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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sachsen-Meiningen (Verfassung und Verwaltung).

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Sachsen-Meiningen'

Anmerkung: Fortsetzung von [Erwerbszweige.]

wieder, Raps und Rübsamen häufiger, im Werragrund (von Wasungen bis Salzungen) auch Tabak. Weinbau findet sich bloß in der Grafschaft Kamburg. 1885 wurden 3,605,438 Doppelzentner an Körnern, Heu, Wurzeln etc. im Gesamtwert von 24,887,433 Mk. produziert. Was den Viehstand betrifft, so ist die Rindvieh- und Schafzucht am bedeutendsten; im Kamburgischen werden auch Pferde gezogen. Man zählte 1883: 5174 Pferde, 66,733 Rinder, 58,940 Schafe, 45,136 Schweine und 26,817 Ziegen. Hausgeflügel wird überall gezogen; die Fischerei ist untergeordnet. Von hoher Bedeutung ist die Forstwirtschaft, indem das Land 103,345 Hektar Waldboden besitzt. Die Hauptmasse desselben liegt am Thüringer Wald. Im Gebirge herrscht Nadelholz, um Meiningen und Heldburg Laubholz vor. Die Staats- und Domänenforsten nehmen (1883) 41,131, die Gemeinde- u. Korporationsforsten 28,178, die Privatforsten 34,036 Hektar ein. Bergbau findet auf Steinkohlen, Eisenerze und Schiefer statt. Steinkohlen werden in den Bergamtsbezirken Sonneberg u. Eisfeld (1887 auf 3 Werken 9,606,500 kg) bergmännisch gefördert. Die Produktion an Eisenerzen belief sich in einem Bergwerk auf 13,274,700 kg. An Schiefer, welcher auch in Menge exportiert wird, ist namentlich der östliche Waldstrich des Herzogtums reich; es wurden 1887 auf 24 Werken (die meisten und reichsten bei Lehesten) 46,233,640 kg im Wert von 2,180,765 Mk. gewonnen. Marmor wird in mehreren Gegenden gebrochen. Von erdigen Produkten finden sich besonders Thon, verschiedene Farberden und Sand häufig; ein Sandsteinlager bei Limbach liefert treffliche Porzellanerde. 1887 wurden auf 7 Porzellansandgruben 5,305,000 kg gewonnen. 14 Farberdengruben lieferten 1887 eine Ausbeute von 1,008,000 kg. Torf wird an mehreren Stellen gestochen. Von den drei Salinen des Landes, sämtlich in Privatbesitz, gewinnen nur die zu Salzungen (wo auch ein sehr besuchtes Solbad) und Neusulza Salz aus gesättigter Sole (1887: 19,348 kg im Wert von 443,341 Mk.); dagegen liefert die zu Friedrichshall das bekannte, weit versendete Bitterwasser.

