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Pitehanf – Pitschen
Seefahrt und Fischerei. Regelmäßig gehen Dampfer nach Stockholm.
Pitehanf, soviel wie Agavefaser (s. d.).
Pitesci (Piteschtj), Stadt im rumän. Kreis Arschis, am Argeş, am Nordrande der Walachei, Eisenbahnknotenpunkt, mit (1890) 12126 E., Gymnasium und beträchtlichem Handel.
Pithecĭa, s. Schweifaffen.
Pithēcus (lat.), alte Benennung des Orang-Utan (s. d.).
Pithecūsä, im Altertum gemeinsamer Name der Inseln Ischia (s. d.) und Procida; doch hieß auch Ischia allein Pithecusa.
Pithekoīden, s. Menschenaffen.
Pithiviers (spr. -wĭeh). 1) Arrondissement im franz. Depart. Loiret, hat auf 1199,1 qkm (1891) 58044 E. in 5 Kantonen und 98 Gemeinden. – 2) P., mittellat. Petucris, Hauptstadt des Arrondissements P., am Oeuf (Quellfluß der Essonne) und den Linien Orléans-Malesherbes und P.-Toury (21 km, Dampftrambahn) der Orléansbahn, hat (1891) 5115, als Gemeinde 5480 E., einen Gerichtshof, ein Denkmal des Mathematikers Poisson und ein Standbild des Botanikers Duhamel du Monceau (1893); Bienenzucht, Safranbau, Bäckerei berühmter Lerchenpasteten und Mandelkuchen; Gipsbrüche und Handel. Im nahen P. le Vieil (923 E.) sind Mineralquellen. In den Kämpfen gegen die Loire-Armee Ende Nov. und Anfang Dez. 1870 war P. der Stützpunkt der Deutschen gegen die Versuche der Franzosen, von Orléans gegen Paris vorzudringen.
Pithom (ägypt. Pitum, «Haus des Gottes Atum»), die Hauptstadt des achten unterägypt. Gaus im östl. Delta. Nach der hebr. Sage leisteten die Juden bei ihrem Bau Frondienste (2 Mos. 1, 11). Ihre Ruinen mit dem von Ramses Ⅱ. erbauten Tempel und großen Speicherräumen, die vielleicht aus der Regierung desselben Königs stammen und an die «Schatzhäuser» der Bibel erinnern, sind 1883 von Naville in dem Schutthügel Tell el-Maschuta (im Wâdi Tumilât), den Lepsius früher für das biblische Ramses hielt, wieder aufgefunden worden. – Vgl. Ed. Naville, The store city of P. and the route of the exodus (3. Aufl., Lond. 1888).
Pithos (grch.; lat. dolium), großes altgriech. thönernes Vorratsgefäß, das bis auf den obern Teil in die Erde gegraben wurde. Zahlreiche derartige Gefäße sind in Griechenland und Italien, namentlich in Pompeji und Troja gefunden worden.
Pithou (spr. -tuh), Peter, s. Pithöus.
Pithöus, Peter, eigentlich Pithou, franz. Jurist und Humanist, geb. 1. Nov. 1539 zu Troyes, war eine Zeit lang Generalprokurator von Paris und starb 1. Nov. 1596 zu Nogent-sur-Seine. P. machte sich um die Erklärung mehrerer lat. Dichter, besonders aber dadurch verdient, daß er die erste Ausgabe der «Fabeln» des Phädrus (Troyes 1596) aus einer Handschrift besorgte, die sein Bruder, Franz P. (gest. 1607), aufgefunden hatte. Hierher gehören auch seine «Adversariorum libri Ⅱ» (Par. 1565); ferner schrieb er die für jene Zeiten wichtige Schrift «Les libertés de l’église gallicane» (ebd. 1594; mit Kommentar von Dupin, 2 Bde., ebd. 1824) und gab die «Annalium et historiae Francorum scriptores coaetanei Ⅻ» (Frankf. 1594) und die «Historiae Francorum scriptores veteres Ⅺ» (ebd. 1596) heraus. Seine «Opere sacra, juridica, historica et miscellanea» (Par. 1609) gab Labbé heraus.
