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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Nicolai; Nicolaie; Nicolaische Buchhandlung; Nicolaithal; Nicolas; Nicolay; Nicŏlo; Nicolò de Malte; Nicolsches Prisma

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Nicolai (Otto) – Nicolsches Prisma

Bürger gegenüber, das Volkslied lächerlich machen. Gegen Goethe und dessen «Werther» schrieb er «Freuden des jungen Werthers. Leiden und Freuden Werther des Mannes. Voran und zuletzt ein Gespräch» (Berl. 1775). Schillers und Goethes Angriffe in den «Xenien» (1797) riefen sofort eine breitspurige Gegenschrift N.s hervor. Auch gegen Hamann, Herder, Garve, Lavater, vor allen aber gegen Kant und Fichte war sein Groll gerichtet. Er starb 8. Jan. 1811 in Berlin. – Vgl. N.s Selbstbiographie, hg. von Löwe (in den «Bildnissen jetzt lebender Berliner Gelehrten», 1806), und N.s Schrift «Über meine gelehrte Bildung» (Berl. 1799); Göckingk, N.s Leben und litterar. Nachlaß (ebd. 1820); Lessings Jugendfreunde, hg. von Minor (in Kürschners «Deutscher Nationallitteratur»); Herders Briefwechsel mit N. (Berl. 1887). (S. auch Nicolaische Buchhandlung.)

Nicolai, Otto, Komponist, geb. 9. Juni 1810 zu Königsberg i. Pr., erhielt seine musikalische Bildung unter Bernhard Kleins Leitung in Berlin, ging 1833 als Organist der preuß. Gesandtschaft und königl. Stipendiat nach Rom. Er studierte hier unter Baini gründlich die alten ital. Meister der Kirchenmusik, wandte sich aber daneben der Opernkomposition zu. Seine Erfolge auf diesem Gebiete verschafften ihm die Kapellmeisterstelle am Kärntner Thor in Wien. Nachdem er sich 1838 nach Rom zurückbegeben und mit «Enrico Ⅱ» (1839), «Il Templario» (1840) und andern Opern Aufsehen erregt hatte, folgte er 1842 einem zweiten Rufe nach Wien. Durch Gründung der Konzerte der Philharmoniker schuf er sich in dieser Zeit seiner Amtsthätigkeit ein bleibendes Verdienst. 1847 ging N. als Hofkapellmeister nach Berlin, wo kurz vor seinem Tode die ursprünglich für Wien komponierten «Lustigen Weiber von Windsor», die seine Hauptoper und eins der besten neuern deutschen Bühnenwerke sind, zur Aufführung kamen. Er starb 11. Mai 1849 in Berlin. N. hat auch kirchliche Kompositionen für den Berliner Domchor sowie eine Reihe von Liedern und Pianofortesachen geschrieben. – Vgl. Förster, O. N. (in «Westermanns Deutschen Monatsheften», 1892); N.s Tagebücher, hg. von Schröder (Lpz. 1893).

Nicolai, Philipp, luth. Theolog und geistlicher Liederdichter, geb. 10. Aug. 1556 zu Mengeringhausen im Waldeckschen, wurde 1583 in Herdecke, 1588 in Alt-Wildungen, 1596 in Unna Pfarrer und starb 26. Okt. 1608 als Hauptpastor zu St. Katharinen in Hamburg. Seine berühmtesten Lieder sind: «Wie schön leuchtet der Morgenstern» und «Wachet auf, ruft uns die Stimme». N.s theol. Schriften gegen die Reformierten gehören zu den berüchtigsten Produkten damaliger Polemik. – Vgl. Curtze, N.s Leben und Lieder (Halle 1859).

Nicolaie (spr. -läh), franz. Dramatiker, s. Clairville.

