Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lukow – Lullus

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Lukmanier'

Medelserthal mit dem Val Blegno. Schon im Mittelalter als einer der bequemsten Übergänge stark benutzt und mit Hospizen versehen, wurde er 1873–78 fahrbar gemacht. Die Poststraße zweigt bei Disentis (1150 m) von der Oberalpstraße ab, überschreitet den Vorderrhein, steigt in Windungen und 11 Tunneln durch die Felsschlucht des Mittelrheins hinauf und erreicht durch das einförmige Hochthal Val Medels die Paßhöhe (1917 m, 21 km von Disentis), welche die Wasserscheide zwischen Rhein und Ticino bildet. Am Südabhang wendet sich die Straße durch die Weiden und Waldungen des Val Sta. Maria nach Olivone (893 m) im Blegnothale und erreicht, dem Brenno folgend, Biasca (s. d., 62 km von Disentis) an der Gotthardbahn.

Lúkow (spr. -koff). 1) Kreis im südwestl. Teil des russ.-poln. Gouvernements Sjedlez, hat 1885 qkm, 85790 E., einige Schneidemühlen, Brennereien, Glas- und Spiegelfabriken. –

2) L., poln. Łukow, Kreisstadt im Kreis L., an der Krzna und an den Eisenbahnen Warschau-Terespol und Iwangorod-L. der Weichselbahn, hat (1893) 7558 E., in Garnison das 3. Train-Cadrebataillon, Post, Telegraph, 2 kath. Kirchen, 1 Kapelle; Gerbereien, Lichter- und Ölfabriken.

Lukratīv (lat.), gewinnbringend; lukrieren, gewinnen, Vorteil haben.

Luksillen, s. Luken.

Luksor, Luqsor, ägypt. Dorf in dem alten Stadtbezirk von Theben, eine starke halbe Stunde südlich von Karnak, hart am östl. Nilufer gelegen. Der arab. Name el uqsūr (die Burgen) ist von den Ruinen des dortigen Tempels hergenommen. L. wird in neuerer Zeit viel von Touristen besucht, es ist Sitz von Konsularagenten und besitzt ein Hotel. Der stattliche, 255 m lange, von Amenophis III. erbaute, von Ramses II. vollendete Tempel des Ammon stand durch eine lange Widderreihe mit den Tempeln von Karnak in Verbindung. Vor den von Ramses erbauten Eingangstürmen (Pylonen) errichtete dieser die beiden Obelisken, von denen der kleinere, 20 m hohe, 1831 nach Paris gebracht und auf der Place de la Concorde aufgestellt wurde. – Vgl. Gayet, Le temple de Louxor (1. Heft, 1894).

Lukubration (lat.), das Arbeiten bei Licht, Nachtarbeiten, Nachtstudieren: auch das Erzeugnis solcher Arbeit, die bei Licht gefertigte Arbeit; lukubrieren, bei Licht, in der Nacht studieren, arbeiten.

Lukuga, der Ausfluß des Tanganikasees in den Lualaba-Kongo, ist anfangs 2 km breit, wird aber bald darauf von Sandbarren und üppigster Vegetation derart verengt, daß er nur bei hohem Wasserstand des Sees wahrnehmbar seinen Lauf nach W. fortsetzt. Cameron entdeckte ihn im Mai 1874, Thomson verfolgte ihn Jan. 1880 bis Makalumbi und Delcommune im Oktober, Nov. 1892 von Makalumbi bis zu seinem Einfluß in den Lualaba (5° 35' südl. Br. und 20° 45' östl. L.), wobei sich herausstellte, daß der nach Erkundigungen in die Karten eingezeichnete Landschisee nicht existiert.

Lukulént (lat.), lichtvoll, deutlich; Lukulénz, Helle, Deutlichkeit.

Lukullān, s.Marmor.

Lukullisch, in der Weise des Lucullus (s. d.), üppig, schwelgerisch.

Lule, s. Amerikanische Rasse (Bd. 1, S. 527a).

