Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Geweih'
Hirsche mit drehrunden Stangen (bis zur Achterstufe). Es ist charakteristisch für das Elchgeweih, daß es keine Augsprosse hat. Dagegen
gliedert sich der vordere untere Teil der Schaufel bei starken Hirschen oft als besondere Augschaufel (s. namentlich Fig. 22) ab. Das
Fegen des G. erfolgt im September nach dem Verecken.

Figur 21, 22:
Gehörn nennt man die Hörner des Rehbocks; in Österreich sagt man dafür auch
Gewichtl, mitunter Gestänge. Bereits im August oder
September erheben sich die Rosenstöcke (Stirnzapfen) des anfangs Mai gesetzten (geborenen) Rehbockkalbes und im Dezember
können die ersten kleinen Spieße vereckt sein. Im nächsten Februar wird dieses erste G. stets abgeworfen, mag es noch so unbedeutend
erscheinen. Das sich sogleich wieder bildende zweite G. wird im Mai gefegt und im Spätherbst abgeworfen. Es ist also charakteristisch,
daß der Rehbock während der ersten 20 Lebensmonate zweimal abwirft und zum drittenmal aufzusetzen beginnt. Das erste G. besteht
entweder aus erbsengroßen Knöpfen oder kleinen Spießen, das zweite G. können Spieße oder Gabelstangen oder ausnahmsweise
Sechserstangen bilden. Mit zunehmendem Alter vermehrt sich gewöhnlich die Stärke, die Perlung und die Endenzahl der G., vergrößert
sich die Rose und verkürzt sich der Rosenstock. Das Ansprechen des Rehbocks und seines G. erfolgt nach der Endenzahl demselben;
es wird dabei ebenso wie beim Edelhirsch und dessen G. verfahren.

Figur 23–28:
Fig. 23 zeigt die Stange des Spießbocks, Fig. 24 diejenige des
Gabelbocks, Fig. 25 diejenige des Sechserbocks, Fig. 26
diejenige des Achterbocks und Fig. 27 diejenige des
Zehnerbocks. Bilden die drei Enden jeder Stange ein Kreuz, ↔ wie in Fig. 28, so
spricht man von einem Kreuzbock.

Figur 29:
Das normale Sechsergehörn ist in Fig. 29 dargestellt. Außerordentlich stark und vielendig entwickelt
ist das G. der Urböcke. Beim Rehbock ist die merkwürdige Monstrosität des
Perückengehörns – wie in Fig. 30 dargestellt – am häufigsten zu finden.

Figur 30:
Gewerbe, im weitesten Sinne jede menschliche geistige oder körperliche Beschäftigung, welche regelmäßig
und zum Zwecke des Erwerbes betrieben wird, jedoch mit Ausschluß der rein wissenschaftlichen (gelehrten) und rein künstlerischen
Berufe, der Berufe der öffentlichen Beamten, Geistlichen, Lehrer, Rechtsanwälte und geprüften Ärzte; aber mit Einschluß des sog.
Kunstgewerbes. In diesem Sinne spricht man auch von Handels-, Transportgewerben, von dem G. der Presse, von landwirtschaftlichen
G. u. a., während man gewöhnlich die großen Gruppen des stehenden Handelsbetriebes und der Landwirtschaft dem G. entgegensetzt.
Dagegen versteht man unter G. im engern Sinne diejenigen Arbeitsarten, welche die Be- und Verarbeitung von Rohstoffen zum Zwecke
haben, also die sog. Veredlungsgewerbe, welche man auch unter dem Namen
Gewerbefleiß oder Industrie zusammenfaßt. Die G. in diesem
Sinne gliedern sich in drei Arten: Handwerk (s. d.), Hausindustrie (s. d.) und
Fabrik (s. d.).
Das G. entwickelt sich später als die Rohproduktion, welche schon eine höhere Stufe erreicht haben muß, ehe das G. überhaupt anfängt.
Dieses setzt einen höhern Grad von Arbeitsteilung, eine größere Dichtigkeit der Bevölkerung, ein gesteigertes Bedürfnismaß, eine größere
Masse von Kapitalmitteln voraus, als jene. Im Gegensatz zu heute, wo die Standorte der Produktion dahin verlegt werden, wo die
natürlichen Bedingungen der Produktion am günstigsten sind, mußte man ursprünglich das G. in den Mittelpunkten der Absatzgebiete
beginnen, weil es an ausreichenden Kapitalien, namentlich an guten Transportmitteln fehlte. Daraus erklärt es sich, daß die Entwicklung
des G. im spätern Mittelalter so eng mit dem Aufblühen des Städtewesens verwachsen war. Vom 7. bis 11. Jahrh, war in Deutschland das
Handwerk mit den Fronhöfen (s. d.) verbunden; die Handwerker waren unfreies
Gesinde, welches unter Aufsicht in gemeinsamen Räumen arbeitete. Daneben waren die Klöster die Sitze des G., namentlich der feinern
Arten desselben, sodaß die höhere Kunstfertigkeit erst allmählich von den Klöstern auf das Bürgertum in den Städten überging. Hier
entwickelte sich das G. einmal unter dem Schutze der besondern Privilegien der Stadt gegenüber dem platten Lande, also
Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 975.