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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wimperbewegung - Wimperinfusorien

in der deutschen Marine weiß und hat am Flaggenknopf ein schwarzes eisernes Kreuz. Die W. zum Signalisieren (s. Tafel: Flaggen und Fernsignale des internationalen Signalbuchs, beim Artikel Flaggen) sind meist halb so breit und doppelt so lang wie die Signalflaggen und haben verschiedene, aus hellen Farben zusammengesetzte Muster. Man unterscheidet in der deutschen Marine den Wachtwimpel, schwarz-weiß, der auf dem Wachtschiff eines Geschwaders im Vortopp gesetzt wird; den Mittagswimpel, gelb mit blauem Kreuz, der zum Zeichen der Mittagsruhe der Besatzung im Großtopp von ¾12 bis ½2 Uhr weht; den Kirchenwimpel, weiß mit rotem Kreuz, der, oberhalb der Kriegsflagge gesetzt, andeutet, daß Gottesdienst an Bord stattfindet, und verschiedene andere. Unter Heimatswimpel versteht man den W., der auf der Rückreise von einem mehrjährigen Aufenthalt im Auslande von Kriegsschiffen gesetzt wird. Er ist weiß mit eisernem Kreuz und reicht, vom Großtoppflaggenknopf im Bogen über den Kreuzmast wehend, bis ins Wasser, ist also auf großen Schiffen etwa 120 m lang. Seine äußersten Zipfel tragen Hohlkugeln als Schwimmer. 1895 ist in der deutschen Flotte der Breitwimpel Sr. Majestät des Kaisers eingeführt; er wird auf besondern Befehl an Stelle der Kaiserstandarte (s. Fig. 4 der Tafel beim Artikel Deutscher Kaiser) im Großtopp eines Schiffs geheißt und ist das höchste Kommandozeichen (s. d.) der Marine. Dieser Breitwimpel ist weiß und fünfmal so lang wie breit; am Liek (s. d.) ist zuerst ein quadratisches Feld, worin auf weißem Grunde ein schwarzes eisernes Kreuz zu sehen ist. In dem Kreuz befindet sich eine Kaiserkrone und hinter dieser Reichsscepter und Reichsschwert (in Goldfarbe) gekreuzt. An das quadratische Feld schließt sich ein dreieckiges weißes Feld mit abgerundeter Spitze an. Die W. der Kriegsschiffe werden als Kommandozeichen stets im Großtopp geheißt; nur solche Schiffe und Torpedoboote, die von einem Seeoffizier geführt werden, dürfen diesen Kriegswimpel oder Kommandowimpel führen. (S. Tafel: Flaggen des Deutschen Reichs, Fig. 19, beim Artikel Deutschland.) - Vgl. Flaggen- und Salut-Ordnung für die Kaiserliche Marine (Berl. 1895).

Wimperbewegung, s. Flimmerbewegung.

Wimperg (Wimberg), in der got. Baukunst der über Thür- oder Fensteröffnungen angebrachte, oft von Fialen flankierte Giebel, dessen Spitze gewöhnlich mit einer Kreuzblume geschmückt wird, während die Giebelseiten bei reicherer Ausstattung oberhalb mit Krabben besetzt sind, das Giebelfeld aber mit Maßwerk gefüllt ist.

Wimperhaare, s. Haare.

