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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Meerhäher - Meerschaum

kleinen Wassertieren, finden sich oft in zahlreichen Scharen in allen Meeren, einige auch im Brack- und Süßwasser. Von manchen Arten bauen die Männchen zur Aufnahme der Eier Nester, die sie leidenschaftlich verteidigen. Die gemeine Meergrundel (Gobius niger L., s. Tafel: Fische II, Fig. 10), ein graues, selten 15 cm lang werdendes Fischchen, bei dem die Bauchflossen zu einer kreisförmigen Scheibe verwachsen sind, lebt in großer Zahl in der Nähe des Landes im Meer und im Brackwasser.

Der Schlammhüpfer (Periophthalmus Koelreuteri Pall.) ist ein verwandter Fisch, der an den Küsten der tropischen Meere der Alten Welt bei der Ebbe auf dem Schlamm zurückbleibt und springend Insekten und Schnecken nachjagt.

Meerhäher, soviel wie Mandelkrähe.

Meerheimb, Richard von, s. Psychodrama.

Meerjunker (Julis), ein Geschlecht der Lippfische von meist sehr schönen Farben, die besonders in wärmern Meeren vorkommen und namentlich in Ostindien häufig sind. Der gemeine M. (Julis vulgaris Flemm.) ist ziemlich gestreckt, graublau mit orangerotem, gewelltem Längsbande an jeder Seite. Schön ist der geringelte M. (Julis annulatus Cuv. et Val., s. Tafel: Buntfarbige Fische, Fig. 7, Bd. 6;, S. 828).

Meerkalb, die gemeine Robbe, s. Seehunde.

Meerkatzen (Cercopithecidae), eine Affenfamilie der Alten Welt, die sich durch rundlichen Kopf, sehr langen Schwanz, vollständigen Daumen der Hände und das Vorhandensein von Gesäßschwielen und Backentaschen auszeichnet. Man unterscheidet nach der Bildung des Kopfes zwei Gattungen: Cercocebus mit langer Schnauze und erhöhten Augenhöhlenrändern und Cercopithecus mit kurzer Schnauze und flachen Augenhöhlenrändern. Die Arten dieser Gattungen gehören sämtlich dem Festlande Afrikas an, und der Name Meerkatze mag wohl daher entstanden sein, daß diese Tiere über das Meer nach Europa gebracht wurden. Sie sind sehr lebhaft und mutwillig und im Alter oft bösartig. Eine seit den ältesten Zeiten bekannte und sehr häufig nach Europa gebrachte Art ist die grüne Meerkatze, der Grünaffe (Cercopithecus sabaeus Erxl., s. Tafel: Affen der Alten Welt IV, Fig. 4), welcher auf den Inseln des Grünen Vorgebirges, am Senegal und in einem großen Teile des warmen Afrikas lebt und das europ. Klima leicht erträgt. Er ist gelbgrünlich, unten weißlich, im Gesicht schwarz, an der Schwanzspitze meist gelblich und wird 40-50 cm hoch. Auch die Mona (Cercopithecus Mona Erxl., s. Tafel: Affen der Alten Welt IV, Fig. 2) verträgt das europ. Klima besser als andere Affen und ist daher in Menagerien häufig. Ihr Rücken ist kastanienbraun, Oberarme, Oberschenkel und Schwanz außen schwarz, innen weiß, und die unbehaarte Haut der Augenkreise und Wangen blaurot. Ihr Vaterland sind die Gebirge Westafrikas. Man kennt noch eine ganze Anzahl Arten, welche wie die genannten häufig nach Europa gelangen und zur Bevölkerung der Affenkäfige unsern zoolog. Gärten das Hauptkontingent stellen. Ihre Haltbarkeit gleicht der aller übrigen altweltlichen Affen, ihr Preis schwankt je nach der Häufigkeit der Einfuhr und der Größe der Tiere zwischen 25-100 M.

Meerkohl, Pflanzenart, s. Crambe.

Meerkokos, s. Lodoicea.

Meerlattich, Algenart, s. Ulva.

Meerlinse, s. Lemna.

Meermühlen, s. Argostoli.

