Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

386
Gleichen-Rußwurm - Glieder, künstliche
Gleichen-Rußwurm, 1) Adalbert von, Schwiegersohn Schillers, starb 26. Juli 1887 in Weimar.
Glcig, George Robert, engl. Schriftsteller, starb 9. Juli 1888 in'Stratford Turgw bei Winchfield.
Gletscher. Der Stand der G. unterliegt im Laufe von kürzerer oder längerer Zeit mannigfachen Veränderungen, je nachdem der Zufluß von neuem Material aus dem Firngebiet oder die Abschmelzung des Gletschereises vorherrscht. Zunehmende Ernährung und verminderte Abschmelzung bedingen eine Vergrößerung des Gletscherstroms m vertikaler und horizontaler Richtung, im umgekehrten Fall wird die Eismasse schwinden. Die klimatischen Faktoren, welche diesen Wechsel von Ernährung und Abschmelzung hervorrufen, sind je nach der Jahreszeit von verschiedener Wirksamkeit: im Sommer herrschen die aufzehrenden Kräfte vor, im Winter haben die ernährenden Momente das Übergewicht. Deshalb ist der G. im Frühling am stärksten, im Herbst ist er auf ein Minimum reduziert. Weit großartiger und auffallender sind aber die Schwankungen des Gletscherstandes im Verlauf von längern Perioden. Zeitweise mmmt ein G. ohne ersichtliche Ursache an Länge, Dicke und Breite zu, bis er ein Maximum seiner Ausdehnung erreicht hat, es tritt ein Zustand ein, in dem sich Ernährung und Ablation (s. d., Bd. 17) das Gleichgewicht halten; dann beginnt der Rückzug, indem vom Gletfche^ende mehr durch Schmelzen verzehrt, als durch Zufuhr ersetzt wird, bis auch das Schwinden ein Ende erreicht und abermals eine Zunahme beginnt. Die Zeit zwischen zwei aufeinander folgenden Minimen der Gletscherausdehnung bezeichnet man als eine Periode, den Beginn des Vorstoßes zeigen als Vorläufer die Zunahme der vertikalen Mächtigkeit des Firns und des Gletschers an sowie gröhere'Gletscherbreite.
Innerhalb einer solchen Periode machen sich häufig untergeordnete Schwankungen geltend, indem entweder ein Stillstand oder ein Jahr umgekehrter Veränderung eintrat. In den Alpen ist die Beobachtung gemacht,' daß bei allen Gletschern die Veränderung gleichzeitig und in gleichem Sinn vor sich geht. Indessen kommen einzelne Ausnahmen vor nicht nur innerhalb des Gebiets eines Gebirges, sondern sogar unter den Gletschern eines und desselben Gebirge stockes. Im großen und ganzen folgen auch solche'G. der allgemeinen Schwankung und tritt der Umschlag aus dem einen Zustand in den andern entweder um einige Jahre verspätet oder verfrüht im Vergleich mit der Mehrzahl der G. ein; letzteres ist gewöhnlich bei kleinen und steilen Gletschern der Fall. So stieß der llnteraargletscher noch 1870 eine alte Moräne vor sich her, während alle übrigen Alpengletscher teilweise schon seit Jahrzehnten im Rückzug begriffen waren, anderseits rückten 1880 der Glacier de Bosson und der Glacier du Trient schon seit einiger Zeit vor, während die große Mehrzahl der Alpengletjcher sich noch im Schwinden befand. Soweit die Berichte reichen, war der Verlauf der Perioden des Vorstoßes und des Rückzugs für die Alpengletscher folgender:
Haufttvorstoß Hauptrückzug j Haufttvorstoß Haufttriickzug
1595 16 l (» 1800 - 1812
1077 1081 1811 1822
1710 1710 1822 - 1844
_
1750 - 1707 . 1840 1850(55) 1700 1780 1855 - 1880
Seit Anfang der 80er Jahre nahm die Zahl der vorrückenden G. von Jahr zu Jahr zu, der Vorstoß begann in dem Massiv des Montblanc und machte sich dann immer weiter nach O. zu bemerkbar; der Eintritt des Maximums scheint sich von den West alpen gegen die Ostalpen zu um ca. 40 Jahre zu verzögern. In den Zeiten des Vorrückens ist die flie.
