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Holzgeist – Holzhandel
das H. durch das Steinkohlenleuchtgas fast völlig verdrängt worden und hat sich nur da noch erhalten, wo Holz ungemein leicht und billig zu beschaffen ist.
Holzgeist, Holzalkohol, Holznaphtha, Holzspiritus, der rohe Methylalkohol, der einfachste Alkohol, von der Zusammensetzung CH₄O=CH₃OH. Der H. entsteht bei der trocknen Destillation des Holzes (man benutzt geschältes Holz von Laubbäumen) und findet sich daher im rohen Holzessig (s. d.). Durch Destillation und Behandeln mit Kalk befreit man ihn von der Essigsäure und den teerigen Verunreinigungen. Der so erhaltene rohe H. enthält hauptsächlich noch Aceton. Um ihn von diesem zu befreien, führt man ihn mit wasserfreiem Chlorcalcium in die krystallinische Verbindung CaCl₂·4CH₄O über, befreit diese durch Erwärmen vom Aceton und gewinnt durch Destillieren mit Wasser aus ihr wässerigen H., der durch Kalk entwässert werden kann. In chemisch reinem Zustande erhält man den Methylalkohol durch Überführen in den schön krystallisierenden Oxalsäuremethylester und Zersetzen desselben mit Kalilauge. In der Natur findet sich Methylalkohol als Salicylsäureester im Gaultheriaöl (s. d.), als Buttersäureester im unreifen Samen von Heracleum giganteum Horn. Der reine Methylalkohol ist eine schwach geistig riechende bewegliche wasserhelle Flüssigkeit, die bei 66° siedet. Sein spec. Gewicht ist 0,796 bei 20°. Er mischt sich in jedem Verhältnisse mit Wasser, Alkohol und Äther, brennt mit bläulicher Flamme und verhält sich in seinen chem. Reaktionen dem gewöhnlichen Äthylalkohol (s. Alkohol) ganz ähnlich. An Stelle der aus letzterm entstehenden Äthyl-(C₂H₅) Verbindungen bilden sich aus dem H. die Verbindungen des Radikals Methyl, CH₃. Der rohe H. dient wegen seines schlechten Geschmacks zum Denaturieren von Spiritus; ferner benutzt man Methylalkohol zur Bereitung von Firnissen, zu Politur, zur Wickersheimerschen Flüssigkeit (s. d.), in reinerm Zustande wird er und seine Derivate Chlormethyl, CH₃Cl, und Jodmethyl, CH₃J, vielfach bei der Farbenfabrikation verwendet. Ferner benutzt man denselben zur Herstellung von Formaldehyd und von Methyläther, CH₃·O·CH₃ zu Eismaschinen u. s. w. 100 kg kosten im Großhandel (1893) je nach dem Reinheitsgrade 170‒260 M.
Holzgewächse, in der Botanik die strauch- und baumartigen Pflanzen.
Holzgewebe, ein Gewebe, das aus cylindrischen Holzstäbchen (Holzdraht, s. d.) mit einer Kette von Seide oder Baumwollzwirn gebildet ist, wobei die Kettenfäden einzeln oder zu mehrern angeordnet in weiten Zwischenräumen stehen. Derartige Gewebe werden öfters mit der Hand, meist aber auf schmalen, kurzen Webstühlen hergestellt. Man gebraucht zu den Stäbchen weiße, weiche Hölzer von feiner, geradfaseriger Struktur, wie Weiden-, Pappel-, Lindenholz. Der Holzdraht hat entweder die natürliche Färbung des Holzes oder er ist gebleicht oder auch verschieden gefärbt. H. werden oft auch ganz aus Holzdraht verfertigt. Dahin gehören die sog. Siebplatten, bei welchen die die Kette und den Einschlag bildenden Holzstreifchen in einiger Entfernung voneinander liegen, sodaß kleine quadratische Öffnungen entstehen. Diese Siebplatten dienen weniger zu Sieben als zu Hutgestellen, die mit Zeug überzogen werden; doch macht man auch Siebe aus breitern und stärkern Streifen, die aus Eschen- oder Haselnußstöcken gespalten, geglättet und auf gleiche Stärke gebracht sind. Eine andere Art von H. bildet die sog. Sparterie, die aus feinen, sehr dicht nebeneinander liegenden Holzstreifen besteht, entweder leinwandartiges oder geköpertes oder auch kleingemustertes Gefüge zeigt und zur Verfertigung von Hüten benutzt wird. Dieser Industriezweig (Holzweberei genannt) wird im großen Maßstabe ganz besonders in Alt-Ehrenberg in Böhmen betrieben. Man macht aus Holzstreifen auch Bänder, um diese alsdann wie Strohbänder zu Hüten zusammenzunähen, welche letztere fälschlich Basthüte genannt werden. – Vgl. Kleinwächter, Die Holzweberei in Alt-Ehrenberg (Prag 1843). ^[Spaltenwechsel]
Holzgummi, eine dem gewöhnlichen Gummi ähnliche Substanz, die aus Buchenholz durch Ausziehen mit Natronlauge und Fällen der Lösung mit Alkohol und Salzsäure gewonnen werden kann, aber auch im Tannenholz und in der Jute gefunden worden ist. Das H. besitzt die Zusammensetzung C₆H₁₀O₅, löst sich leicht in heißem Wasser und Natronlauge und giebt beim Erwärmen mit verdünnten Säuren den Holzzucker (s. d.).
Holzhandel. Während der weitere Holztransport früher lediglich auf die dazu geeigneten Wasserstraßen angewiesen war, bilden heute für ihn zahlreiche Landstraßen und Eisenbahnen geeignete Wege. Über den bedeutenden H. innerhalb der Zollgrenzen lassen sich brauchbare Zahlenangaben nicht gewinnen, wohl aber über Ein- und Ausfuhr über die Zollgrenzen. Der große Unterschied der Preise in den Ein- und Ausfuhrländern ermöglicht einen immer weiter gehenden Transport. Die wichtigsten Holz ausführenden Länder sind Rußland, Schweden, Norwegen und Österreich-Ungarn, die Haupteinfuhrländer England, Frankreich, Italien, Belgien und Niederlande. Deutschland führt namentlich über Danzig, Memel, Stettin, Königsberg, Hamburg, Lübeck und Bremen Holz russ., galiz. und deutscher Herkunft nach England, Frankreich, Belgien, Holland und Dänemark aus, während es selbst vorzüglich aus Österreich-Ungarn und Rußland Holz einführt. Hauptwasserstraßen für auswärtigen und inländischen H. bilden u. a. die Weichsel für Rußland, die Oder für Oberschlesien, die Elbe für Böhmen und Sachsen, der Rhein für Baden, Württemberg und Bayern, die Weser für Bremen und die Donau mit ihren Nebenflüssen Isar, Iller und Inn für Österreich. Außereurop. Hölzer, und zwar namentlich Schiffbauhölzer, werden besonders aus Nordamerika nach England, Deutschland, Frankreich eingeführt.
Nach dem «Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich» (1893) wurden über Deutschlands Zollgrenzen an rohen oder roh bearbeiteten Bau- und Nutzhölzern ein- und ausgeführt:
Einfuhr.
Jahr Tonnen zu 1000 kg Wert in 1000 M.
roh roh verarbeitet
1886 1154922 603908 66552
1890 2032214 1199644 139421
1892 1805811 1333966 140023
Ausfuhr.
1886 248569 238975 25835
1890 197366 100687 15766
1892 194082 94444 14801