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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wirkmuster - Wirkwaren

(2 Bde., 2. Aufl., Lpz. 1887-93); Reh, Die Fabrikation der Wirkwaren (Hannov. 1892); Lehrbuch der Maschinenstrickerei, hg. von der Dresdner Strickmaschinenfabrik vormals Laue & Timäus (Dresd. 1895).

Wirkmuster, s. Wirkwaren.

Wirknadeln, s. Wirkmaschine.

Wirkschulen, Fachschulen, die junge Leute durch praktischen und theoretischen Unterricht zur Übernahme leitender Stellungen in der Wirkereibranche ausbilden. Die älteste derartige Schule ist 1869 zu Limbach bei Chemnitz gegründet; sie wird von der Stadt, dem Staate und von Industriellen erhalten und hat einen Lehrkurs von einem Jahre. Die Jahresfrequenz beträgt 30-40 Schüler. W. bestehen in Sachsen noch zu Chemnitz, Lichtenstein und Waldenburg; Preußen hat eine Wirkschule als Abteilung der städtischen Webschule zu Berlin; Württemberg eine solche als Abteilung der Fachschule für Spinnerei, Weberei und Wirkerei zu Reutlingen; in Österreich bestehen W. zu Asch und Schönlinde (Böhmen).

Wirkstuhl, s. Wirkmaschine.

Wirkung, s. Kausalität.

Wirkungsgrad, Güteverhältnis, in der Maschinentechnik das Verhältnis des Nutzeffekts (s. Effekt) zum gesamten aufgewendeten Effekt. Naturgemäß ist der W. stets kleiner als 1, da von der aufgewendeten Arbeit stets durch Reibung und sonstige Verluste ein Teil verloren geht, der nicht nutzbar zu verwerten ist. Fälschlicherweise wird der W. häufig als Nutzeffekt bezeichnet.

Wirkwaren, Gewirke, Tricotwaren, Strumpfwaren, Erzeugnisse der Wirkerei, die vorzugsweise zur Bekleidung verwendet werden. Sie gehören zu den Fadengebilden (s. d.) und werden in großer Mannigfaltigkeit aus Wolle, Baumwolle, Leinen und Seide hergestellt.

Die W. sind entweder reguläre oder geschnittene Waren. Regulär heißen sie, wenn sie bei der Herstellung auf der Wirkmaschine (s. d.) unmittelbar als fertige Gebrauchsgegenstände oder Teile hervorgehen, geschnitten, wenn die Warenstücke aus einem größern gewirkten Stoffstück mittels der Handschere oder mit Hilfe besonderer Schneidformen aus Maschinen ausgeschnitten werden. Die auf dem Stuhl durch entsprechendes Mindern und Ausdecken hergestellten regulären Warenteile besitzen stets einen geschlossenen Rand, die geschnittenen nicht. Das Zusammenfügen dieser Teile zu den Gebrauchsformen erfolgt durch Nähen, wobei die aus geschnittenen Stoffstücken gebildeten an den Vereinigungsstellen stets dicke hervortretende Nähte erhalten, was bei den aus regulären Stücken nicht der Fall ist.