Meernagel (Onyx), Deckel der Stachelschnecken (s. d.), in Indien zur Herstellung von Räuchermitteln benutzt, früher pulverisiert gegen Magenkrankheiten angewendet.

Meernesseln, s. Aktinien.

Meerohren, Meerschnecken, s. Seeohren.

Meerotter (Enhydris marina Flemm., s. Tafel: Marder I, Fig. 4), Seeotter, auch Kalan, ein merkwürdiges Seeraubtier bis 114 cm Länge, das einen Übergang von den Ottern zu den Seehunden bildet. Der Kopf ist breit und kurz, die Vorderfüße sind mit kurzen Zehen versehen, flossenartig, ebenso die nach hinten gerichteten Hinterfüße. Der Schwanz ist kurz. Der M. findet sich von der Beringstraße entlang der Westküste Nordamerikas bis Kalifornien, und entlang der Ostküste Asiens bis Japan. Den Tieren wird sehr nachgestellt, denn ihr Pelz, Kamtschatkabiber genannt, ist äußerst wertvoll und schwankt im Preis nach der Qualität zwischen 300 und 600 M., ganz ausgezeichnete Felle werden sogar mit 1000 M. und mehr bezahlt.

Meerrettich, Pflanzenart, s. Cochlearia.

Meerrohr, soviel wie Spanisches Rohr.

Meersalinen, s. Salzgärten.

Meersburg, Stadt im Amtsbezirk Überlingen des bad. Kreises Konstanz, in 445 m Höhe, am Bodensee, hat (1895) 1976 (1890: 1861) E., darunter 110 Evangelische, Post, Telegraph, Fernsprechverbindung, Dampferverbindung mit den Uferorten des Sees, ein großherzogliches kath. Schullehrerseminar, Taubstummenanstalt, 1826 in Pforzheim gegründet, seit 1865 im neuen Schloß, einen Hafen (1854); Baumwollspinnerei, Kalkwerk und Weinbau. Das alte, untere Schloß war nach der Sage Wohnsitz der fränk. Könige (Dagobertsturm) und gehörte von 1838 an dem Historiker J. von Laßberg, dessen Grab sowie das der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und das des Magnetiseurs Mesmer sich hier befinden. Das neue Schloß ist 1750 erbaut und war früher Residenz der Fürstbischöfe.

Meerschaf, soviel wie Albatros (s. d.).

Meerschaum oder Kil, ein weiches und leichtes, mattes und undurchsichtiges erdiges Mineral aus der Familie des Specksteins. Seine Farbe ist weiß, ins Gelbliche, Rötliche und Grauliche übergebend. Er schwimmt, da er viel Luft eingeschlossen enthält, auf Wasser; sein wahres spec. Gewicht ist jedoch 2; der Strich ist weiß und glänzend, sein Bruch eben, flachmuschelig und feinerdig. Der M. färbt nicht ab; er fühlt sich fettig an und haftet stark an der Zunge. M. besteht aus wasserhaltiger kieselsaurer Magnesia; Salzsäure zersetzt ihn unter Abscheidung schleimiger Kieselflocken. Er findet sich auf Lagern in derben, meist knolligen Massen besonders im Orient, in Kleinasien (südöstlich von Eski-Schehr), Livadia (in Böotien) und auf Euböa, aber auch in der Krim, in Spanien (zu Valecas bei Madrid) und zu Hrubschitz in Mähren. Er bricht in dichten, zähen, an der Luft härter werdenden, doch immer noch schneidbaren Massen und wird vorzüglich zu Tabakspfeifen und Cigarrenspitzen verwendet, die gedrechselt oder geschnitzt, gebohrt, dann im Trockenraum getrocknet, hierauf mit Schachtelhalm geglättet, zuletzt in Wachs oder Öl gesotten werden. Für den Welthandel kommt ausschließlich der M. von Eski-Schehr in Betracht. Er wird hauptsächlich in Wien, Ruhla, Lemgo, Paris und Neuyork verarbeitet. In Deutschland wurde 1893 roher M. im Werte von 183 000 M. eingeführt.