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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ausstellungen (1888 und 1889)

nenswert aus diesem Jahr sind auch eine internationale Ausstellung für Musikwerke, welche in Bologna abgehalten wurde, und als ein großartig angekündigtes, aber entschieden verfehltes Unternehmen die 2. Juli eröffnete internationale Ausstellung in Brüssel, die keinesfalls hielt, was sie versprach, und durch die große Zahl von Schaubuden und Belustigungen mehr den Charakter einer großartigen Kirmes gewann. Von größern Körperschaften, die sich beteiligten, sind namentlich zu nennen die deutschen Vereine vom Roten Kreuz und die deutschen Gewerbe der Chemie und Physik. Auch auf der wenige Wochen später eröffneten internationalen Kunstausstellung zu Antwerpen war Deutschland in hervorragender Weise vertreten, wie denn überhaupt das vornehmste Interesse dieser Ausstellung in den ausländischen Sektionen lag. Der August sah die Eröffnung von drei größern A. Die australische Kolonie Neusüdwales veranstaltete zur Feier des 100. Jahrestags ihrer Gründung eine Weltausstellung in Sydney, an welcher sich die Industrie Europas indes weniger beteiligte. Von weit bedeutenderm Umfang war dagegen die zu derselben Zeit in Melbourne eröffnete Weltausstellung, bei der Deutschland auch offiziell vertreten war. Mehr noch als bei der früher hier ins Werk gesetzten Weltausstellung gewährten die deutschen Erzeugnisse ein umfassendes Bild der deutschen Industrie, die zwar nicht durch sehr viele, aber durch fast alle wichtigen Gewerbszweige, die in Deutschland ihren Sitz haben, vertreten war. Außer Deutschland waren offiziell vertreten nur England, Frankreich und die Vereinigten Staaten, während Österreich durch den Wiener Exportverein eine Sammlung und gemeinsame Vertretung seiner Aussteller bewerkstelligt hatte. Die Ausstellung hatte trotz guten Besuchs einen Fehlbetrag von 400,000 Pfd. Sterl. aufzuweisen. Als eine der hervorragendern diesjährigen A. Europas ist die in Köln eröffnete internationale Gartenbauausstellung zu bezeichnen, auf welcher besonders die Gartenarchitektur in großartiger Weise zur Geltung kam. Nach einer fünfjährigen Pause trat München wiederum in diesem Jahr mit einer Kunstausstellung hervor, die einen mehr internationalen Charakter hatte als irgend welche ähnliche frühere A. Holland und Belgien hatten sich mit einer ungewöhnlich großen Zahl vorzüglicher Bilder eingefunden. England, Frankreich, die Schweiz, Spanien, Italien, Amerika waren ebenso vollständig wie vorzüglich vertreten. Außerordentlich reich war die deutsche Ausstellung, welche in mehr als 30 Sälen die Werke aller bedeutenden Künstler versammelte. Die Ausstellung wies einen Überschuß von 100,000 Mk. auf, während für 1,050,000 Mk. Verkäufe abgeschlossen worden waren.

