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Halbertsma – Halbig
ein Schauspielhaus und nächst dem Gleimschen Freundschaftstempel, welcher 120 in Öl gemalte Porträte von Gelehrten, Dichtern und Staatsmännern des 18. Jahrh. enthält, sehr beachtenswerte Privatsammlungen von Gemälden, Münzen und Altertümern, ferner die ornitholog. Sammlung des Oberamtmanns Heine. Überhaupt hat sich in dem Orte aus der Zeit, wo Gleim daselbst einen auserwählten Kreis (die sog. Halberstädtische Dichterschule) um sich versammelte, ein reger Sinn für Kunst und Wissenschaft erhalten. Die Fabriken liefern Zucker, Spiritus, Leder, Seife, Handschuhe und besonders auch Cigarren. Wichtig sind außerdem die Brauereien sowie der Handel mit Produkten der Kupferhütten und Bergwerke. Die 2 km südlich gelegenen Spiegelsberge (200 m) gewähren eine schöne Aussicht.
Ihren Aufschwung verdankt die Stadt den Bischöfen, welche seit 804 daselbst ihren Sitz hatten, und deren Sprengel sich anfangs über Nordthüringau, Hartinggau, Darlingau, Hassigau und Schwabengau erstreckte, bald aber zu Gunsten des neuerrichteten Erzbistums Magdeburg beschränkt wurde. Doch wußten in der Folge die Bischöfe ihre Stiftsgüter ansehnlich zu vermehren und die Landeshoheit zu erringen, Unter anderm brachten sie noch kurz vor der Säkularisation des Stifts (1643) die Grafschaft Regenstein an sich. Die Reformation hatte schon seit 1542 im Bistum Eingang gefunden; doch wurde dasselbe erst 1648 durch den westfäl. Friedensschluß aufgehoben und als Fürstentum H. (1980 qkm), mit Sitz und Stimme auf dem Reichstage, an Brandenburg gegeben. Durch den Tilsiter Frieden wurde es 1807 an das Königreich Westfalen abgetreten. 1813 nahm es Preußen wieder in Besitz und schlug es größtenteils zum Regierungsbezirk Magdeburg; das übrige kam zu Merseburg.
Vgl. Lucanus, Der Dom zu H. (Halberst. 1837); ders., Wegweiser durch H. (2. Aufl., ebd. 1866); ders., Die Liebfrauenkirche zu H. (2. Aufl., ebd. 1872); Scheffer, Inschriften und Legenden halberstädtischer Bauten (ebd. 1864); Zschiesche, H. sonst und jetzt (ebd. 1882); Schmidt, Urkundenbuch der Stadt H. (2 Bde., Halle 1878‒79); ders., Urkundenbuch des Hochstifts H. (Bd. 1‒3, Lpz. 1883‒87).
Halbertsma, Joost Hiddes, niederländ. Schriftsteller und Philolog, geb. 23. Okt. 1781) zu Grouw (Friesland), studierte am Mennonitenseminarium zu Amsterdam, wurde 1813 Prediger zu Bolsward und 1822 zu Deventer, wo er 27. Febr. 1869 starb. Er schrieb viele Werke mit seinem Bruder Eeltje (s. unten); allein veröffentlichte er eingehende Monographien über niederländ. Litteratur; besonders geschätzt sind «Hulde aan Gysbert Japiks» (2 Bde., 1827), «Het geslacht der Van Harens» (Deventer 1829) und «Aanteekeningen op den Spieghel Historiael van Jacob van Maerlant» (ebd. 1851; 2. Bd., Haag 1854). Seine letzte Arbeit war ein unvollendetes Wörterbuch der fries. Volkssprache, das 1874 erschien und von der Provinzialregierung Frieslands fortgesetzt wurde.