Die auf dem Kulierstuhl (s. Wirkmaschine) hergestellte Kulierware wird teils als reguläre, teils als geschnittene Ware, Kettenware mit nur wenig Ausnahmen (Bänder, Shawls, Tücher) als geschnittene hergestellt. Die mannigfachen Arten der Kulier- und Kettenware sind insbesondere durch die specielle Form und Anordnung der diese Gewirke zusammensetzenden Fadenmaschen unterschieden. Im allgemeinen zeichnen sich alle Gewirke, zu denen auch die Gestricke (Strickwaren) zählen, durch bedeutende Schmiegsamkeit und Elasticität aus, so daß sie sich insbesondere zur Herstellung dicht anschließender Kleidungsstücke (Strümpfe, Hosen, Jacken, Handschuhe u. dgl.) eignen; die ihnen leicht zu gebende Materialfülle macht sie aber auch zu wärmenden Kleidungsstücken (Shawls, Mützen u. s. w.) geeignet. Sowohl die Kulier- als die Kettenwaren werden glatte Waren genannt, wenn die sie bildenden Einzelmaschen alle unter sich gleiche Größe und gleiche Gestalt besitzen und die Warenfläche gleichförmig bedecken. Dadurch, daß jede Masche aus zwei bogenförmigen Stücken (der Nadel- und der Platinenmasche) und zwei an diese anschließenden mehr oder weniger langen geraden Fadenstücken (den Seitenteilen) besteht, erhalten die beiden Seiten einer Ware, das ist die Vorder- und die Rückseite (letztere ist dem Wirker während der Arbeit am Stuhl zugewendet), verschiedenartiges Aussehen. Z. B. liegen bei glatter Kulierware alle bogenförmigen Fadenstücke auf der linken oder Rückseite der Ware, alle geraden Seitenteile dieser auf der rechten oder Vorderseite obenauf. Ähnlich ist das Ansehen der einfachsten glatten Kettenware oder des Tricot. Kulieren die Platinen des Wirkerstuhles zwischen einzelnen normalen Maschenreihen der glatten Ware längere Henkelreihen oder bilden die "Maschinen" des Kettenstuhles nicht mehr gleiche, sondern sehr verschiedene Legungen, so entsteht der Kulierplüsch, Kettenplüsch oder Sammet, bei dem nach dem Aufschneiden und Bürsten der über die Stofffläche erhobenen längern Henkel diese Fläche eine Plüsch- oder Sammetdecke trägt. Auch lassen sich atlasartige Bindungen auf dem Kettenstuhl durch geeignete Legung der Fäden herstellen.

Die glatten Kulierwaren sind entweder einfarbig oder mit Farbmustern ausgestattet. In letzterm Falle sind so viel Einzelfäden, als Farben vorhanden sind, erforderlich. Durch Anwendung besonderer Hilfseinrichtungen und bestimmter Arbeitsverfahren entsteht eine Quer- oder Längenstreifung oder eine Karrierung der Ware. Man unterscheidet hiernach die Ringelware, langgestreifte Kulierware, Jacquardware, unterlegte Farbmuster. Wird glatte Ware aus zwei verschiedenfarbigen Fäden hergestellt, so daß diese gleichzeitig miteinander verarbeitet werden und jede Masche aus zwei Fadenlagen gebildet ist, so können diese Fäden entweder so verteilt werden, daß ein jeder derselben immer nur eine Warenseite bildet, oder so, daß die Anordnung der beiden Fäden auf der Vorder- und Rückseite der Ware in regelmäßigem Wechsel erfolgt. Derartige Waren nennt man plattierte Waren. Dieselben zeigen entweder verschieden gefärbte Vorder- und Rückseite oder auf beiden Seiten Farbmuster derart, daß einer Farbe auf der Vorderseite immer die andere Farbe auf der Rückseite entspricht. Außer zur Erreichung verschiedener Farbeneffekte bildet das Plattieren, sowohl bei Kulier- als bei Kettenware, ein geeignetes Mittel, um verschiedenartige Materialien (z. B. Wolle und Seide) so zu verarbeiten, daß das wertvollere Material (Seide) das minder wertvolle (Wolle) auf der Schauseite des Gewirks deckt.

Neben den Farb- und Materialmustern dienen noch die Wirkmuster, die durch verschiedene Verteilung der Maschen in Form und Größe über die ganze Warenfläche entstehen, zur wirkungsvollen Ausstattung der W. Es werden durch die Anwendung derselben nicht nur schöne Musterungen erzielt, wie sie z. B. die durchbrochen gemusterten Waren (Preßmusterwaren, Petinetwaren, Tüll, Filet u.s. w.) und die durch punktweise Anhäufung von Maschen entstehenden Ananaswaren darbieten, sondern es lassen sich auch die technischen Eigenschaften der Gewirke derart abändern, daß die Waren bei größerer Stärke eine erhöhte Schmieg-^[folgende Seite]