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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Worms (in der Lombardei) - Woernle

28 636 (14 164 männl., 14 472 weibl.) E., darunter etwa 8550 Katholiken und 1240 Israeliten, in Garnison das 4. großherzoglich hess. Infanterieregiment (Prinz Karl) Nr. 118, Postamt erster Klasse, Telegraph, Reste der ehemaligen Befestigungen, Rheinbrücke (seit 1896 im Bau), Denkmal des Großherzogs Ludwig IV. von Hessen (1895), drei evang. und drei kath. Kirchen, eine Synagoge, im 11. Jahrh. erbaut, im 13. Jahrh. erneuert, ein Stadthaus, früher Bürgerhof genannt, 1884 restauriert, mit dem ehemals reichsstädtischen Archiv, ein Haus des Freiherrn von Heyl an Stelle des 1689 und 1794 von den Franzosen zerstörten Bischofshofs, in dem Luther sein Bekenntnis ablegte, erbaut, ein Volkstheater und Festhaus, 1889 nach Plänen des Berliner Architekten March aus freiwilligen Beiträgen der Bürgerschaft in roman. Stil erbaut, Gymnasium, Real-, Gewerbe- und höhere Mädchenschule, zwei Brauerschulen, eine Müllerschule, ein reiches Bürgerspital; Wasserleitung, Kanalisation, Gaswerk; bedeutende Fabrikation von Glanzleder (über 4000 Arbeiter), Tuch, Maschinen, Kunstwolle, Kammgarn, Cichorien, Schiefertafeln, Schaumwein und Knochenkohle, chem. Fabriken, Spinnerei, Dampfmühlen und Weinbau (Liebfraumilch [s. d.], Katterlöcher, Luginsland). Der schöne roman. Dom (152 m lang, 36 m breit), ein ehrwürdiges Gebäude mit vier Türmen, zwei Kuppeln und Chören, wurde im 11. Jahrh. an Stelle einer ältern Kirche von Bischof Burchard begonnen und im 12. Jahrh. vollendet. Aus dem 15. Jahrh. stammt das got. Südportal mit reichem plastischem Bilderschmuck. Die roman. Pauluskirche, jetzt Museum, enthält prähistor., röm. und fränk. Altertümer, meist aus W. und Umgegend, ferner mittelalterliche und neuere Gegenstände, die für die Geschichte der Stadt wichtig sind, endlich eine Stadtbibliothek sowie Lutherbibliothek, bestehend aus einer großen Zahl von ersten Drucken der Werke Luthers und seiner Zeitgenossen und einer Sammlung Wormser Drucke mit sehr seltenen Exemplaren aus dem 16. Jahrh., z. B. der Wormser Bibel von 1529. Auf dem Lutherplatz steht das Lutherdenkmal, entworfen und in den Hauptfiguren von Ernst Rietschel modelliert, 1868 von Kietz, Donndorf und Schilling vollendet. Das Denkmal hat eine Grundfläche von etwa 100 qm und umfaßt außer der Kolossalstatue Luthers, welche sich auf dem 6 m hohen, reich verzierten Hauptpostament erhebt, noch elf weitere, teils stehende, teils sitzende Figuren, nämlich: Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen, Joh. Reuchlin, Phil. Melanchthon, Petrus Waldus, Wicliffe, Huß, Savonarola; dazwischen allegorische Städtefiguren: die protestierende Speyer, die trauernde Magdeburg und die bekennende Augsburg.