Sein Bruder Eeltje H., geb. 8. Okt. 1797 zu Grouw, studierte zu Leiden und Heidelberg Medizin, war Arzt in Purmerend und Grouw, wo er 22. März 1858 starb. Großen Ruhm erwarb er sich mit seinen zahlreichen Schriften in fries. Mundart, die sich durch naturgetreue Schilderungen des fries. Volkslebens auszeichnen. Zu den besten gehören: «De Lape koer fen Gabe Skroor» (Deventer 1822; 3. Aufl. 1834), «Twigen uw ien alde Stamme» (ebd. 1849), «Minne Jorrits Reis» (1851), «Ee Quikborn. Platdeutske Rymkes yn it Friesk verbrogt» (Leeuwarden 1857) und «De Jonkerboer of Krijstijd yn ald Frieslân» (ebd. 1858; 2. Aufl. 1859). Von den Gedichten und Erzählungen der beiden Brüder erschien 1871 zu Deventer eine Gesamtausgabe. ^[Spaltenwechsel]
Halbesel, s. Dschiggetai.
Halbfabrikate, Erzeugnisse der industriellen Thätigkeit, welche eine Zwischenstufe der Umgestaltung zwischen Rohmaterial und dem fertigen Gebrauchsgegenstand darstellen; so ist z. B. das Gespinst das Halbfabrikat für das Gewebe, das Roheisen das Halbfabrikat für die Eisenbahnschienen.
Halbflügler, s. Schnabelkerfe.
Halbfranzband, s. Buchbinderei (Bd. 3, S. 651 b).
Halbfreie, s. Freie.
Halbgasfeuerungen, s. Gasfeuerungen (Bd. 7, S. 571 b).
Halbgatter, s. Sägemaschinen.
Halbgeschoß, Zwischengeschoß, frz. Entresol; ital. Mezzanin, ein Geschoß (s. d.) von geringer Höhe zwischen zwei Stockwerken. Im Äußern sind die H. gekennzeichnet durch niedrige, quadratische, runde oder ovale Fenster (Mezzanin-Fenster), welche namentlich in der ital. Renaissance an Palästen wirkungsvoll verwendet wurden. Auch heute sind H. besonders in großen Städten beliebt zur Aufnahme von Geschäftsräumen zwischen dem zu Läden verwendeten Erdgeschoß und dem ersten Obergeschoß bei Wohnhäusern.
Halbgeschwister, s. Halbbürtige Geschwister.
Halbgestiefelt, s. Abzeichen der Haustiere.
Halbgeviert, im Buchdruck, s. Ausschließung.
Halbgötter, s. Heros.
Halbgouache, s. Gouachemalerei.
Halbhaken, s. Handfeuerwaffen (S. 760 b).
Halbharze, soviel wie Gummiharze (s. d.).
Halbhufer (Caviidae), s. Nagetiere.
Halbhufner, s. Bauer, Bauerngut, Bauernstand.
Halbieren, eine Größe in zwei gleiche Teile teilen. Eine arithmet. Größe wird halbiert, indem man sie durch 2 dividiert. Um eine gerade Linie oder einen Kreisbogen zu halbieren, beschreibt man um die beiden Endpunkte Kreise mit der gleichen Zirkelöffnung und verbindet die Schnittpunkte dieser Kreise durch eine gerade Linie, die nun die andere Linie oder den Kreisbogen halbiert. Um einen Winkel zu halbieren, schlägt man um den Scheitel einen Kreis; um die Schnittpunkte dieses Kreises mit den Schenkeln des Winkels schlägt man mit gleicher Zirkelöffnung je einen Kreis; dann halbiert die Verbindungslinie des Scheitels mit dem Schnittpunkt der beiden zuletzt geschlagenen Kreise den Winkel.
Halbiertes Eisen, s. Eisen (Bd. 5, S. 826 b).
Halbierzirkel, s. Zirkel.
Halbig, Joh., Bildhauer, geb. 13. Juli 1814 zu Donnersdorf in Bayern, bildete sich zu München an der Polytechnischen Schule und an der Akademie zum Bildhauer aus und wurde 1845 Professor an der dortigen Polytechnischen Schule. Für Monumentalbauten modellierte er seit 1835 eine Reihe dekorativer Bildwerke (Viergespann mit den kolossalen Löwen für das Münchener Siegesthor, 1847; 18 Figuren für die Befreiungshalle in Kelheim). An selbständigen Werken gehören ihm zu: die Statue des Königs Maximilian Ⅱ. (1854) sowie der kolossale Löwe, beide am Hafen in Lindau, das