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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Belgien (Bildungsanstalten, Landwirtschaft, Bergbau, Industrie, Handel)

Bildungsanstalten. Infolge des neuen Schulgesetzes von 1884 ist die Zahl der öffentlichen Volksschulen von 4787 (1883) auf 4003 (1886) gesunken, dagegen die Zahl der Privatschulen (unter Staatsaufsicht) in demselben Zeitraum von 10 auf 1478 gestiegen. Während 1883 unter 8669 Lehrenden nur 16 Lehrer und 4 Lehrerinnen dem geistlichen Stand angehörten, hat sich ihre Zahl bis 1886 auf 63 Lehrer und 1388 Lehrerinnen aus geistlichem Stand vermehrt. In den öffentlichen Volksschulen wurden 1886: 429,724, in den privaten 170,725 Schüler und Schülerinnen unterrichtet. Die Zahl der öffentlichen Fortbildungsschulen hat sich von 2445 (im J. 1881) auf (1886) 1643 (darunter 333 für Mädchen) mit 63,975 Lernenden vermindert. Auch die Seminare zur Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen haben seit 1884 eine durchgreifende Veränderung erfahren; während 1883 nur der Staat 27 Seminare (écoles, resp. sections normales) unterhielt, sind bis 1887: 35 Privatseminare (écoles normales agréées), darunter 3 von Kommunen unterhaltene, errichtet worden, wogegen 8 Staatsanstalten eingingen. Von den 51 bestehenden Normalschulen waren 1887: 20 der Ausbildung von Lehrern, 31 derjenigen von Lehrerinnen gewidmet. 1883 wurden in den staatlichen Normalschulen 2695 Personen, 1887 nur 970 vorgebildet, während die privaten Institute von 1918 Personen (darunter 1198 weibliche) besucht wurden. An Instituten für den höhern Unterricht bestanden 1687: 20 königliche Athenäen, 15 Colleges (darunter 8 kommunale), 86 Mittelschulen (darunter 81 staatliche) für Knaben und 40 für Mädchen. Der Zudrang zum Universitätsstudium hat neuerdings etwas nachgelassen; die Universitäten wurden im Winter 1887-1888 von 4590 Studierenden (460 weniger als im Vorjahr), die technischen Spezialanstalten von 885 Studierenden besucht. In der periodischen Presse sind in den letzten Jahren nur geringe Veränderungen eingetreten. Unter den 1887 erscheinenden 846 Zeitungen und Zeitschriften waren 361 politische, davon erschienen 67 täglich und 287 wenigstens einmal wöchentlich.

Die Resultate der 1880 angestellten Erhebung über die Ausdehnung der Landwirtschaft sind inzwischen veröffentlicht worden. Danach hat sich die dem Ackerbau gewidmete Bodenfläche von 1,955,147 Hektar (1866) auf 2,215,533 Hektar (1880) gehoben. Davon waren bestellt mit:

Roggen 277640 Hekt.

Weizen 275932 =

Hafer 249486 =

Spelz 52514 =

Gerste 40182 =

Mengkorn 25726 =

Buchweizen 13184 =

Bohnen 19088 =

Erbsen u. Wicken 14005 =

Flachs 40078 Hekt.

Runkelrüben 32627 =

Hanf 805 =

Hopfen 4185 =

Kartoffeln 199357 =

Futterkräutern und -Rüben 217941 =

Tabak 1577 =

Wiesen und Weiden waren 351,155 Hektar, Weinberge 206, Gemüsegärten 39,723, Obstgärten 37,948 Hektar. Die Waldungen umfaßten 489,423 Hektar (16,6 Proz. der Bodenfläche), am zahlreichsten in den Provinzen Luxemburg (34,9 Proz.), Namur und Lüttich, am wenigsten in den Provinzen West- und Ostflandern (3,4, resp. 3,7 Proz.) vertreten. Der Ertrag einer Mittelernte wurde im Zeitraum: 1871-80 auf 1412 1/4 Mill. Frank (darumer 541 5/6 Mill. Fr. von Cerealien) veranschlagt.

