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Hessen-Nassau
eroberten mitteldeutschen Gebiete gebildet, umfaßt das ehemalige Kurfürstentum Hessen (ohne die Gemeinden Treis, Katzenberg, Nauheim, Massenheim und Rumpenheim), das ehemalige Herzogtum Nassau (ohne das Amt Reichelsheim und die Gemeinde Haarheim), von der frühern Landgrafschaft Hessen-Homburg den rechtsrhein. Teil, die übrigen 3. Sept. 1866 vom Großherzogtum Hessen abgetretenen Gebiete (Kreise Vöhl und Biedenkopf nebst den nordwestlichsten Ortschaften des Gießener Kreises, sodann die Gemeinden Rödelheim und Niederursel), das Gebiet der ehemals Freien Stadt Frankfurt (ohne die Gemeinden Dortelweil und Niedererlenbach), endlich die 22. Aug. 1866 von Bayern abgetretenen unterfränk. Distrikte (Bezirksamt Gersfeld und Landgerichtsbezirk Orb größtenteils). Die Provinz bedeckt eine Fläche von 15692,44 qkm. Der Hauptteil grenzt an die preuß. Provinzen Rheinland, Westfalen, Hannover und Sachsen, an Waldeck, Sachsen-Weimar-Eisenach, an Bayern und an das Großherzogtum Hessen; er umschließt die hess. Provinz Oberhessen und den Kreis Wetzlar der Rheinprovinz. Außerdem gehören zu H. mehrere Exklaven, nämlich die Grafschaft Schaumburg, die Herrschaft Schmalkalden und die Parzellen Barchfeld in meiningenschem, Eimelrode und Höringhausen in waldeckschem Gebiete. (S. die Karten: Rheinprovinz, Westfalen, Hessen-Nassau und Großherzogtum Hessen Ⅰ und Ⅱ beim Artikel Rheinprovinz.)
Oberflächengestaltung, Gewässer. Mit Ausnahme des Main- und Rheinthals zwischen Hanau und Rüdesheim sowie des schmalen Weserthals im N. gehört das Land dem mitteldeutschen Gebirge an, einem wellenförmigen Gebiet mit zahlreichen Bergkuppen, einzelnen Gipfeln und größern Gebirgsstöcken, zwischen denen sich die Thalsenkungen der Werra, Fulda, Kinzig, Nidda, des Mains und Rheins und der Lahn sowie von deren Zuflüssen hindurchziehen. Östlich der Fulda sind zu nennen der Kaufungerwald, der Meißner, der Eisberg, der Seulingswald und die westl. Abhänge der Rhön, weiter südlich die östl. Ausläufer des Vogelbergs als Wasserscheide zwischen Fulda und Kinzig, sowie die nördl. Abhänge des Spessart. Westlich der Fulda erheben sich Reinhardswald, Habichtswald, Langenberg, Knüllberg, Kellerwald, Hohelohr und Burgwald, in Nassau nördlich der Lahn der Westerwald und zwischen Lahn und Rhein der Taunus. Im Kreis Rinteln (Schaumburg) erstreckt sich der Süntel; der Kreis Schmalkalden gehört zum Thüringerwalde. Auf die Stromgebiete von Weser und Rhein verteilt sich die Fläche fast zu gleichen Teilen. Die Weser berührt und durchschneidet die Provinz auf einer Strecke von 68 km; links fließt ihr die Diemel zu. Die Werra läuft nahe der nordöstl. Grenze, die Fulda liegt mit Ausnahme einer kurzen Strecke ganz in H. Main und Rhein bilden auf einer Strecke von etwa 150 km die Südwestgrenze, bei Frankfurt a. M. greift diese Grenze über das linke Ufer des Mains hinaus. Die Lahn endlich durchschneidet einen großen Teil der Provinz. Das Klima ist im allgemeinen mild und nur in den Gebirgs- und Waldgegenden rauh, der Boden außer dem rauhen Westerwalde und den östlich belegenen Kreisen fast durchgängig fruchtbar.
