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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Johannes - Junkermann
nach dem Tod seines ältern Bruders, des Grafen Montemolin, übertrug dieselben aber 1868 auf seinen Sohn Don Carlos, Herzog von Madrid (s. Karl 71), und starb 21. Nov. 1887' in Brighton. Er war seit 1847. vermählt mit der Erzherzogin Maria Beatrix von Osterreich-Este, geb. 1824.
Johannes, Kaiser von Abessinien, brachte den Italienern, deren Bündnisanträge er hochmütig zurückwies, 26. Jan. 1887 bei Saati eine Niederlage bei, fiel aber in einem Kampf gegen arabische Derwische 9.März 1889 bei Metemmeh; da sein Sohn Ras Area vorher gestorben war, ernannte er seinen Neffen Mangaschin zum Nachfolger, der aber nicht anerkannt wurde (vgl. Abessinien, Bd. 17).
Iahn, 2) Eugenie (E. Marlitt), Romanschriftstellerin, starb 1:2. Juni 1887 in Arnstadt.
3) Richard Eduard, Kriminalist, starb 7. Aug.
1889 in Göttingen.
^Iohow, Re'inhold, praktischer Iur'st, geb. 30. Mal 1826 zu Berlin, studierte daselbst seit 1842 zwei Semester Theologie und Philosophie, sodann Rechtswissenschaft, ward 1849 zum Gerichtsassessor befördert, 1850 Kreisrichter in Kyritz, von 1852 ab zuerst als Dirigent einer »fliegenden ,, seit 1855 einer ständigen Gerichtsdeputation bei der Einrichtung der neuen preußischen Gerichtsbehörden in Sigmaringen verwendet und 1857 zum Staatsanwalt in Hechingen ernannt. 1860 zum Appellationsgerichtsrat in Posen befördert, wurde er imch vorübergehender Beschäftigung im Staatsministerium 1867 als Hilfsarbeiter in das Finanzministerium und nach neun Monaten in das Justizministerium berufen. Am 1. April 1869 erfolgte seine Anstellung als Rat am Berliner Ober tribunal, 1879 seine Ernennung zum Geheimen Oberjustizrat. 1874 wählte ihn der Bundesrat zum Mit glied der Kommission zur Ausarbeitung eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuches. Hier hat I. unter Mitwirkung von Achilles, Martini und v. Liebe den das Sachenrecht enthaltenden Teil des Entwurfs zum Gesetzbuch sowie die sachenrechtlichen Vorschriften im Entwurf des Einfülirungsgesetzes, der Grundbuchordnung und des Gesetzes, betreffend die Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Vermögen, nebst den dazu gehörigen umfangreichen Motiven bearbeitet. Seit September 1888'führte er den durch den Tod Papes erledigten Vorsitz der Kommission bis zu deren 21. März 1889 erfolgter Auflösung. In kirchlichen Kreisen ist I. durch seine langjährige Thätigkeit als Vorsitzender des Hauptvereins der evangelischen Gustav Adolf-Stiftung in der Provinz Brandenburg und als Mitglied von Synoden aller Abstufungen bekannt geworden. Litterarisch ist er unter anderm durch die Bearbeitung der Einleitung und der Titel 1-4, 6, 7, 17, 19-22 des ersten Teils sowie der Publikationspatcnte in der von ihm mit an« dern Juristen besorgten 7. und 8. Auflage von C. F.
Kochs^ommentar zum allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten hervorgetreten. Er ist Herausgeber des »Jahrbuchs für en'dgültige Entscheidungen der preußischen Appellationsgerichte" (Berl. 1872 ff.) und des »Jahrbuchs für Entscheidungen des Kammergerichts in Sachen der nichtstreitigen Gerichtsbarkeit und in Strafsachen« (da,. 1881 ff.).
Ioignu, (i>8<;) 6189 Einw.
