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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Lanser Köpfe; Lansing; Lansingburg; Lansquenet; Lantana; Lanthan; Lan-tschou; Lanugo; Lanun; Lanuvium

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Lanser Köpfe – Lanuvium

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Lansdowne'

glänzendsten Gaben für die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten, vor allem auch in der auswärtigen Politik, und war dabei ein hervorragender Parlamentsredner. Mit seinem Kollegen Fox war er bald in Zwiespalt geraten. Dieser trat daher bei der Neubildung des Kabinetts (1. Juli 1782) aus, und die von ihm geführten extremen Whigs verbündeten sich in der Opposition mit den Tories unter North gegen Shelburne, als dieser die schwierigen Verhandlungen zum Abschluß des Krieges mit Amerika und Frankreich führte. Vor deren Beendigung mußte er der Koalition Fox und North Febr. 1783 den Platz räumen. 1784 wurde er zum Grafen von Wycombe und Marquis von L. erhoben. Er starb 7. Mai 1805. – Vgl. Fitzmaurice, Life of William Earl of Shelburne, first Marquis of L. (3 Bde., Lond. 1875–76).

Sein Sohn, Henry Petty, dritter Marquis von L., geb. 2. Juli 1780, studierte zu Edinburgh und Cambridge, bereiste dann den Kontinent und trat 1802 ins Unterhaus zur whiggistischen Opposition. 1806–7 war er im Ministerium Fox-Grenville Schatzkanzler. Er erbte 1809 von seinem kinderlos gestorbenen ältern Bruder die Marquiswürde von L., 1818 gingen auch die Titel und Güter der Fitzmaurice auf ihn über. Unter Canning übernahm L. 1827 das Ministerium des Innern und nach Cannings Tode unter der kurzen Verwaltung des Lords Goderich (s. Ripon) das Äußere. Mit Goderich trat er Jan. 1828 zurück und von neuem in die Opposition. Besonders arbeitete er für Verbesserung der Kriminaljustiz und brachte ein Gesetz (Landsdowne-Act) durch, das manche alte harte Strafbestimmungen abschaffte; ferner wirkte er für Katholikenbefreiung, für Parlamentsreform und gegen die Negersklaverei. Im Nov. 1830 wurde er Präsident des Staatsrats im Reformministerium Greys. Auch unter der Verwaltung Melbournes behielt er diese Stellung bis zum Austritt der Whigs 28. Aug. 1841 und bekleidete sie von Juli 1846 bis Febr. 1852 in dem Ministerium Russell zum drittenmal. Nach Lord Derbys Rücktritt im Dez. 1852 bildete er mit Graf Aberdeen ein neues Kabinett, in das er als Mitglied ohne Portefeuille eintrat. Auch nach Aberdeens Rücktritt blieb er unter Palmerston in dieser Stellung; als aber dieser Febr. 1858 fiel, legte L. sein Amt nieder. Er starb 31. Jan. 1863 zu Bowood. – Sein Enkel, Henry Charles Keith-Fitzmaurice, fünfter Marquis von L., geb. 14. Jan. 1845, wurde 1868 zum Kommissar der Schatzkammer, 1872 zum Unterstaatssekretär im Kriegsministcrium ernannt, ein Posten, den er bis zum Sturze des Ministeriums Gladstone im Jan. 1874 bekleidete. Bei der Bildung des zweiten Ministeriums Gladstone im April 1880 erlangte er das Unterstaatssekretariat im Indischen Amt. Er schied aus dem Ministerium schon nach zwei Monaten aus, weil er die ergriffenen Maßregeln mißbilligte, und wurde 1883 zum Generalgouverncur von Canada, 1888 zum Vicekonia von Indien ernannt. Diese Stelle bekleidete er bis Nov. 1893.

Lanser Köpfe, Berge bei Innsbruck (s. d.).

Lansing (spr. länn-), Hauptstadt des nordamerik. Staates Michigan, im County Ingham, am Grand-River, Eisenbahnknotenpunkt, hat (1890) 13102 E., schönes Staatshaus, landwirtschaftliche Schule; Fabriken von Wagen und Rädern.

