung stehen. Unmittelbar darüber erhebt sich bis zu den 10‒12 km breiten Lamasümpfen (Ko) ein niedriges Plateau, mit dichten Waldungen bestanden. Im Norden, in der Umgebung der Hauptstadt Abome, beginnt welliges Hügelland und auf dem roten, eisenhaltigen Boden teils tropische Vegetation, teils ausgedehnte Savannen mit Waldpartien von Palmen und Wollbäumen. Den Abschluß bildet unter 8° nördl. Br. das Gebirgsland Mahe, dem die einzige größere Wasserstraße D.s, der bei Porto Novo mündende und bis nach Dogba schiffbare 700 m breite Weme (Okpara) entspringt. Das Klima, an der Küste sehr ungesund, nimmt nach dem Innern an Erträglichkeit zu. Die Regenzeit dauert von Mitte April bis Ende August; September und Oktober sind die günstigsten Monate. Die Fauna und Flora sind die typisch tropisch-afrikanischen. Das hauptsächlichste Produkt ist Palmöl; außerdem gedeihen auf den besonders sorgfältig bearbeiteten Äckern: Mais, Hirse, Maniok, Bataten und Erdnüsse und in dem anmutigen Gartenland zwischen Abome und Kanna alle Arten von Gemüse. Als Haustiere hält man Schafe, Schweine und verschiedene Arten von Hühnern. Wild giebt es fast gar nicht. Die Bevölkerung gehört (nach einigen Reisenden) zum Stamme der Ewe, wenigstens wird ihre Sprache, das Fon, das auch zur Bezeichnung ihrer Nationalität dient, als ein Dialekt des Ewe betrachtet. Die Ejo, die ursprünglichen Bewohner, sind fast vollständig ausgerottet. Die Bewohner sind sehr intelligent und gelehrig; sie zeichnen sich durch die ceremoniellste Höflichkeit aus, die vor dem König und jeder Art von Würdenträgern in sklavische Unterwürfigkeit ausartet. Ihre Religion besteht trotz des Glaubens an ein höchstes, aber unnahbares Wesen, das in der Sonne verkörpert ist, in einem alles umfassenden Fetischdienst. Als Schutzpatrone werden nicht nur Schlangen (diese vornehmlich), Leoparden und Affen, sondern auch europ. Waffen verehrt und angebetet. Da sie von dem Fortleben und der Seligkeit nach dem Tode überzeugt sind, so erscheint ihnen das Sterben nicht als ein Ende aller Freuden und das Töten ihrer Nebenmenschen nicht als Verbrechen. Ihre berüchtigten Menschenopfer, besonders bei Begräbnissen, tragen deshalb mehr einen religiös-fanatischen Charakter als den blutiger Grausamkeit. Frauen werden gekauft und als verfügbares Eigentum der Männer betrachtet. Die Dahomeer sind ein Volk von Kriegern, jeder Mann und Jüngling ist wehrpflichtig; gegen 800 Frauen, die auf Liebe und Ehe verzichten, scharen sich als Amazonenkorps um die Person des Königs; sie trachten durch Verwegenheit und Todesmut die neben ihnen streitenden Männer zu überflügeln. Im Frieden zeigen sich die Dahomeer als sehr fleißige Ackerbauer und geschickte Gärtner; etwas Industrie besitzen sie in Weberei und Töpferei und in mangelhafter Verfertigung von Säbeln. ^[Spaltenwechsel]

Der König gilt als Gottheit, er ist der absolute Herrscher über Leben und Eigentum seines Volks, die höchsten Würdenträger sind nur seine Sklaven. Außer einer Unzahl von Weibern und Sklavinnen besitzt er eine Lieblingsgemahlin, deren Söhne allein zur Thronfolge berechtigt sind. An die Kinder der andern Frauen werden einträgliche Ämter vergeben. Es gab Minister des königl. Hauses, der Finanzen, der Justiz und des Krieges. Die eigentlichen Verwaltungsbeamten im Lande, Kabesseren genannt, ernannte der König; je entfernter von der Residenz, desto schlimmer war ihr launenhafter unbeschränkter Despotismus. Die Armee bestand aus 4500 Regulären und 10000 Irregulären und dem Amazonenkorps; sie war mit 8000 Repetiergewehren, 4000 alten Flinten, mit einigen Geschützen, außerdem mit Säbeln, Sensen und Bogen ausgerüstet.

Hauptstadt ist Abome (s. d.) oder Agbome, 120 km von der Küste entfernt. Eine vortreffliche Straße führt nach dem 10 km entfernten Kanna, der Sommerresidenz, mit etwa 10000 E. Allada (früher Ardrah), südlich vom Lamasumpf, in gesunder Gegend, ehemals Hauptstadt, ist jetzt ein wichtiger Handelsplatz. Whydah oder Glehue, portug. Ajuda (s. d.), mit einem Fort, ist franz. Hafenstadt und das Centrum des überseeischen Handels. Am lebhaftesten zeigt sich der Handelsverkehr im Dezember und Januar über Porto Novo, Kotonu und Groß-Popo (s. d.). Der