ßende Bewegung des Eisstroms bedeutend größer als in den Abschnitten des Rückganges; damit hängt der Umstand zusammen, daß der Vorstoß sich stetsm ganz kurzer Zeit vollzieht, während die Periode des Rückzugs viel länger andauert. Da die Schwankung der G. nicht bloß in Veränderungen der Länge sich kundgibt, sondern auch in der Breite und Dicke, so sind die Volumveränderungen bisweilen ganz bedeutende. Von 1856 bis 1880 hat der Rhonegletscher im ganzen fast vollständig 2 qkm an Oberfläche und 175 Mill. cdm, d. h. fast 7 Mill. cdm jährlich, an Inhalt verloren; der Obersulzbachglericher in den Tauern ist von 1850 bis 1880 mit seiner Zunge um fast 500 in zurückgegangen, die mittlere Dickenabnahme beträgt 80 - 100 m, der Volumverlust in diesen 30 Jahren 60 Mill. (^dm.
Als nächste Ursache des Schwankens im Gletscherstand ist die verschiedene Geschwindigkeit des Eisstroms anzusehen, die je mit der Vermehrung oder Verminderung der Dicke des letztern variiert. D:c Schwankungen in der Dicke des Gletschers können eine doppelte Ursache haben, entweder eine Veränderung in dem Maß der Ernährung durch Schneefall im Firngebiet oder eine Veränderung in dem Betrag der Ablation an dem Eisstrom. Wäre nur die stärkere Abschmelzung infolge größerer Sommerwärme die Veranlassung zum Rückgang der G., dann müßten in den letzten 30 Jahren alle Sommer verhältnismäßig warm gewesen sein und den Grad deo Rückzugs in jedem Jahr geregelt haben, einige tühlc Sommer in diesem Zeitraum müßten einen Stillstand veranlaßt haben. Eine solche Wirkung ist aber nicht beobachtet worden. Es kann also nur eine Ver-Minderung der Niederschlagsmenge die Ursache der Erscheinung sein. Ein einzelner schneereicher Winter hatkeinen Einfluß auf die Gletscherbewegung, sondern diese regelt sich nach dem Durchschnitt einer ganzen Reihe von Jahren. Eine Verminderung der durch^ schnittlichen Niederschlagsmenge in einer größern Periode ruft eine Verlangsamung der Gletscherbewegung hervor; durch Anhäufung von Schnee in der Firnmulde nimmt die Stromdicke fchon nn Sam melbecken zu, und infolgedes vermehrten Druckes steigt die Geschwindigkeit thalabwärts. Entsprechend der geringern Ablation in den Sommern einer naßkalten Periode, der größern Menge von Winterschnee, welche aufgezehrt werden muß, und der größern Geschwindigkeit, welche zur Ablanon weniger Zeit als früher läßt, muß die Dicke des Eisstroms und infolge davon die Geschwindigkeit im ganzen Lauf des Gletscher, stroms sich steigern. In einer Periode verminderter Ernährung sinkt das Eis im Sammelbecken und damit die Geschwindigkeit, die Ablation ist intensiver in dem warmen Sommer und kann bei der verminderten Bewegung länger wirken. Der gesamte Verlauf des Prozesses erklärt endlich, daß die Veränderung sich nicht unmittelbar geltend machen kann, sondern daß die Schwankungen des Gletscherstandcs immer mehrere Jahre später eintreten müssen als der Beginn derjenigen Witterungsverhältmsse, durch welche dieselben bedingt sind. V^l. Heim, Handbuch der Gletscherkunde (Stuttg. 1885); Neumayr, Erdgeschichte, Bd. 1 (Leipz. 1887); Forel im »Jahrbuch des Schweizer Alpenklubs«, Bd. 17-23; E.Nichter, Die G. der Ostalpen (Stuttg. 1888).
Glieder, tünslliche. Das von E. Ä. Frees in New Jork erfundene und konstruierte Bein vereinigt die Vovzsigo aller bisherigen Konstruktionen mit der ganz