Nicolaische Buchhandlung in Berlin, gegründet 1713 von Christoph Gottlob Nicolai, kam nach dessen Tode (1752) an seinen auch als Schriftsteller bekannten Sohn Christoph Friedrich Nicolai (s. d.), der das Geschäft zu einem der angesehensten Berlins machte. Nach des letztern Tode (1811) ging es über an dessen Schwiegersohn Hofrat Daniel Friedr. Parthey (1745‒1821), 1821 an des letztern Sohn, den Archäologen Dr. Gustav Parthey (s. d.). Dieser verkaufte 1858 das Sortiment, das sich unter der Firma «Nicolaische Buchhandlung (Borstell & Reimarus)» im Besitz von Fritz Borstell (geb. 27. Mai 1334, Besitzer seit 1863, gest. 2. Febr. 1896) und Hans Reimarus (geb. 2. April 1843, Mitbesitzer seit 1872) befindet und einen Lesezirkel hervorragender Erscheinungen der deutschen, engl. und franz. Litteratur, mit gegen 5000 Lesern in Deutschland, unterhält. Die «Nicolaische Verlagsbuchhandlung» ging über: 1866 an August Effert (geb. 7. Sept. 1801 in Stettin, gest. 13. Juni 1870) und L. Lindtner (geb. 20. Juli 1813 in Berlin, gest. 20. Nov. 1891), 1872 an Efferts Schwiegersohn, Rudolf Stricker (geb. 1. Febr. 1829 in Hebron-Damnitz in Pommern, gest. 5. Okt. 1890) und ist seit 1890 im Besitz von des letztern Erben. Der Verlag umfaßt die «Allgemeine Deutsche Bibliothek» (208 Bde., 1765‒1806), die sämtlichen Werke von Justus Möser und Theodor Körner, das «Archiv für Naturgeschichte» (1835 fg.), naturwissenschaftliche, technische, histor., kunsthistor. Werke, in neuerer Zeit besonders Schulbücher und Vorlagen für Kunstindustrie und Heraldik, von Autoren wie Berendt, Bopp, Erichson, Hildebrandt, Kämmerling, W. von Kaulbach, Franz Kern, Kreyßig, Lepsius, Michelet, W. von Raumer, Titz, Troschel u. a. – Vgl. Friedel, Zur Geschichte der N. B. (Berl. 1891).

Nicolaithal, s. Visp.

Nicolas, Saint, Städte, s. Saint Nicolas.

Nicolay, Ludw. Heinr., Freiherr von, Dichter, geb. 27. Dez. 1737 zu Straßburg, studierte daselbst die Rechte, wurde 1761 Privatsekretär des russ. Gesandten in Wien, 1769 Erzieher, 1770 Kabinettssekretär des Großfürsten Paul von Rußland, 1782 geadelt, 1796 kaiserl. Staatsrat, 1798 Direktor der Akademie der Wissenschaften und 1801 Geheimrat und Mitglied des Kabinetts. Nach Kaiser Pauls Tode zog er sich auf sein Gut Monrepos bei Wiborg in Finland zurück, wo er 28. Nov. 1820 starb. Am höchsten stehen seine Fabeln und seine kleinen, nach Wielands Muster verfaßten poet. Erzählungen. An seine «Vermischten Gedichte und prosaischen Schriften» (8 Bde., Berl. 1792‒1810) schließen sich seine wertlosen «Theatralischen Werke» an (2 Bde., Königsb. 1811). – Vgl. von Gerschau, Aus dem Leben des Freiherrn von N. (Hamb. 1834).

Nicŏlo, veraltetes Musikinstrument, s. Schalmei.

Nicolò de Malte, Komponist, s. Isouard.

Nicolsches Prisma oder kurzweg Nicol (nach dem Erfinder, dem engl. Physiker Nicol benannt), zwei Doppelspatprismen (s. beistehende Figur a e c b) und d g b c), deren polierte Trennungsflächen bc mit Canadabalsam aneinander gekittet sind. Wenn nun ein Lichtstrahl mn auf die rhombische Fläche a e fällt, so zerlegt er sich vermöge der Doppelbrechung (s. d.) im Kalkspat in zwei entgegengesetzt polarisierte (s. Polarisation) Strahlen, und zwar in einen gewöhnlich oder ordentlich und in einen ungewöhnlich oder außerordentlich gebrochenen Strahl, wobei der Brechungsexponent des ersten 1,66 ist, jener des zweiten Zwischen 1,48 und 1,66 veränderlich erscheint. Da nun der Brechungsexponent des Canadabalsams (1,54) kleiner als jener (1,66) des ordentlichen Strahls ist, so wirkt die Balsamschicht auf den ordentlichen Strahl wie ein schwächer

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