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Scrotum – Scythen
Staubgefäßen, von denen zwei länger als die andern sind, und einem zweifächerigen Fruchtknoten mit einfachem Griffel, der an seiner Spitze gewöhnlich zwei Narben trägt. Die Frucht ist gewöhnlich eine Kapsel, die in verschiedener Weise sich öffnet.
Scrotum, Hodensack, s. Hoden.
Scrubber (Skrubber, engl.), s. Gasbeleuchtung (Bd. 7, S. 566 a).
Scrupŭlo, portug. Gewicht, s. Escrupulo.
Scrutinĭum (vom lat. scrutāri, d. h. ausforschen oder gründlich untersuchen), im Kirchenrecht die der Übertragung eines geistlichen Amtes vorausgehende Untersuchung, ob der zum Amt Berufene zur Annahme desselben würdig und fähig sei oder nicht; ferner die mittels versiegelter Stimmzettel vorgenommene Wahl des Papstes oder eines Bischofs und daher dann im allgemeinen jede Wahl mittels Stimmzettel. – Skrutiniālverfahren nannte man früher das einer strafrechtlichen Voruntersuchung oder der Erhebung der Anklage vorhergehende vorbereitende Verfahren, das dazu diente, aufzuklären, ob der Verdacht, daß ein Verbrechen begangen sei, begründet, ob gegen eine Person ein zur Einleitung der Untersuchung ausreichender Verdacht der Thäterschaft begründet sei u. s. w.
Scudéry (spr. ßkü-), Georges de, franz. Dichter, geb. 1601 zu Havre, ursprünglich Militär, widmete ich seit 1630 in Paris fast ausschließlich der Litteratur. Er gehörte zum Kreise des Hôtel de Rambouillet und machte sich besonders bekannt durch seine Corneilles berühmtestes Werk herabsetzenden «Observations sur le Cid» (1637). Von ihm sind ungefähr 20 Bühnenstücke erhalten, die, meist nach span. Vorlagen gearbeitet, durch ihre spannende Handlung und gezierte Sprache gefielen und für die Ausbildung der franz. Bühnentechnik nicht ohne Bedeutung waren. Die interessanteste seiner Komödien, «La comédie des comédiens» (1635), bringt eine Wandertruppe auf die Bühne. Er wurde 1650 Mitglied der Akademie. Sein Epos «Alaric» (Par. 1654) wurde von Boileau in seiner «Poetik» verspottet. S. starb 14. Mai 1667 zu Paris.
Seine nicht weniger berühmte, 1607 zu Havre geborene Schwester, Madeleine de S., veröffentlichte unter dem Namen ihres Bruders geschichtliche Romane im heroisch-idealistischen Stil, die namentlich in der vornehmen Gesellschaft große Bewunderung erregten und eigentlich die durch den «Amadis» angeregte Richtung zum Abschluß brachten. Diese Romane, welche durch Anspielungen auf vornehme und angesehene Zeitgenossen und durch Kopierung derselben einen besondern Reiz erhielten, sind: «Ibrahim, ou l’illustre Bassa» (4 Bde., Par. 1644), «Artamène ou le grand Cyrus» (10 Bde., ebd. 1649‒53), «Clélie» (10 Bde., ebd. 1656), «Amahide» (8 Bde., ebd. 1660). Die Dichterin wurde im Hôtel de Rambouillet als Sappho gefeiert. Sie schrieb später noch zehn Bücher moralischer «Conversations et entretiens» und starb 2. Juni 1701. Ihren «Discours de la gloire», das erste Werk, welches 1671 einen von Balzac gestifteten Preis der Französischen Akademie davontrug, findet man nebst Auszügen aus ihren andern Werken in dem «Esprit de Mademoiselle de S.» (Par. 1766 u. ö.). – Vgl. Rathéry und Boutron, Mademoiselle de S., sa vie et sa correspondance (mit einer Auswahl ihrer Dichtungen, Par. 1873).