Lansingburg (spr. lännsingbörg), aufblühende Stadt im County Renssellaer im nordamerik. Staate ↔ Neuyork, dicht oberhalb Troy, am Hudson, mit Fabriken, Lokalhandel und (1890) 10550 E.

Lansquenet (frz., spr. langßkneh; verderbt aus Landsknecht, s. d.), ein mit einem oder mehrern Whist- oder Pikett- bez. deutschen Kartenspielen gespieltes Glücksspiel. Der Bankhalter legt, nachdem abgehoben worden ist, je eine Karte links und rechts von der Bank, worauf die Spieler ihre Einsätze machen. Hierauf beginnt der Bankhalter die Karten abzuziehen. Wird von den beiden aufliegenden Karten zuerst die links von der Bank liegende abgezogen, wobei deren Farbe unberücksichtigt bleibt, so zieht die Bank alle Sätze der Spieler ein, fällt dagegen die rechts liegende Karte zuerst, so hat die Bank sämtliche Sätze der Spieler zu zahlen. Bei diesem Spiele befindet sich der Bankhalter sehr im Vorteile.

Lantāna L., Wandelröschen, Pflanzengattung aus der Familie der Verbenaceen (s. d.) mit etwa 40 Arten, größtenteils im tropischen und subtropischen Amerika, strauchartige Gewächse, deren Blüten, meist zu einem rundlichen Köpfchen gesammelt, die Eigenschaft besitzen, mit zunehmendem Alter in der Färbung sich zu verändern, woher der deutsche Name. Die bekanntesten Arten sind: L. Camara L. mit orangegelben, dann roten, L. aurantiaca Hort. mit goldgelben, später orangegelben, L. nivea Vent. mit weißen wohlriechenden Blumen, u.a. Sie gehören dem Warm- oder Kalthause an, sind aber durch zahlreiche, aus ihnen hervorgegangene Spielarten und Blendlingsformen, die unter dem Namen L. hybrida Hort. zusammengefaßt werden, aus der Kultur verdrängt worden. Sie blühen im Sommer, doch läßt sich ihr Flor leicht bis in den Winter hinein verlängern.

Lanthān (chem. Zeichen La, Atomgewicht 138,2), dreiwertiges metallisches Element, das 1839 von Mosander im Cerit entdeckt wurde, worin es vom Cerium (s. d.) und vom Didym (s. d.) begleitet vorkommt. Den Namen leitete der Entdecker vom grch. lanthánein, d.i. verborgen sein, ab, da es bisher durch das Cerium, dem es sehr ähnlich ist, versteckt gehalten wurde. Im reinen Zustande ist es kaum bekannt. Das didymhaltige L. erscheint als graues Metallpulver von dunkler Bleifarbe, das weich ist und sich ausplätten läßt. Das L. bildet mit Sauerstoff das Lanthanoxyd, La2O3, das mit Säuren zu farblosen Salzen zusammentritt, während das Cerium rötlichgelbe und das Didym rosenrote Salze liefert.

Lan-tschou, Hauptstadt der chines. Provinz Kan-su, rechts am Hoang-ho, in der Nähe der großen Mauer, hat etwa 500000 E. und bedeutenden Handel, besonders mit Pelzwaren der Mongolei und den eigenen Erzeugnissen, z.B. groben Wollstoffen. L. ist Sitz des Oberstatthalters, christl. Missionare und anderer Europäer. L. wurde neuerdings von Kreitner und Széchényi besucht.

Lanūgo, Wollhaar, s. Haare (animalische, Bd. 8, S. 605b) und Embryo (Bd. 6, S. 72a).

Lânun, malaiischer Volksstamm, s. Ilânun.

Lanuvĭum, uralte Stadt in Latium an der Appischen Straße, etwa 30 km südöstlich von Rom, auf dem südl. Vorsprunge des Albanergebirges gelegen,war im Altertum berühmt durch den Kult der Juno Sospita, welcher alljährlich auch die röm. Konsuln ein Opfer darbrachten. 338 v.Chr. erhielt die Stadt röm. Bürgerrecht. Der heutige Flecken Cività Lavinia zeigt noch bedeutende Reste der alten Stadtmauer, unbedeutendere des Junotempels und eines Theaters.