1889. Die lange vorbereitete Weltausstellung in Paris wurde 6. Mai durch den Präsidenten Carnot vor einer ungeheuern Versammlung in dem großartigen Industriepalast eröffnet. Die europäischen Großmächte hatten zu einem Fest, welches die Revolution von 1789 verherrlichen sollte, ihre Botschafter nicht abgeordnet, Österreich und Rußland waren sogar gänzlich unvertreten, die übrigen hatten nur stellvertretende Gesandtschaftsbeamte entsandt, wogegen aber die Gesandten der Vereinigten Staaten, von Mexiko, Dänemark, Persien, Serbien, Rumänien, Schweden und der Schweiz wirklich anwesend waren. Gar nicht vertreten in der Ausstellung selber waren Deutschland, Montenegro, die Türkei und Schweden, doch hatten einige deutsche Maler ihre Bilder ausgestellt. Amtlich vertreten waren von europäischen Ländern nur Norwegen, die Schweiz und Griechenland; Rußland, Österreich-Ungarn, Rumänien, Italien, Spanien, Portugal, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Großbritannien und Dänemark hatten es den Ausstellern überlassen, ihre Vertretung selber einzurichten. Dagegen waren die meisten amerikanischen Staaten amtlich vertreten, aus Asien Japan und Siam, aus Afrika Marokko und die Südafrikanische Republik, aus Australien einige der englischen Kolonien. Den wirksamsten Anziehungspunkt bildete unstreitig der 300 m hohe eiserne Turm, der vom Ingenieur Eiffel auf dem Marsfeld errichtet war. Auf einer Grundfläche von mehr als einem Hektar erhebt sich dieser Riesenbau, der bei hellem Wetter auf 60 km in der Runde sichtbar ist. Etwa 60 m über dem Boden ist ein erstes Stockwerk eingerichtet mit vier mächtigen Restaurants und einem Rundgang um den ganzen Turm. Ein zweites Stockwerk in 115 m Höhe ist vornehmlich zur Vornahme wissenschaftlicher Experimente bestimmt, dann folgt ein drittes kleineres Stockwerk; eine 250 qm große Glaskuppel, welche den Turm krönt, gewährt eine herrliche Fernsicht über die Hauptstadt und ihre Umgebung. Mächtige hydraulische Aufzüge befördern je 200 Personen bis zum ersten Stock und von da je 50-60 Personen bis zur Spitze des Turms in 6-7 Minuten. Bis zum zweiten Stock stehen auch Treppen dem Publikum zur Verfügung. Die Regierung gewährte Eiffel auf 20 Jahre eine Betriebsberechtigung dieses Turms, welche derselbe gegen eine Summe von 5,100,000 Frank an ein aus verschiedenen Banken gebildetes Konsortium überließ. Die interessanteste Abteilung dieser Ausstellung war ohne Zweifel diejenige, in welcher die asiatischen und afrikanischen Kolonien Frankreichs in zahllosen Zelten und Pavillons sich in all ihrer bunten Mannigfaltigkeit zeigten.

A. nicht so großen Umfanges fanden in diesem Jahr an vielen Orten statt, einige davon waren sogar recht bedeutend. In Hamburg wurde 15. Mai eine große überseeische Handelsausstellung, die erste dieser Art in Deutschland, neben einer Industrieausstellung eröffnet. Einige Tage später fand in Köln die Eröffnung der internationalen Ausstellung für Nahrungsmittel und Hausbedarf statt, womit eine vom Rheinischen Kochkunstverein veranstaltete internationale Kochkunstausstellung verbunden war, an welcher sich neben Deutschland am großartigsten Italien beteiligt hatte, wo aber auch Österreich, Ungarn, England, Rußland und Belgien gut vertreten waren, und die selbst Frankreich beschickt hatte. In Kassel wurde eine allgemeine Ausstellung für Jagd, Fischerei und Sport abgehalten; London veranstaltete eine internationale Neuheitenausstellung, um die Erfindungen aus allen Ländern gemeinsam der Öffentlichkeit vorzuführen, die von fast allen namhaften Staaten in sehr reicher Weise beschickt war. In Berlin wurde eine deutsche allgemeine Ausstellung für Unfallverhütung durch den Kaiser selber eröffnet, an welcher auch Österreich und Belgien sich beteiligt hatten. In Stuttgart fand zu Ehren des Regierungsjubiläums des Königs zuerst eine Ausstellung künstlerisch ausgeführter Holzarbeiten statt, dann eine solche für das Druckgewerbe. Antwerpen veranstaltete eine internationale Brauereiausstellung, in Tiflis wurde eine auch für ausländische Aussteller offene landwirtschaftliche und Industrieausstellung, in Genf eine internationale Gartenbauausstellung abgehalten. Schließlich dürfen die nach Umfang wie nach innerm Wert immer bedeutender sich gestaltenden A. von Pferden, Schlacht- und Zuchtvieh, Vögeln etc., welche in jedem Jahr in