Die Produktion der Bergwerke hatte 1886 folgenden Umfang: im Steinkohlenbergbau zählte man 261 konzedierte Minen, von denen 144 im Betrieb waren; es wurden bei einem Arbeiterpersonal von

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100,282 Personen 17,285,543 Ton. Kohlen im Wert von 142 1/2 Mill. Fr. gefördert. Im übrigen ist der Bergbau in den letzten Jahren zurückgegangen, was schon die Abnahme der Arbeiterzahl (von 2312 auf 1498 im Zeitraum 1882-86) erkennen läßt. An Eisen wurden 1886: 152,508 T., Blende 12,718 T. Galmei 6324 T., Bleiglanz 1292 T., Schwefelkies 3209 T. produziert. Von 26 Eisenhütten waren 17 mit 30 Hochöfen im Betrieb, welche 701,277 T. Gußwaren im Wert von 30,8 Mill. Fr. produzierten; ferner gab es 94 Eisenwerke, davon 80 thätig, mit 659 Puddelöfen (davon 457 im Betrieb), worin 470,255 T. Eisen im Wert von 56 1/4 Mill. Fr. produziert wurden. Stahl wurde in 7 Werken in einer Menge von 10,012 T. hergestellt, ferner in 10 Werken 79,246 T. Zink (im Wert von 26,9 Mill. Fr.), in 2 Werken 8665 T. Blei und 14,757 kg Silber. In 77 Glashütten, wovon 71 thätig, wurden für 42 3/4 Mill. Fr. Glaswaren bei einem Arbeiterpersonal von 15,406 Mann produziert. Es gab 2635 Brauereien mit einer Produktion von 9,46 Mill. lit., 303 Branntweinbrennereien, 109 Zuckerfabriken (Produktion 89,981 T.), 30 Zuckerraffinerien (Produktion 13,587 T.). Steinbrüche waren 1332 im Betrieb mit 17,642 Arbeitern und einer Produktion im Wert von 32,3 Mill. Fr.

Den auch in den letzten Jahren andauernden Aufschwung des belgischen Handels veranschaulicht folgende Übersicht in Millionen Frank:

Einfuhr Ausfuhr

Generalhandel 1886: 2663 2512

1887: 2907 2715

Spezialhandel 1886: 1335 1182

1887: 1432 1241

Die wichtigsten Gegenstände der Einfuhr in den freien Verkehr waren 1887: Getreide (223 Mill. Fr.), vegetabilische Spinnstoffe (200 Mill.), rohe Häute (64 Mill), Chemikalien (55 Mill.), Harze und Kohlen (52 Mill.), Bauholz (52 Mill.), Vieh (46 Mill.), Ölsämereien (40 Mill.), Kaffee (39 Mill.), Mineralien und Erden (36 Mill.), Mehl (26 Mill.), Fleisch (26 Mill. Fr.) 2c. Von belgischen Erzeugnissen wurden ausgeführt: vegetabilische Spinnstoffe (85 Mill. Fr.), Leinen- und Hanfgarne (74 Mill.), Steine (63 Mill.), Getreide (59 Mill.), Steinkohlen (56 Mill.), Wollengarn (55 Mill.), Glaswaren (54 Mill.), rohe Häute (44 Mill.), Maschinen (40 Mill.), Eisen (39 Mill.), Zink (31 Mill.), Rohzucker (28 Mill.), Eisenbahn- und Tramwaywagen (27 Mill.), Papier (25 Mill. Fr.) 2c. Am Handelsverkehr waren Frankreich mit 618 Mill. Fr., Großbritannien mit 428 Mill., die Niederlande mit 366 Mill., der deutsche Zollverein mit 347 Mill. (149 Mill. in der Einfuhr, 198 Mill. in der Ausfuhr), Amerika mit 407 Mill. Fr. beteiligt. Die Durchfuhr hatte einen Wert von 1475 Mill. Fr. Der Schiffsverkehr belief sich 1887 auf 6747 eingelaufene Schiffe (davon 5536 beladen) von 4,571,705 T. und 6760 ausgelaufene Schiffe (davon 4410 beladen) von 4,584,297 T. Die belgische Handelsmarine zählte Ende 1887: 65 Schiffe von 86,391 T. In der Seefischerei waren 344 Boote von 12,191 T. mit 1981 Mann thätig. Während der Stockfischfang mehr und mehr zurückgegangen ist, lieferte der Fang frischer Seefische 1887 einen Ertrag von 3 1/2 Mill. Fr. An Eisenbahnen waren 1838: 4447 km (darunter 1246 km Privatbahnen) in Betrieb. Die Länge der Landstraßen betrug 1887: 8929 km. Die Telegraphenlinien hatten eine Länge von 6426 km. Tramways gibt es in 7 Städten (Antwerpen, Brüssel, Charleroi, Gent, Lüttich, Peruwelz, Verviers), Telephonanlagen in 16 Städten. Bei der Sparkasse ist die