Pithyus, alter Name der Stadt Pizunda (s. d.). ^[Spaltenwechsel]
Pitigliāno (spr. -tilj-), mittellat. Pitilianum, Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Grosseto, westlich vom Bolsener See, am Lente (Nebenfluß der Fiora), Sitz des Bischofs von Sovana, hat (1881) 4519 E., ein Gymnasium, Seminar, Hospital; Tuchfabrikation, Viehhandel. 3 km entfernt eine warme Mineralquelle mit Badeanstalt. P. gehörte im 12. Jahrh. zu Sovana (Suana), im 14. Jahrh. den Aldobrandini und dann als Grafschaft den Orsini.
Pitje, chines. Scheidemünze, s. Cash.
Pitman, Isaak, Begründer des im engl. Sprachgebiete verbreitetsten, unter dem Namen Phonography bekanntesten Stenographiersystems, geb. 1813 zu Trowbridge in Wiltshire, wurde Volksschullehrer, veröffentlichte 1837 sein auf Grund des Taylorschen Systems aufgestelltes System in der Form eines Leitfadens. Das Eigentümliche seines Systems ist, daß einerseits in der Korrespondenzschrift die Vokale regelmäßig und zwar durch Punkte, Striche und Häkchen in verschiedenen Stellungen bezeichnet und andererseits durch Ringel, Schleifen und Haken besondere Zeichen für Konsonantenverbindungen gebildet sind, während in der Schnellschrift, ganz wie bei Taylor, die Vokale unbezeichnet bleiben. Das System P. ist gleich denen seiner bedeutendern Vorgänger ein rein geometrisches. (S. auch Stenographie.) Von P.s zahlreichen Werken sind hervorzuheben: «A history of short-hand» (Lond. 1852; 3. Aufl. 1891), «Sound-hand» (ebd. 1837), woraus entstanden: «A manual of phonography» (Bath 1842 u. ö.) und «The phonographic teacher» (Lond. und Bath 1862). Als Jahrbuch erscheint seit 1892 «Pitman’s Shorthand Year-Book and Diary» (London). Auf P.s System beruhen die in Amerika eingeführten Systeme von Benn Pitman, Graham, Munson und Lindsley. Auf Grund seiner Verdienste um die Stenographie erhielt P. 1894 die Ritterwürde. Sein Leben beschrieb T. A. Reed (Lond. 1890).
Pitotsche Röhre (spr. -tohsche), eine Vorrichtung zur Ermittelung der Geschwindigkeit des fließenden Wassers (s. Geschwindigkeitsmessung); dieselbe ist in einfachster Form eine rechtwinklig umgebogene Glasröhre, deren kürzerer Schenkel sich nach der Öffnung zu etwas erweitert, während der längere mit einer Skala versehen ist. Man hält die Röhre so ins Wasser, daß der kürzere Schenkel derselben horizontal gegen den Strom gerichtet ist, wodurch sich die Wassersäule im Innern des längern, vertikal gehaltenen Schenkels um so höher erhebt, je stärker die Strömung ist, und mißt nun diese Erhebung des Wasserspiegels an der Skala. Die gesuchte Geschwindigkeit ist dann gleich der Endgeschwindigkeit eines freifallenden Körpers, der eine Höhe gleich der gemessenen durchfällt. Reichenbach und Darcy verbesserten das Instrument bezüglich seiner Handhabung.
Pitoyabel (frz., spr. pitŏajahbl), erbärmlich, jämmerlich.
Pitschen, Stadt im Kreis Kreuzburg des preuß. Reg.-Bez. Oppeln, an der Linie Posen-Kreuzburg der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Oppeln), hat (1890) 2056 E., darunter 517 Katholiken und 37 Israeliten, Post, Telegraph, alte Mauern und Türme, evang. und kath. Kirche; Maschinenfabrik, Dampfschneidemühle, Brauereien und Ziegelei. Hier wurde 24. Jan. 1588 der Erzherzog Maximilian von Österreich, Bewerber um die poln. Krone, vom Großkanzler Jan Zamoijski