Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Polaben – Polardreieck

sale Amphitheater (24 m hoch, 137 und 110 m im Durchmesser), 198‒211 n. Chr. zu Ehren der Kaiser Septimius Severus und Caracalla für 25000 Zuschauer errichtet, mit zwei Reihen 5,7 m hoher offener Bogen (72) übereinander, ferner der nach der Schlacht von Actium (30 v. Chr.) von Salvia Postumia den Sergiern errichtete Triumphbogen (Porta Aurea, 8 m hoch, 7 m breit), Reste eines Tempels der Diana und zwei seit 1845 ausgegrabene Thore, Porta Erculea und Porta Gemina (2. Jahrh.). An der Stelle des altröm. Kapitols steht das Kastell, im 17. Jahrh. von den Venetianern erbaut und unter Kaiser Franz erneuert. An Denkmälern bestehen die Büste des um die Erhaltung der Altertümer verdienten L. Carrara (gest. 1854), das eherne Standbild des Admirals Tegetthoff von Kundmann in Wien (1877) und das Denkmal des Erzherzogs Maximilian, des Schöpfers der österr. Marine, eine Säule mit Schiffsschnäbeln in den Parkanlagen der Vorstadt San Policarpo. Von Gebäuden sind zu erwähnen der Dom (15. Jahrh.), eine dreischiffige Basilika mit antiken Säulen, das Kloster San Francesco (13. Jahrh.), jetzt Militärmagazin, mit roman. Portal und schönem Kreuzgang, das Rathaus (1300), das Marinekasino, das Hydrographische Amt und die Sternwarte auf dem Monte-Zaro, das Gebäude der Admiralität, das Marinemuseum, das großartige See-Arsenal und die Schiffswerften und Docks auf der durch eine eiserne Hängebrücke mit dem Festlande zusammenhängenden Oliveninsel. Die Stadt hat gut gepflasterte Straßen, ein deutsches Staatsgymnasium, eine deutsche Marine-Unterrealschule, ein neues Theater, Hospital, Wasserleitung und Gasbeleuchtung. Die rings um Stadt und Hafen liegenden Höhen sind durch 28 größere und kleinere Werke gekrönt. Die Einfahrt in den Hafen verteidigen die Forts Maria Luise und Monte-Christo, auf der Südseite liegen die starken Forts Berudella und Musil und Fort Max, auf den Brionischen Inseln das Fort Tegetthoff, auf der Landspitze Fort San Giorgio, San Michele und Movidal. Die wichtigsten Verteidigungswerke sind mit Grusonschen Panzertürmen versehen. Die Küstenbefestigungen wurden 1886 vollendet. Die Ergänzung des Verteidigungssystems nach der Landseite befindet sich in energischer Durchführung. P. ist Station der Lloydschiffe und nächst Triest und Fiume der bedeutendste Handelshafen der Monarchie. 1892 liefen 1964 Schiffe mit 365010 Registertons aus.

P., der Sage nach von Kolchiern gegründet, wurde nach der Eroberung Istriens durch die Römer (178 v. Chr.) eine röm. Kolonie, die unter Augustus und seinen Nachfolgern ihre höchste Blüte erreichte und unter dem Beinamen Pietas Julia Flottenstation und Kriegshafen war. Nach Untergang der röm. Herrschaft verlor es seine Bedeutung. 1148 wurde P. von den Venetianern erobert und in der Folge wiederholt von diesen und den Genuesen während ihrer Kämpfe um die Oberherrschaft zerstört, 1379 vollständig. Mit der Bestimmung zum Kriegshafen (1848) und der Grundsteinlegung des Arsenals (1856) begann die gegenwärtige Blüte der Stadt. – Vgl. Versuch einer Geschichte und Beschreibung der Stadt P. (Triest 1843); Notizie storiche di P. (Pola 1876); P., seine Vergangenheit und Zukunft (Wien 1886); Stache, Die Wasserversorgung von P. (ebd. 1889).