Bevölkerung. Die Provinz hat (1890) 1664426 (809241 männl., 855185 weibl.) E., darunter 12026 Militärpersonen, 220292 bewohnte, 4163 unbewohnte Wohnhäuser, 1288 andere bewohnte Baulichkeiten, 327843 Familienhaushaltungen, 23411 einzeln lebende selbständige Personen und 1102 Anstalten mit 30135 Insassen in 105 Städten, 2224 Landgemeinden und 279 Gutsbezirken. Davon entfallen auf die 105 Städte 1673,82 qkm Fläche, 651095 (314056 männl., 337039 weibl.) E., 54650 bewohnte, 1038 unbewohnte Wohnhäuser, 685 andere bewohnte Baulichkeiten, 127958 Familienhaushaltungen, 10542 einzeln lebende selbständige Personen und 835 Anstalten. Dem Religionsbekenntnis nach waren 1156457 Evangelische, 455477 Katholiken, 5891 andere Christen, 1734 Dissidenten, 44543 Israeliten und 324 Bekenner anderer Religionen, mit unbestimmter oder ohne Angabe der Religion. Der Staatsangehörigkeit nach waren 1654578 Deutsche, 2469 Österreicher, 285 Ungarn, 663 Holländer, 116 Dänen, 757 Russen. ^[Spaltenwechsel]
Land- und Forstwirtschaft. Von der Fläche entfielen (1883) auf Ackerland, Gärten und Weinberge 629942, Wiesen und Weiden 251927, Holzungen 627524 ha. Man baut Getreide aller Art, von Hülsenfrüchten besonders Bohnen, viel Tabak, Flachs und Obst, letzteres namentlich im Mainthal und im Rheingau von vorzüglicher Güte. In der Landwirtschaft herrscht der kleine und mittlere Betrieb durchaus vor. Unter den 1882 ermittelten 199369 Landwirtschaftsbetrieben mit 816570 ha, Wirtschaftsfläche waren nur 647 Betriebe von je 50 und mehr Hektar Anbaufläche mit einer Wirtschaftsfläche von 93075 ha (= 11,4 Proz.). Von großer Bedeutung ist der Weinbau. Das gesamte Weinbergsland beträgt 3771 ha. Oberhalb Rüdesheim wachsen hauptsächlich Riesling im Rheinthal, unterhalb Rüdesheim gemischte und Kleinberger Trauben, außerdem Österreicher, Klebrot, Frühburgunder, Traminer und Orléanstrauben. Der Ertrag ist je nach der Lage und in den einzelnen Jahren je nach der Gunst oder Ungunst der Witterung sehr verschieden. 1891 betrug die Erntefläche von: Roggen 125433 ha, Weizen 57582, Gerste 42452, Kartoffeln 81759, Hafer 146054, Wiesenheu 181111 ha; die Gesamtmenge an: Roggen 99192 t, Weizen 52875, Gerste 44455, Kartoffeln 423321, Hafer 194489, Wiesenheu 470218 t (zu 1000 kg), Wein 18961 hl. 1891/92 bauten 2105 Tabakpflanzer auf 156 ha Fläche 343 t getrocknete Tabakblätter im Werte von 128000 M. (nach Abzug der Steuer). Die Viehzucht ist wegen des vorwiegenden Kleinbetriebes in der Landwirtschaft nicht sonderlich hervorragend, der Viehbesitz aber bei der ländlichen Bevölkerung sehr verbreitet. Am 1. Dez. 1892 wurden ermittelt: 75288 Pferde, 545678 Stück Rindvieh , 411328 Schafe, 403020 Schweine, 151556 Ziegen und 39498 Bienenstöcke. Die Waldkultur ist, dem bergigen Charakter des Landes entsprechend, sehr ausgedehnt, die Forsten sind reich an Wild, und die zahlreichen Waldbäche sowie die größern Flüsse liefern eine Menge von Fischen.
Mineralquellen und Bergbau. Einen Schatz besitzt die Provinz an ihren zum Teil stark besuchten Heilquellen, unter welchen besonders Schwalbach (Eisen- und Stahlwasser), Homburg und Kronthal (kalte Kochsalzwasser), Soden und Wiesbaden (warme Kochsalzwasser), Nenndorf und Weilbach (Schwefelwasser), Ems, Fachingen und Selters (alkalische Mineralwasser), Schlangenbad (indifferente Quellen) hervorzuheben sind. Aus mehrern dieser Quellen, namentlich aus Selters, werden all- ^[folgende Seite]