Geschichte. W., das Borbetomagus der Römer, gehört zu den ältesten Städten Deutschlands und ist kelt. Ursprungs. Schon in den letzten Zeiten der Römerherrschaft war es Sitz eines Bischofs. Als Vorort der Vangionen stand es bis zum 5. Jahrh. unter röm. Herrschaft und wurde im 5. Jahrh. Mittelpunkt des Burgunderreichs und damit Schauplatz der Ereignisse der deutschen Heldensage. Die fränk. Könige und Karl d. Gr. nahmen hier oft ihren Sitz und hielten Versammlungen und Reichstage ab. W. verfiel später, wurde aber von Bischof Burchard (1000-1025) neu begründet und nahm unter der Herrschaft der Bischöfe wieder rasch einen Aufschwung. Im Kampfe der Kirche gegen den Kaiser nahm die Stadt Partei für Heinrich IV. gegen ihren Bischof (1073). Dies war der Anfang der innern Selbständigkeit, die sich durch kaiserl. Privilegien weiter entwickelte, so daß W. ein förmlicher Freistaat wurde, wo oftmals wichtige Hof- und Reichstage gehalten und 1122 das Wormser Konkordat (s. d.) geschlossen wurde. Von dieser Blüte sank W. herab in dem unter Friedrich II. entbrannten langen Kampf mit seinen Bischöfen, die sich wieder der Herrschaft bemächtigen wollten. Unter den vielen Reichstagen, die in W. gehalten wurden, sind die bekanntesten: der von 1495, wo Kaiser Maximilian I. über den Ewigen Landfrieden (s. d.) verhandelte, und der von 1521, auf welchem Luther vor Kaiser und Reich jeden Widerruf zurückwies. Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Stadt von Mansfeld, Tilly, von den Spaniern und Schweden gebrandschatzt und 1689 von den Franzosen unter Mélac und dem Herzog Créqui zerstört. Durch den Frieden von Lunéville 1801 kam W. an Frankreich, durch den Wiener Kongreß 1815 an Hessen-Darmstadt.

Vgl. Zorn, Wormser Chronik (hg. von Arnold, Stuttg. 1857); Pauli, Geschichte der Stadt W. (Worms 1825); Lange, Geschichte und Beschreibung der Stadt W. (ebd. 1837); Arnold, Verfassungsgeschichte der deutschen Freistädte im Anschluß an die Verfassungsgeschichte von W. (2 Bde., Hamb. und Gotha 1854); Brückner, Zur Geschichte des Reichstags zu W. (Heidelb. 1860); Wolf, Zur Geschichte der Juden in W. (Bresl. 1862); Fuchs, Geschichte der Stadt W. (ebd. 1868); Oncken, Authentische Erzählung von der Zerstörung der Stadt W. (Karlsr. 1871); A. Becker, Beiträge zur Geschichte der Frei- und Reichsstadt W. und der dortigen Schulen (Worms 1880); F. Soldan, Deutsche Heldensagen auf dem Boden der alten Stadt W. (Gütersloh 1881); ders., Der Reichstag zu W. 1521 (Worms 1883); Weckerling, Die röm. Abteilung des Paulus-Museums (2 Abteil., ebd. 1885 u. 1887); H. Boos, Quellen zur Geschichte der Stadt W. (Bd. 1 u. 2: Urkundenbuch; Bd. 3: Annalen und Chroniken, Berl. 1885-93); Soldan, Die Zerstörung der Stadt W. im J. 1689. Mit 12 Lichtdrucktafeln (Worms 1889); ders., Beiträge zur Geschichte der Stadt W. (ebd. 1896); Denkschrift über die Hafen und Uferbauten zu W. 1890-93. Mit histor. Einleitung (ebd. 1893); Nover, Das alte und neue W. in Schrift und Bild (ebd. 1895); H. Boos, Geschichte der rheinischen Städtekultur mit besonderer Berücksichtigung der Stadt W., Teil 1 (Berl. 1897).

Worms, ital. Stadt, s. Bormio.

Wormser Joch, s. Stilfser Joch.

Wormser Konkordat, Vergleich, der 23. Sept. 1122 auf der Synode zu Worms zur Beilegung des Investiturstreites (s. d.) zwischen Papsttum und Kaisertum geschlossen wurde und im wesentlichen die Forderungen der Kurie erfüllte, aber auch dem König bei den Bischofswahlen maßgebenden Einfluß sicherte. (S. Heinrich V., röm.-deutscher Kaiser.)

Woernle, Wilh., Radierer, geb. 23. Jan. 1849 in Stuttgart, lernte daselbst bei dem Stecher Froer und bei von Neher, malte eine Zeit lang unter Zügels Leitung. Nach längerm Aufenthalt in Italien ließ sich W. in Wien nieder, wo er, angeregt durch W. Unger, sich als ein feinsinniger Radierer bethätigt. Sein Hauptblatt ist eine Reproduktion des Christus von Gabriel Max. Im Verlag der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst in Wien und in der Lützowschen Zeitschrift für bildende Kunst sind