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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lessing (Otto) - Lesueur

Zeitcharakteristik geben, wie Der Jäger (in der Galerie Ravené in Berlin) und Die Kreuzfahrer, welche in der Wüste Wasser finden (Kunsthalle zu Karlsruhe). Seit seiner Berufung nach Karlsruhe als Direktor der Kunsthalle (1858) auch viel mit Porträts beschäftigt, kehrte er nochmals (1866-67) zum Reformationsbilde zurück und malte die Disputation zwischen Luther und Eck 1519 zu Leipzig (Galerie zu Karlsruhe). In seinen letzten Jahren wandte sich L. wieder der Landschaft zu, wobei er an der realistischen Strömung seiner Zeit, zu deren Pionieren er von vornherein zählte, teilnahm. Zeigten diesen Fortschritt schon sein Brennendes Kloster (1846; Dresdener Galerie) oder seine Landschaft mit Landsknechten, welche eine Anhöhe verteidigen (1848; Kunsthalle zu Düsseldorf) oder die Schützen im Engpaß (1851; Nationalgalerie in Berlin), so tritt er in vollkommener Modernität in der Eifellandschaft bei Gewitter (1875; Berliner Nationalgalerie) oder in der annähernd gleichzeitigen Harzlandschaft (Kunsthalle zu Karlsruhe) entgegen. Der Künstler starb 5. Juni 1880 in Karlsruhe.

Lessing, Otto, Bildhauer und Maler, Sohn des vorigen, geb. 24. Febr. 1846 zu Düsseldorf, ging 1865 zu A. Wolff nach Berlin, wo er bis 1868 verweilte. Sein erstes größeres Gemälde: Die Jäger, erwarb die Karlsruher Galerie. In Karlsruhe begann er 1869 seinen Prometheus, wurde aber durch den Krieg 1870/71 in der Arbeit unterbrochen. Heimgekehrt, ließ er sich 1872 bleibend in Berlin nieder, wo er an der plastischen Ausschmückung des Zeughauses, des Reichskanzlerpalais, des Reichsjustizamtes, der Technischen Hochschule in Charlottenburg und des Reichstagsgebäudes thätig war. Auch in Danzig, in Dessau, am Jagdschloß Hummelshain in Altenburg, an zahlreichen Villen der Umgebung Berlins u. s. w. schuf er reiche figurale Dekorationen. Ferner hat L. durch eine Fülle von kunstgewerblichen Entwürfen die deutsche Kunstindustrie, besonders die Fächer des Bronzegusses und der Keramik, wesentlich gefördert, wofür ihm auf der Ausstellung in Nürnberg (1885) wie auf der Berliner Ausstellung (1886) goldene Medaillen zu teil wurden. Auch dem Silberguß, der Glasmosaik (Kuppel des Museums für Völkerkunde in Berlin), der Sgraffitotechnik wandte er seine Aufmerksamkeit zu. 1879 entstand die Statue eines Gladiators, 1886 die Bronzegruppe Mutter und Kind; 1890 wurde seine Marmorstatue Gotthold Ephraim Lessings im Berliner Tiergarten enthüllt. Er veröffentlichte: "Bauornamente Berlins" (Berl. 1878-79; fortgesetzt in "Bauornamente der Neuzeit", 2 Bde., ebd. 1880-90), "Schloß Ansbach. Barock- und Rokoko-Dekorationen aus dem 18. Jahrh." (100 Lichtdrucktafeln, ebd. 1893).

Lessinische Alpen, früher Name der Vicentinischen Alpen (s. d,).

Leßmann, Otto, Musikschriftsteller und Komponist, geb. 30. Jan. 1844 zu Rüdersoorf bei Berlin, beendete bei Fr. Kiel und H. von Bülow in Berlin seine musikalischen Studien, wurde 1866 Lehrer am Sternschen Konservatorium, trat aber bald als solcher in die Schule für höheres Klavierspiel bei Tausig ein. Anfang 1872 siedelte er nach Charlottenburg über und richtete in demselben Jahre den Musikunterricht in der neu begründeten Kaiserin-Augusta-Stiftung ein. 1881 erwarb er die "Allgemeine deutsche Musikzeitung", die er als eifriger Vorkämpfer des musikalischen Fortschritts selbst redigiert. L.s Ruf gründet sich ebenso sehr auf seine Thätigkeit als Musikschriftsteller wie auf eine Anzahl Liederkompositionen moderner Richtung.

