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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dauertypen – Daumer

zur Keimung gelangen. Solche D. sind z. B. die Sporen der Brandpilze (s. Ustilagineen) sowie die sog. Teleutosporen der Rostpilze (s. Uredineen); ferner die Sporen vieler Algen, die auf zeitweise überschwemmten Gebieten vorkommen und während der Trockenheit die Keimfähigkeit behalten.

Dauertypen, s. Paläontologie.

Dauerverband, s. Wunde.

Daulatābād (engl. Dowlutabad; ind. Deogiri), Stadt in dem Gebiete des Nisam von Haidarabad, eines der großen Vasallen des Indobritischen Reichs, seiner Festung wegen berühmt, liegt 19° 57′ nördl. Br. und 75° 18′ östl. L., 16 km nordwestlich von Aurangabad. Die Festung besteht in einem kolossalen, vereinzelten, kegelförmigen, 166 m hohen Granitblock, dessen Seiten vom Grund bis zu 53 m Höhe völlig senkrecht sind. Seinen Gipfel bildet eine nur wenige Quadratmeter große Plattform, auf welcher ein eiserner Vierundzwanzigpfünder steht. Ein von außen nicht sichtbarer, schmaler, in den Felsen gehauener Gang leitet zu einer gleichfalls in dem Felsen ausgehöhlten Halle, von der eine Wendeltreppe zu der Plattform hinaufführt. Ein 10 m breiter Graben umgiebt diese Festung von allen Seiten. Über ihn führt eine überdeckte Brücke aus Granitblöcken, die so schmal ist, daß nur zwei Menschen nebeneinander gehen können. Unweit derselben eine in den Felsen gehauene Cisterne sowie ein 33 m hohes Minaret. – D., früher blühende Hauptstadt eines Hindureichs, wurde 1338 von Muhammed Tughlak Schah, 1595 von Ahmad Nisam-Schah erobert. Später von den Mongolen genommen, kam sie im 18. Jahrh. in den Besitz der Nisam von Haidarabad und ist jetzt ein verfallener Ort. – D. ist auch früherer Name der Provinz Aurangabad (s. d.).

Dauletabad, soviel wie Daulatabad (s. d.).

Dauletschâh, s. Douletschâh.

Daulis oder Daulia, alte Stadt in der griech. Landschaft Phokis, unweit der böotischen Grenze gelegen, nach der Überlieferung von Thraziern gegründet, Sitz des Königs Tereus, der in der Sage von Prokne und Philomela eine Hauptrolle spielt. Die Stadt war durch ihre Lage auf dem flachen Gipfel eines steilen Felshügels von strategischer Bedeutung, wurde 480 v. Chr. von den Persern, am Ende des Phokischen Krieges (346 v. Chr.) durch Philipp Ⅱ. von Macedonien zerstört, aber bald wiederhergestellt, und war noch in der Römerzeit eine starke Festung; noch jetzt sind ansehnliche Überreste der Ringmauern und Thore erhalten oberhalb des schön gelegenen Dörfchens Davlia. – Vgl. Ulrichs Reisen und Forschungen in Griechenland (Tl. 2, Brem. 1840).

Daumas (spr. domah), Melchior Joseph Eugène, franz. General und Hippolog, geb. 4. Sept. 1803, wurde 1827 Offizier. 1835 nach Algier versetzt, machte er unter Clausel die Feldzüge von Mascara und Tlemsen mit und widmete sich mit großem Erfolg dem Studium der Sprache und Sitten der Araber. Nach dem Frieden an der Tafna war er 1837‒39 franz. Konsul in Mascara, dann wurde er Direktor der arab. Angelegenheiten in der Provinz Oran und später in ganz Algerien. 1850 wurde er als Direktor der alger. Angelegenheiten in das Kriegsministerium berufen und 1853 zum Divisionsgeneral befördert. D. nahm 1869 seinen Abschied und starb 6. Mai 1871 auf seinem Landgute Camblanes bei Bordeaux. Unter seinen Werken über Algerien sind zu nennen: «Exposition de l’etat actuel de l’Algérie, du gouvernement et de la législation qui la régit» (anonym, Algier 1844) und «Mœurs et coutumes de l’Algérie» (4. Aufl., Par. 1864). Sein Hauptwerk, wichtig für die Pferdezucht und die franz. Remonteangelegenheiten, ist «Les cheveaux du Sahara et les mœurs du désert» (7. Aufl., Par. 1874; deutsch, 2. Aufl., Berl. 1858), dem Abd el-Kader einen Kommentar über die Pferde der Wüste hinzugefügt hat. D. schrieb ferner: «Principes généraux du cavalier arabe» (Par. 1854; deutsch Magdeb. 1855), «La Kabylie» (1857), «La vie arabe et la société musulmane» (1869). ^[Spaltenwechsel]