Polaben (d. i. Elbanwohner), in engerm Sinne der Name eines ausgestorbenen slaw. Stammes, der ungefähr von der Bille und Trave bis zur Elde ansässig war und dessen Hauptort das heutige Ratzeburg bildete. Das Wort ist aber oft in einer viel weitern Ausdehnung gebraucht worden, Šafařik nannte so «alle in Norddeutschland angesessenen Slawen westwärts von der Oder, dem Bober und dem Erzgebirge». Neuere Forschung hat jedoch gezeigt, daß dieses zum größten Teile ausgestorbene Slawentum in zwei verschiedene Stammesgruppen zerfällt, in die Sorben, deren Reste die heutigen Lausitzer Wenden sind, die nördlich etwa bis zum Parallelkreis von Berlin wohnten, und in die von da bis zur Ostsee reichenden Stämme, auf die man jetzt die Bezeichnung P. einzuschränken pflegt. Die Hauptstämme waren die Wilzen oder Lutizen und die Bodrizen oder Obotriten. Die Wohnsitze der P. reichten westlich über die Elbe bis in das Flußgebiet der Jeetze hinüber. Sprachlich gehören sie zur poln. (lechischen) Abteilung des Slawischen und bilden dessen westlichsten Ausläufer; unter den lebenden Dialekten steht das Kassubische dem Polabischen am nächsten. Die P. hielten sich am längsten im sogenannten hannov. Wendlande (um Dannenberg, Lüchow, Hitzacker), wo der letzte Rest der Sprache ungefähr um die Mitte des 18. Jahrh. verschwunden ist. Die vorhandenen Sprachquellen sind am vollständigsten zusammen gestellt von Pfuhl im «Časopis towařstwa maćicy serbskeje», Bd. 16 u. 17 (Bautzen 1863‒64); eine grammatische Bearbeitung ist Schleichers «Laut- und Formenlehre der polabischen Sprache» (Petersb. 1871). ^[Spaltenwechsel]

Polacca, s. Polonaise; P. als Fahrzeug, s. Polacken.

Polack, Pole; auch poln. Pferd.

Polacken (Polacca), im Mittelmeer gebräuchliche dreimastige Schiffe, deren Untermasten mit den Marsstengen aus einem Stück (Polackermast) bestehen, im übrigen wie eine Bark getakelt sind, daher sie auch Polackerbark genannt werden. Sind die P. nur zweimastig (ohne Besansmast), so heißen sie Polackerbrigg.

Pola de Labiana, span. Stadt, s. Labiana.

Pola de Lena oder Lena, Bezirksstadt der span. Provinz Oviedo (Asturien), liegt 31 km südlich von Oviedo an der Bahn Gijon-Leon und hat (1887) 13064 E.

Polana, der 142. Planetoid.

Poland-China-Schwein, in Nordamerika gezüchtetes Schwein von schwarzer Farbe, das sich durch mittlere Größe, Frühreife und leichte Mästbarkeit auszeichnet.

Polangen, Flecken im Kreis Grobin des russ. Gouvernements Kurland, an der Ostsee, 3 km von der preuß. Grenze, hat (1886) 1414 E., Post, Telegraph, eine kath. Kirche, eine Synagoge, Progymnasium, eine Seeschule, Zollamt, Hafen, Seebad und Bearbeitung von Bernstein. Der früher bedeutende auswärtige Handel ist sehr gesunken.

Polanker, diejenige bei Dynamomaschinen (s. d.) angewendete Ankerform, bei der die Wicklung zu sog. Spulen angeordnet ist, die, auf besondere Kerne gewunden, oder auch ohne solche, entweder, wie bei Lontin, radial stehen (Sternanker) oder aber, wie bei Siemens, Gordon, Ferranti und bei den Gleichstromscheibenmaschinen von Wallace, Farmer, Pacinotti, Edison u. a., parallel der Achse liegen.

Polār, auf die Pole bezüglich.

Polarbanden, Wolkenform, s. Cirrus.

Polardistanz, s. Poldistanz.

Polardreieck, s. Supplement.