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Heerrauch – Heerwesen Europas
Stellvertreter desselben in dem eroberten Preußen, Oberbefehlshaber und zweiter Würdenträger und entsprach dem Großprior des Johanniterordens oder dem Johannitermeister.
Heerrauch, s. Höhenrauch.
Heerschau, s. Parade und Revue.
Heerschild, die Rangordnung der Vasallen (s. d.) im Lehnsstaat. Ursprünglich hatte der H. drei Stufen: den König, die Fürsten, die freien Herren. Wer von einem Heerschildgenossen ein Lehn nahm, trat im H. eine Stufe tiefer als sein Lehnsherr. Deshalb spaltete sich die Stufe der Fürsten, indem die weltlichen vielfach von den geistlichen Lehn trugen. Nach dem Sachsen- und Schwabenspiegel gab es im 12. Jahrh. 7 H.: den 1. H. hatte der König, den 2. H. hatten die geistlichen Fürsten, den 3. die weltlichen Fürsten, den 4. die freien Herren, den 5. die Bannerherren, den 6. die Ritter und den 7. die Nicht-Ritterbürtigen, genannt Einschildige. Seit dem 14. Jahrh. geriet der H. wie das ganze Lehnswesen in Verfall. – Vgl. J. ^[Julius] Ficker, Vom H. (Innsbr. 1862); R. Schröder Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte (Lpz. 1889).
Heerschnepfe, s. Becassinen.
Heerstraße (lat. via militaris, via regia), jede Straße, auf der Truppen marschieren können.
Heerwesen Europas. Schon die alten Kulturvölker des Orients, die Assyrer, Babylonier, Meder und Perser sowie die Ägypter hatten wohlgeordnete, disciplinierte Heere, bestehend aus Fußvolk, Reitern und Wagenkämpfern, aber erst die Griechen haben es verstanden, die Kriegseinrichtungen weiter fortzubilden und mit geringen Streitkräften die großen Truppenmassen der Perser zu schlagen. Das Heerwesen des Homerischen Zeitalters ähnelt freilich noch ganz dem der orient. Völker. Die Helden fahren auf Streitwagen in die Schlacht, die zum großen Teil in Einzelkämpfen besteht. Bald kamen jedoch diese Wagen außer Gebrauch, und das schwer bewaffnete Fußvolk, die Hopliten (s. d.), bildete den Schwerpunkt der griech. Streitmacht. In Sparta trat zum erstenmal ein streng organisiertes stehendes Heer auf. In geschlossener Reihe (s. Phalanx) rückte die Linie der Schwerbewaffneten vor, und eben in diesem festgeschlossenen Zusammenhalten lag die Vortrefflichkeit des spartan. Fußvolks. Wehrpflichtig waren alle Spartiaten vom 20. Jahr an, außer ihnen wurden auch im Fall des Bedarfs Periöken und Heloten als Hopliten verwendet. Von viel geringerer Bedeutung als die Hopliten waren die Leichtbewaffneten und die Reiterei im spartan. Heer und in denen der übrigen griech. Staaten, die auch sonst in ähnlicher Weise wie das spartanische organisiert waren, nur lag in Athen der Schwerpunkt in der Flotte, während in Böotien und Thessalien die beste Reiterei heimisch war. Die Leichtbewaffneten, Peltasten (s. d.), gelangten erst durch die Reformen des Iphikrates zu erhöhter Bedeutung.