Daumen, der kürzeste und stärkste Finger, s. Hand. In der Technik beißt D., Hebedaumen, Welldaumen oder Däumling ein Maschinenteil, welcher periodisch eine hin und her oder auf und nieder gebende Bewegung zu erteilen hat; im besondern ein eigentümlich geformter Zahn, der, an einer Welle (Daumenwelle) angebracht, dazu dient, eine kontinuierliche drehende Bewegung in eine abwechselnd auf und nieder gehende umzusetzen, eine Vorrichtung, die namentlich bei Pochwerken (s. d.) und beim Daumenhammer (s. d.) vorkommt.

Daumenhammer, ein besonders früher bei der Eisenerzeugung und Blechfabrikation angewendeter Transmissionshammer, dessen Hebung durch die von der Betriebsmaschine abgeleitete Kraft indirekt mittels der auf einer Welle sitzenden Daumen (s. d.) bewirkt wird. Die D. sind entweder Rahmenhämmer oder Stielhämmer. Im erstern Falle wird der Hammerbär zwischen senkrechten Führungen geleitet und unmittelbar von dem Hebdaumen ergriffen, im letztern Falle ist derselbe am Ende eines Stieles oder Helmes befestigt, der um eine horizontale Achse schwingt und beim Anheben des Hammers von den Hebedaumen erfaßt wird. Je nach der Lage des Angriffspunktes dieser unterscheidet man: Stirnhämmer (Angriffspunkt vor dem Hammerkopf), Brusthämmer (Angriff zwischen Hammerkopf und Helmlager) und Schwanzhämmer (Angriff an einer über die Drehachse hinausragenden Verlängerung, dem Schwanz, des Stieles). Die Daumenwelle liegt normal zur Richtung des Stieles, nur bei dem Aufwerfhammer, einer Abart des Brusthammers, ist die Welle dem Stiel parallel gelagert. Die Schwanzhämmer sind die kleinsten (15‒50 kg Fallgewicht), die Stirnhämmer die größten (bis 5000 kg Gewicht). Zur Erhöhung der Schlagkraft und Schlaggeschwindigkeit wird bei dem D. zuweilen eine Stahl-oder Luftfeder angeordnet, die beim Heben des Hammers gespannt wird und dann, sich ausdehnend, denselben niederwirft (Federhammer).

Daumenwelle, s. Daumen.

Daumer, Georg Friedr., Dichter und religionsphilos. Schriftsteller, geb. 5. März 1800 zu Nürnberg, studierte seit 1817 zu Erlangen und Leipzig anfangs Theologie, später Philosophie. 1822 ward D. Vorbereitungslehrer, dann Professor am Nürnberger Gymnasium, mußte aber 1830 sein Amt wegen Kränklichkeit niederlegen und widmete sich litterar. Arbeiten. Er trat 1858 zur kath. Kirche über und starb 13. Dez. 1875 zu Würzburg. Noch als Lehrer schrieb D. die «Urgeschichte des Menschengeistes» (Berl. 1827) und die «Andeutung eines Systems spekulativer Philosophie» (Nürnb. 1831). In «Philosophie, Religion und Altertum» (ebd. 1833) und «Züge zu einer neuen Philosophie der Religion und Religionsgeschichte» (Heft 1, ebd. 1835) zeigte sich