Wimperinfusorien ((Ciliata), die zweite Ordnung der Aufgußtierchen (s. d.), die sich von den Geißeltierchen (s. d.) durch ihre bedeutendere Größe und durch den Besitz zahlreicher, schwingender Wimperhaare (Cilien) auszeichnen. Diese oft willkürlich beweglichen und als Bewegungsorgane dienenden Wimpern sind ihrer Zahl, Gestalt, Größe und auch Stellung nach sehr verschieden entwickelt und gelten als systematisches Unterscheidungsmerkmal; in der Umgebung des Mundes sind sie meist von besonderer Größe. Die protoplasmatische Leibessubstanz scheidet sich, wie bei den Wurzelfüßern (s. d.), in ein körniges, zähflüssiges Exoplasma und ein weicheres, flüssiges Entoplasma; das erstere allein enthält den nicht selten mehrfachen und oft komplizierte Formen (Band- und Hufeisenform, semmelreihenartige Einschnürungen) annehmenden Kern sowie eine oder mehrere pulsierende Vakuolen (s. d.). Außer einer von der Mundöffnung nach innen führenden und zuweilen mit festen Stäben (Gattung Chilodon) gestützten Speiseröhre finden sich in dem Entoplasma keinerlei gesonderte Organe; sämtliche Funktionen werden von der Leibessubstanz versehen. Die Fortpflanzung geschieht nach vorausgegangener Konjugation (s. Urtiere) durch Teilung, und zwar kann sie der Länge oder der Quere nach, seltener diagonal erfolgen; trennen sich die auf diese Weise entstandenen Tochterindividuen nicht völlig, sondern bleiben an ihrer Basis vereinigt, so entstehen jene zierlichen, bäumchenförmigen Kolonien, wie sie namentlich gewisse Glockentierchen (Carchesium, Epistylis) zeigen. Neben dieser Fortpflanzung durch Teilung findet sich auch eine solche durch Sporenbildung; die Tiere ziehen ihre Wimpern ein und umgeben sich mit einer festen Schale, unter deren Schutze sie austrocknen und vom Winde weithin geführt werden können. Bei erneuter Befeuchtung bildet sich dann aus dem eingeschlossenen Körper eine Zahl von Teilstücken, die ins Freie ausschwärmen und bald zu neuen Individuen heranwachsen. Endlich findet sich auch eine Vermehrung durch Sprossung, indem der Körper des Muttertieres Knospen treibt, die, nachdem ein Teil des Kernes in sie hineingetreten ist, sich ablösen und selbständig weiter leben (Acineta). Nur wenige W. leben im Meere; bei weitem die meisten bewohnen das süße Wasser; wo organische Stoffe der Auflösung anheimfallen, fehlen sie nirgends und beteiligen sich sogar aktiv an dieser Auflösung. Gewöhnlich schwimmen sie mit Hilfe ihrer Wimpern frei umher; eine geringe Zahl von Formen sitzt fest und umgiebt sich zuweilen mit einer gallertigen Hülse, in die sich die Tiere zurückziehen können (Stentor, Freya); die Wimpern übernehmen die Herbeistrudelung der Nahrung. Eine Anzahl anderer W. ernähren sich von andern Tieren, die sie vermittelst feiner Saugröhrchen aussaugen (Acineta); manche halten sich als Parasiten in den Organen anderer Tiere auf und nehmen deren Säfte entweder auf endosmotischem Wege durch die gesamte Körperoberfläche (Opalina) oder durch einen Mund (Balantidium) zu sich.

Nach der Bewimperung teilt man die W. in fünf Unterordnungen: 1) Holotricha, deren Körper überall gleichmäßig mit feinen Wimpern bedeckt ist. Hierher gehören die Gattungen Opalina (mundlos, z. B. Opalina ranarum Stein, aus dem Mastdarm der Frösche und Kröten, s. Tafel: Urtiere, Fig. 6), Paramecium O. Fr. Müll., Colpoda Ehrbg. u. s. w. Ähnlich verhalten sich 2) die Heterotricha, nur haben sie außer der gleichmäßigen Bewimperung des Körpers eine stärkere, längs der Mundspalte verlaufende (adorale) Wimperzone; hierher gehört das im Darme des Menschen schmarotzende Balantidium coli Malmst., Fig. 7, das im Darme der Frösche häufige Balantidium (Bursaria) entozoon Clap. et Lachm., ferner Stentor (z. B. Stentor Roeselii, Fig. 8), Freya (z. B. Freya ampulla Clap. et Lachm., Fig. 9) u. a. 3) Bei den Hypotricha befinden sich die vielfach zu starken Borsten und Griffeln umgestalteten Wimpern nur auf der dadurch deutlich abgegrenzten Bauchfläche, während die erhabene Rückenfläche meist nackt bleibt. Es gehören hierher u. a. Stylonychia