Den Römern war es vorbehalten, das antike Heerwesen zur Vollendung zu bringen. Schon in ältester Zeit war die größte taktische Einheit die Legion (s. d.), die ebenfalls in geschlossener Reihe, der Phalanx, in den Kampf rückte. Später wurde sie in drei Treffen, die hastati, principes und triarii gegliedert. Die Legion war anfangs 3000, später 4200 Mann stark, sie zerfiel in 30 Manipel, der Manipel in je 2 Centurien. Jeder Centurie waren 20 Leichtbewaffnete (velites) beigegeben, die häufig aus Söldnern bestanden. Außerdem gehörten zu jeder Legion 300 Reiter, die in 10 Schwadronen (turmae) zerfielen; später wurde die Reiterei im Verhältnis zum Fußvolk bedeutend vermehrt. Etwa seit dem zweiten Punischen Kriege wurde die Legion auf 5 bis 6000 Mann erhöht und eine neue taktische Einheit geschaffen, die Kohorte (s. d.) von 5 bis 600 Mann, doch wurde diese Einteilung wahrscheinlich erst durch Marius vollkommen durchgeführt. Zur Zeit der Republik war jeder röm. Bürger vom 17. bis 46. Jahre dienstpflichtig, wenn auch die wirkliche Dienstzeit in der Regel höchstens 20 Jahre betrug. Allmählich suchten sich aber die Besitzenden mehr und mehr dem Kriegsdienst zu entziehen, und an Stelle der Aushebung trat die Werbung, bis schließlich in der Kaiserzeit die Heere fast ganz aus Söldnern bestanden. ^[Spaltenwechsel]
In den altgermanischen Heereseinrichtungen sind in ältester Zeit von dem Heerbann (s. d.), dem allgemeinen Aufgebot, die sog. Gefolgschaften (s. Gefolge) zu unterscheiden, denen allerdings nicht die Bedeutung zukommt, die man ihnen vielfach beigelegt hat. Der Heerbann, d. h. das Recht, das Volksheer einzuberufen und zu entlassen, stand dem König zu, doch wurde der Beschluß zu einem Kriegszuge noch bis ins 11. Jahrh. hinein in öffentlicher Volksversammlung gefaßt. Die stärkere Waffe war das Fußvolk, doch wird bei manchen Völkerschaften auch die Reiterei gepriesen. Außerdem war es gebräuchlich, Fußvolk unter die Reiterei zu mischen, wie dies Cäsar («De bello gallico», Ⅰ, 48) schildert. Der Angriff des Fußvolks erfolgte in wütendem Ansturm in keilförmiger Schlachtordnung in der Absicht, die feindliche Schlachtreihe zu durchbrechen. Gemäß der Einteilung des Volks in Gaue, Hundertschaften und Gemeinden war auch die Einteilung des Heers. Das Recht und die Pflicht des Waffentragens kam jedem Freien zu. Später, zur Zeit der Merowinger und Karolinger, waren nur die grundbesitzenden Freien zum Kriegsdienst verpflichtet, und dieser Umstand bewog viele, um sich der Last des Heerdienstes zu entziehen, ihr Besitztum von geistlichen und weltlichen Großen zu Lehen zu nehmen. Diese Ausbildung des Lehnswesens leistete der Umwandlung der Volksheere in schwer gerüstete Reiterheere wesentlichen Vorschub und bewirkte, daß endlich die durch besondere kriegerische Übung geschulten Ritter (s. Ritterwesen) in allen abendländ. Reichen das Fußvolk fast ganz verdrängten, und daß an Stelle des Heerbanns Lehns- oder Vasallenheere traten.
Mit dem Emporkommen des Bürgertums und dem Wachsen der Städte trat ein Umschwung ein. In den lombard., niederländ., namentlich aber in den deutschen Städten bildete die streitbare und gutbewaffnete Bürgerschaft einen wichtigen Teil der Streitmacht des Landes. In Frankreich und England suchten die Könige den alten Heerbann als Gemeindemiliz wieder zu beleben, und schon in der Schlacht bei Crecy (1346) errangen die engl. Bogenschützen (s. d.) einen glänzenden Sieg über die schwer gepanzerten franz. Ritter. Unter Karl Ⅶ. begann in Frankreich die Errichtung stehender Heere (1445 Ordonnanzcompagnien, 1448 Freischützen), doch wurden sie vorzugsweise durch Werbung aufgebracht. Die Osmanen hatten bereits im 14. Jahrh. ein stehendes Heer geschaffen (s. Janitscharen) und dadurch ein entschiedenes Übergewicht über die Sold- und Lehnstruppen der christl. Staaten gewonnen. In Rußland waren die Strelitzen die erste stehende Truppe.