Scudo, frühere ital. Silbermünze, benannt nach dem Gepräge, den Wappenschilden; der Wert schwankte bei den einzelnen ehemaligen ital. Staaten etwa zwischen 3½ und 5 M. – Über den S. eritrēo s. Erythräischer Thaler.
Sculpsit (lat., abgekürzt sc. oder sculps.), auf Kupferstichen: «hat es gestochen».
Sculptor (lat.), Sternbild, s. Bildhauerwerkstätte.
Scultētus, Andr., Dichter, geboren zu Bunzlau als der Sohn eines Schuhmachers, kam 25. Aug. 1639 auf das Elisabethanum zu Breslau, trat 1644 zum Katholicismus über und in das Jesuitengymnasium ein; doch wurde er wenige Wochen darauf aus Breslau ausgewiesen. Keins seiner Gedichte trägt ein späteres Datum als 1642. Lessing fand auf der Universitätsbibliothek zu Wittenberg ein Gedicht von ihm: «Andrae Sculteti Boleslavii Österliche Triumphposaune» (Bresl. 1642), entdeckte später in Schlesien noch mehrere Gedichte von S., darunter den «Blutschwitzenden und todesringenden Jesus», und gab beide mit vier Gelegenheitsgedichten zusammen als «Gedichte von Andreas S.» (Braunschw. 1771; Werke von Lachmann, Bd. 8, und in der Hempelschen Ausg., Bd. 11) heraus. Nachträge von Jachmann («Nachlese», Bresl. 1774), Scholtz («Zweite Nachlese», ebd. 1783), Klose u. a.
Scupi, türk. Stadt, s. Üsküp.
Scurra (lat.), Witzbold, Possenreißer, Hofnarr.
Scutāta (lat., d. i. mit einem Schild versehen), soviel wie Schildwanzen (s. d.).
Scutibranchĭa, Weichtierfamilie, s. Schildkiemer.
Scutum (lat.), der Schild.
Scybalĭum Schott. et Endl., Pflanzengattung aus der Familie der Balanophoraceen (s. d.) mit vier im tropischen Süd- und Centralamerika vorkommenden Arten, Schmarotzergewächse auf Baumwurzeln in Urwäldern, die eigentlich nur aus den Blütenständen, die die Form eines Pilzhutes haben, bestehen; die Bildung normaler Vegetationsorgane ist unterdrückt, es ist nur ein thallusartiger Körper in der Wurzel der Wirtspflanze vorhanden, aus dem sich die Blütenstände entwickeln. Die in Brasilien wachsende Art S. fungiforme Schott. auf Tafel: Hysterophyten Ⅱ, Fig. 4, zeigt die Blütenstände von pilzartiger Form.
Scylla, Ungeheuer, s. Skylla. – S. heißt auch der 155. Planetoid.
Scyllărus, Gattung der Panzerkrebse (s. d.).
Scyphāti (Schifati, Scifati, Squifati), die napfförmig geprägten byzant. Gold- und Silbermünzen.
Scyphomedūsae, s. Akalephen.
Scythen wurden von den Griechen die Wandervölker der centralasiat. und südeurop. Steppen genannt; insbesondere hießen so die im Norden der Donaumündungen und des Schwarzen Meers von den Karpaten bis zum Don sitzenden Stämme, die sich selbst als Skoloten bezeichneten. Der angesehenste und zahlreichste Stamm unter ihnen, von Herodot die königlichen oder freien S. genannt, war ein echtes Nomadenvolk, das ohne feste Wohnsitze in den weiten Steppen zwischen Dnjepr und Don umherschweifte, die Männer zu Roß, mit Bogen und Pfeil bewaffnet, dem Krieg ergeben, die Weiber und Kinder in großen Zelten hausend, die als wandernde Häuser auf vier- oder sechsräderigen, mit Ochsen bespannten Karren mitgeführt wurden. Weit zahlreicher als die königlichen S. waren aber die diesen unterworfenen Stämme, teils ebenfalls Nomaden, teils Ackerbauer, die gegen jährlichen Tribut an den herrschenden Stamm feste Wohnsitze und eigene Ländereien besaßen, wie die Kallipiden und Alazonen an der Mündung des Bug und die