Luleå (spr. -leoh), Stadt im schwed. Län Norrbotten, an der Mündung des Luleå-elf, mit dem Bergwerk Gellivara (s. d.) durch Bahn, mit Stockholm durch Dampfer verbunden, Residenz des Landeshauptmanns, hat (1892) 5523 E., bedeutenden ↔ Handel mit Holz, Teer, Lachs, Eisen und Renntierhäuten. Die Stadt litt öfters unter Bränden, zuletzt 1887. L. ist Sitz eines deutschen Vicekonsuls.

Luleå-elf (Lule-elf), der drittgrößte der schwed. Flüsse, 440 km lang, mit einem Stromgebiete von 27000 qkm, entsteht aus Stora- und Lilla-Luleå-elf, die auf den weiten Schnee- und Eisfeldern nahe der Grenze entspringen und mitten im norrbottnischen Gletschergebiete eine Reihe von Seen und Wasserfällen bilden. Der größte Fall ist Njommelsaska oder Harsprånget (Hasensprung). Der L. mündet bei Luleå in den Bottnischen Meerbusen. Er ist zwischen den großen Fällen, die jetzt meist Kanäle umgehen, schiffbar.

Luleå Län, s. Norrbottens Län.

Luleå-Ofotenfjord-Bahn, die von Luleå am Bottnischen Meerbusen nach dem Ofotenfjord in Norwegen führende Eisenbahn, deren eine Hälfte bis Gellivara vollendet ist. (S. Schwedische Eisenbahnen.)

Lule-elf, s. Luleå-elf.

Lullische Kunst, Lullisten, s. Lullus, Raimundus.

Lullus, angelsächs. Missionar, Mitarbeiter und Nachfolger des Bonifatius (s. d.), wirkte in Friesland, Thüringen und Hessen, brachte 751 vom Papst Zacharias das Privilegium des Klosters Fulda heim, ward 754 von Bonifatius zu seinem Nachfolger als Erzbischof von Mainz geweiht, gründete um 770 das Kloster Hersfeld und starb hier 786. – Vgl. Heinr. Hahn, Bonifaz und Lul (Lpz. 1883).

Lullus, Raimundus, oder Ramón Lull, Scholastiker und Alchimist, geb. 1235 zu Palma auf Mallorca, führte anfangs als Kriegs- und Hofmann des Königs von Aragonien ein wüstes Leben, entsagte aber dann der Welt und studierte in Santiago di Compostela, Montpellier und Paris und trat dort in den Minoritenorden ein, wo er von Roger Baco zuerst in die Alchimie eingeführt wurde. 1293 traf er in Neapel mit Arnoldus Villanovanus zusammen, reiste von 1300 an im Orient, ging 1306 nach Nordafrika, um das Christentum zu predigen. Er starb 30. Juni 1315 auf der Überfahrt nach Mallorca. Nach einer andern Erzählung soll er 1333 in Italien verschollen sein. L. soll mehr als 500, nach andern sogar über 4000 Schriften philos., theol. und alchimist. Inhalts verfaßt haben, deren große Mehrzahl ihm aber mit Unrecht zugeschrieben wird. Einen Teil hat Salzinger als «Opera omnia» (10 Bde., Mainz 1722–42) herausgegeben, eine Gesamtausgabe («Obras») Rossolló (Palma 1886 fg.) veranstaltet. Auf philos. Gebiete ist sein Hauptwerk die «Ars magna Lulli» oder die Lullische Kunst, welche später von Bruno wieder bearbeitet wurde. Es ist ein Versuch schematischer Ordnung der Begriffe zum Zwecke einer übersichtlichen Erkenntnis und sichern Beweisführung. L. soll auch Gedichte in catalanischer Sprache hinterlassen haben, die Rossolló («Obras rimadas», Palma 1859) veröffentlichte (vgl. Helfferich, Raymund Lull und die Anfänge der catalonischen Litteratur, Berl. 1858, und F. de Paula Canalezas, Las doctrinas del Doctor Raimundo Lullo, Madr. 1870). Den hervorragendsten Einfluß aber hat L. als Alchimist geübt, indem er der Alchimie ihre phantastisch-mystische und religiöse Richtung gab. Den Stein der Weisen will er selbst oft bereitet, mit seiner Hilfe Gold und Edelsteine gemacht, sich das Leben verlängert und verjüngt haben. Den spätern Alchimisten ist er als der abgöttisch verehrte Doctor

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 374.