Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Schlagworte auf dieser Seite: Behandlung der Nähmaschinen

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Wünscht sie dann endlich zu lesen, so wählt sie gewißlich ein Kochbuch,

Deren Hunderte schon die eifrigen Pressen ausgeben!"

Ein geistvoller National-Oekonom sagt in einem Artikel über die Ernährung unsres Volkes: "Ehre jenem Hause, in welchem eine feingebildete Frau es nicht unter ihrer Würde erachtet, täglich selbst am Herde zu stehen, um die die Nahrung für Mann und Kinder selbst zu bereiten und Ehre dieser Frau, die, der Mühewaltung nicht achtend, mit Freuden dies wichtigste Amt versieht."

Gerhardt Amyntor meint: "Die Ehen nehmen im selben Verhältnis ab, tn dem die Unwissenheit unserer Damen in Küchenangelegen-hetten zunimmt", und Wetter: "Der Herd des Hauses ist heilig und heilig ist dte Hausfrau, die das Herdfeuer zu unterhalten und auszunutzen versteht".

Der große Kardinal Richelieu behauptet, eine Dame ohne Geist vermöge nicht einmal sechs Wochen einen richtigen Küchenzettel zusammenzustellen. Ja, ja, sie haben alle ein faible für die Küche und die Kochkunst, unsere Herren der Schöftfurg und beschäftigen sich gerne damit. Selbst Kant, der große Philosoph, "der Weise von Königsberg", gehörte zu denen, welche dte Küche sehr interessierte. Er pflegte sich oft und gern eingehend über das Essen und seine Herstellung zu unterhalten. Bon Beethoven, dem großen Komponisten, wird erzählt, daß er zuweilen den Küchenschurz umgebunden und namentlich im Kaffeekochen brillierte. Und schrieb nicht vor allzulanger Zeit der jetzt verstorbene Fürst Münster von Derneburg dte Einleitung zu einem Kochbuch, in welchem er seine hervorragenden gastronomischen Kenntnisse dargethan.

Ueberhaupt ist die Zahl hervorragender Staatsmänner, Gelehrten und Diplomaten, dte sich der Küche angenommen, Gerichte erfunden und verbessert nicht gering. Wollten wir sie hter anführen, der Raum würde nicht ausreichen.

Wir sehen, daß Kochen keine untergeordnete, niedere Beschäftigung ist. Jede Frau sollte eine sichere, auf wissenschaftlicher Bildung beruhende Kenntnis von der zuträglichen Bereitungsart der Speisen besitzen und die Kunst des Kochens vollständig beherrschen. Ich verehre", sagt ein bekannter Schriftsteller, "das weibliche Geschlecht außerordentlich hoch, am höchsten aber verehre ich dte deutsche Frau, dte nicht nur über Goethe und Richard Wagner und alle schönen Künste geistreich zu plaudern vermag sondern auch genau weiß, wie man eine Rindfleischschnitte am saftigsten brat und eine Mayonnaisensauce am pikantesten mischt und die diese leckeren Dinge auch mit eigener Hand zuzubereiten versteht". - "Zu des Herdes Funken soll sich der des Geist's grellen." Auch dte Küche ist kein untergeordneter Raum:

Wlllst Du wissen, wie es steht,

Mit des Hauses Sinn und Denken,

Darfst Du ntcht ins Prunkgemach

Forschend Deine Blicke lenken.

In die Küche schau hinein,

In die Winkel, in die Ecken,

Da wird oft verborgen sein,

Was man gerne mag verstecken."

E. Batzer.

Behandlung der Nähmaschinen.

Beim Instandhalten der Maschinen spielen Oel und Petroleum eine wichtige Rolle. Wie manche Nähmaschine ist schon nach wenigen Jahren derart ausgeschliffen, daß eine Reparatur notwendig wird, oder daß sogar eine neue angeschafft werden muß. und dieses nur aus dem Grunde, weil zu wenig Sorgfalt auf das Instandhalten der Maschine gelegt wild. "Wer gut schmiert, der gut fährt" - dieses alte Mahnwort Möchten diejenigen nicht vergessen, welche mit Nähmaschinen zu arbeiten haben. Wöchentlich zweimal mindestens wende man ein Viertelstündchen an, um Zuerst, nachdem das Schiffchen herausgenommen ist, etwas Petroleum mittelst eines Oelkännchens in die Oellöcher und an die der Reibung unterworfenen Teile zu bringen, und zwar nicht nur beim Maschinenteil, sondern auch beim Gestell. Aldann lasse man die Maschine vor- und rückwärts arbeiten, damit das alte Oel, welches verdickt und verharzt worden ist, herausgeschleudert wird; denn das Petroleum hat die Eigenschaft, solch altes Oel aufzulösen. Danach wische man das übriggebliebene Petroleum hinweg und gebe tropfenweise reines Oel nach. Wenn die reibenden Teile nicht von Zeit zu Zeit etwas Oel erhalten, erhöht sich dte Reibung zu sehr, und es entsteht das zu frühe Ausschleifen. Allgemein beliebt und der Billigkett halber vorgezogen wird vielfach, das Oel zusammen mit 2/3 Petroleum in einer Flasche zum Oelen verwendet, oft sogar auch bloß Petroleum ollein. Dieser Gebrauch ist unpraktisch und gänzlich verkehrt. Petroleum hat keinen ölenden Fettgehalt, im Gegenteil, es löst das wenige zugesetzte Oel bereits in der Flasche auf. Damit geht die Nähmaschine wohl recht leicht, aber - nach ein bis fünf Jahren ist man gezwungen, eine neue zu laufen. Nur das Oel kann die Reibung vermindern, hierin liegt allein eine Sicherheit für längere Dauerhaftigkeit. Also man wende zuerst Petroleum an, dann reines Oel, niemals beides vermischt! Am besten verwende man Knochenöl aus der Apotheke oder Drogerie oder bestes Maschinenöl aus den am Orte befindlichen Nähmaschinenhandlungen.

("Fürs Haus.")