Lesson (spr. -óng), Rene Primevère franz. Naturforscher, geb. 20. März 1794 zu Rochefort, nahm 1822-25 an der Weltreise der Korvette La Coquille unter dem Kapitän Duperrey teil, schrieb dann "Journal d'un voyage pittoresque autour du monde" (Par. 1830), redigierte mit Garnot den zoolog. Teil des offiziellen Berichts über diese Reise (1829) und veröffentlichte seine mediz. Beobachtungen u. d. T. "Voyage médical autour du monde" (Par. 1829). Nach seiner Rückkehr wurde er Professor der Botanik in Rochefort, wo er 28. April 1849 starb, nachdem er noch zahlreiche zoolog. Werke geschrieben hatte.

Lestage (frz., spr. -ahsch'), Einschießen, Einnehmen des Ballastes in ein Schiff.

Leste, ein in Madeira auftretender Ostwind, der sich durch große Trockenheit auszeichnet und einen feinen roten Staub mit sich führt. Dieser und der auf den Canarischen Inseln zuweilen bemerkbare heiße Ostwind werden durch die Wüsten Afrikas bedingt.

Lestris, s. Raubmöve.

Le style c'est l'homme (frz., spr. stihl ßäh lomm), "der Stil ist der Mensch", d. h. aus dem Stil eines Menschen läßt sich auf dessen Charakter schließen, ein Satz, den Buffon in seiner Antrittsrede in der Akademie (1753) gebrauchte (wörtlich sagte er: "Le style est l'homme même").

Lesueur, hinter lat. Tiernamen Bezeichnung für Charles Alexandre Lesueur (spr. -ßüöhr), geb. 1. Jan. 1778 zu Havre. Er nahm als Zeichner der naturwissenschaftlichen Objekte 1800-4 teil an der Baudinschen Reise um die Welt und starb Ende 1857 als Direktor des Museums in Havre. Er schrieb über niedere Tiere.

Lesueur (spr. -ßüöhr), Eustache, franz. Maler, geb. 19. Nov. 1617 zu Paris, gest. daselbst 30. April 1655, war Schüler von Simon Vouet, wußte sich jedoch von dessen akademischer Richtung freizumachen, indem er sich an den Stichen nach Raffael und Nic. Poussin bildete. Wahres und feines Gefühl zeichnet seine besten Bilder aus, doch ermangeln sie der Tiefe und Kraft. In der Zeichnung ist er korrekt, in der Färbung meist klar. Seine Hauptwerke sind die jetzt im Louvre zu Paris befindlichen zwei Bilderfolgen. Die eine besteht aus 13 mytholog. Darstellungen, welche ursprünglich zwei Zimmer des Hôtel Lambert de Thorigny zu Paris schmückten; die Bilder schildern die Geschichte Amors, Phaeton und die neun Musen. Die andere enthält in 22 Stücken die Lebensgeschichte des heil. Bruno, welche L. 1645-48 ursprünglich für den kleinen Kreuzgang des Pariser Kartäuserklosters ausführte. Außerdem besitzt das Louvre noch 13 andere Gemälde, darunter: Heil. Gervais und Protais vor dem General Astasius, Predigt Pauli zu Ephesus (1649); ferner: Christus im Hause der Martha (München, Alte Pinakothek), Aussetzung des Moses und Tod der Maria (Petersburg, Neue Eremitage). - Vgl. L. Vitet, Eustache L., sa vie et ses œuvres (Par. 1849).

Lesueur (spr. -ßüöhr), Jean François, franz. Komponist, ein Nachkomme des vorigen, geb. 15. Febr. 1760 zu Drucat bei Abbeville, erhielt Musikunterricht als Chorknabe an den Kathedralen von Abbeville und Amiens und hatte bis 1788 in Dijon, Tours und andern Orten kirchliche Ämter inne, bis er in Paris sich der Bühne zuwandte, wo