Die bedeutendsten Zweige der gewerblichen Thätigkeit sind: das Hüttenwesen, die Verfertigung von Holzwaren, Tuchfabrikation, Lederbereitung, Spinnerei und Weberei und Papiermachéfabrikation. Der Hüttenbetrieb (Maximilianshütte zu Unterwellenborn bei Saalfeld) ergab 1887 eine Produktion von 58,184,400 kg Roheisen im Wert von 1,297,650 Mk. Für die Bearbeitung von Roheisen waren 1887: 5 Eisengießereien, ein Schweiß- und ein Flußeisenwerk im Betrieb. Die Nähmaschinenindustrie ist namentlich in Saalfeld sehr entwickelt, während in Pößneck die Textilindustrie obenan steht. Spinnerei, Weberei und Appretur ist aber auch in dem Meininger Unterland vertreten. In Pößneck ist die Flanellfabrikation von besonderer Wichtigkeit, aber auch die Gerberei und Lederfabrikation. Glashütten waren 1888: 6 im Betrieb, daneben aber in Lauscha und Umgegend eine weitverzweigte Hausindustrie in Glasartikeln (Perlen, Christbaumartikel, Puppenaugen). Die Porzellanmanufaktur ist in den Kreisen Saalfeld, Sonneberg und Hildburghausen g ut vertreten. Zigarrenfabrikation findet sich im Meininger Unterland, Farbenfabrikation in Saalfeld und Steinach; Zündwaren werden in Neustadt am Rennstieg hergestellt. Hoch entwickelt ist die Spielwarenindustrie (Fabrik- und Hausindustrie) in Sonneberg und Umgegend. Das Hauptgeschäft wird hier in Puppen gemacht (Papiermachéfabrikation), doch kommen auch verwandte ↔ Artikel, wie Attrappen und Masken, in Betracht. Die Holzindustrie ist in den letzten Jahren etwas zurückgegangen, ebenso die Schiefertafelfabrikation, welche namentlich in Gräfenthal und Umgegend hausindustriell betrieben wird. Die Schiefertafelfabrikation hat ihren Sitz in Steinach und Umgegend. Abgesehen von den Mahlmühlen, werden die vorhandenen Wasserkräfte namentlich in den Waldorten zu Sägewerken, Porzellanmassemühlen und Märbelmühlen ausgenutzt. Gut vertreten ist das Brauereigewerbe. Außerdem sind aber in dem industriellen Ländchen auch bedeutende Ziegeleien, chemische Fabriken und Wetzsteinfabriken vorhanden; auch wird die Töpferei in Ummerstadt in größerm Umfang betrieben. In Kamburg besteht eine Rübenzuckerfabrik. 1887 standen im Dienste der gesamten Industrie 284 Dampfmaschinen mit 8074 Pferdekräften und 314 Dampfkessel. Der Handel des Herzogtums dehnt sich über ganz Deutschland, selbst über Europa aus und greift nach Amerika und andern Erdteilen hinüber; das Sonneberger Spielwarengeschäft ist sogar wesentlich Exportgeschäft. Allein nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika wurden 1887 für 3,235,808 Mk. Spielwaren und für 1,534,994 Mk. Porzellan aus dem Herzogtum ausgeführt. Sonstige Hauptausfuhrartikel sind: Vieh, rohe Häute, Wolle, Leder, Leinen, baumwollene und wollene Waren, Salz, Kaolin, Märbel, chemische Präparate, Farberden, Papiermachéwaren, H olz, feine und grobe Holzwaren, Wetzsteine und Schiefertafeln, Pech, Kienruß, Eichenrinde und Eisenwaren. Von Eisenbahnen durchziehen das Land: die Werrabahn nebst den Zweigbahnen Koburg-Sonneberg-Lauscha, Eisfeld-Unterneubrunn, Themar-Schleusingen, Immelborn-Liebenstein und Wernshausen-Schmalkalden, die Meiningen-Schweinfurter Bahn, die Linien der Preußischen Staatsbahn Gera-Eichicht-Probstzella, Erfurt-Ritschenhausen und Arnstadt-Saalfeld, die Saalbahn, die Feldabahn, die Sekundärbahnen Hildburghausen-Heldburg, Ludwigstadt-Lehesten und Tannroda-Kranichfeld. Kaiserliche Postanstalten bestanden 1887: 53 im Land. Die Stadt Meiningen ist der Sitz der Deutschen Hypothekenbank. Eine herzogliche Landeskreditanstalt besteht in Meiningen.

[Verfassung und Verwaltung.] Die Verfassung des Herzogtums ist konstitutionell-monarchisch und beruht auf dem Grundgesetz vom 23. Aug. 1829 und den Gesetzen vom 20. Juli 1871 und 24. April 1873 über die Wahl der Abgeordneten. Staatsoberhaupt ist der Herzog (gegenwärtig Georg II., geb. 2. April 1826, regiert seit 20. Sept. 1866), der mit zurückgelegtem 21. Lebensjahr großjährig wird. Das verfassungsmäßige Organ zur Vertretung der Rechte und Befugnisse des Volkes ist der Landtag. Derselbe besteht aus 24 Abgeordneten und zwar 4 von den höchstbesteuerten Grundbesitzern, 4 von denen, welche die höchsten Personalsteuern bezahlen, und 16 von den übrigen Angehörigen des Herzogtums. Wähler ist jeder Angehörige des Herzogtums mit vollendetem 25. Jahr in dem Wahlkreis seines Domizils zur Zeit der Wahl. Die Wahl ist direkt und geheim. Wählbar ist jeder, der das 25. Jahr zurückgelegt, mindestens ein Jahr dem Herzogtum angehört hat und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen ist. Das Mandat dauert sechs Jahre. Die Landeskirche ist die evangelisch-lutherische, doch steht auch den Bekennern der katholischen Kirche und der israelitischen Religion öffentliche Religionsübung zu. Die oberste Behörde für die Staatsverwaltung ist das Staatsministerium mit fünf Abtei-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 152.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 152.