Ioinvllle, 1) I. sur Marne, (1886) 3942Einw.-2) I. le Pont, d^0) 3192 Einw.
"Ioltaichi, Hafenstadt in der japan. Provinz Ise, aus der Insel Nippon, am Tokaido, mit 97^0 Einw., wurde 1889 dem fremden Handel eröffnet.
Ionzar, ns8^ 2352 Einw.
Joule, James Prescott, Physiker, starb 11. Okt. 1889 in Säle. Der zweite Band seiner »ü-wienrin'o paper^ erschien 1887.
"Junggrammatiker, eigentlich ein Spottname, der den Vertretern einer neuern in Opposition gegen Georg Curtius in Leipug aufgekommenen Richtung der vergleichenden Sprachforschung beigelegt, aber von diesen selbst acceptiert wurde in dem Werk »Morphologische Untersuchungen auf dem Gebiet del indo^ germanischen Sprachen^ von Osthoff und Brugmann (1. Teil, Leipz. 1878). Curtius verteidigte seinen Standpunkt in der Schrift 'Zur Kritik der neuesten Sprachforschung« (Leipz. 1885), welche von den Lautgesetzen, der Analogie, dem indogermanischen Vokalismus und der Entstehung der indogermanischen Fler.ionsformen handelt. Der wichtigste Differenz punkt bezieht sich auf den Lautwechsel, indem die I. viele bis dahin anders aufgefaßte Lautübergänge aus dem Prinzip der Analogie und Formenübertragung erklärten, überhaupt für alle Ausnahmen von den allgemeinen Gesetzen des Lautwandels eine Erklärung zu geben suchten. Nbri^ens ist in vielen De^ tailfragen eine Einigung erzielt und besteht kein schroffer Gegensatz mehr. Vgl. noch K. Brugmann, Zum heutigen Stand der Sprachwissenschaft (Straßb.
> 1885); B. Del brück. Die neueste Sprachforschung
l (Leipz. 1885); H. Schuchardt, Über die Lautgesetze.
^ Gegen die I. (das. 1885).
! ^Iungtlchcchen, polmsche Partei in Böhmen, welche ich von der von Palacky und Rieger gegründeten tschechischen Nationalpartei, den sogen. Alttschechen, seit 1879 ablöste, weil sie weder mit dem Bunde der Alttschechen mit dem katholischen Klerus und dem Feudaladel einverstanden war, sondern in der innern Politik freisinnigen Anschauungen huldigte, noch dn» zahme, rücksichtsvolle Haltung billigte, welche die Alt tichechen als einer der regierungsfreundlichen Kluv5 in nationalen Fragen bewahrten. Die I. verlangten das sogen. Staatsrecht der heiligen Wenzelskrone, d. h. Vereinigung Böhmens mit Mähren und Schie sien zu einem mit Österreich nur locker verbundenen slawischen Reich, das den unzerstörbaren Vorposten des Slawentums gegen die verhaßten Deutschen und das Deutsche Reich bilden solle. Die I. mißbilligten daher aufs schärfste den Dreibund und forderten die Allianz mit Rußland; nicht wenige gingen so weit, auch den übertritt zur orthodoxen Kirche zu empfeh len, um die Tschechen nicht bloß national, sondern auch religiös mit dem russischen Volk zu verschmelzen. Bei den Landtagswahlen im Juli 1889 erlang ten die I. sogar die Mehrheit über die Alttschechen, indem nur 17 von diesen, dagegen 29 I. gewählt wur den, und machten sich sofort den Feudalen und Alttschechen durch radikale Anträge lästig. Die Führerder Partei sind die Brüder Gregr, Herold, Vasaty u. a.
^Junimisten, Name der Partei der Iungkonseroa tiven in Rumänien, welche sich von der altkonserva tiven Bojarenpanei getrennt haben und 1868-89 das Ministerium innehatten. Sie sind gemäßigt liberal und Freunde der westlichen Kultur; der Name rührt von einem litterarischen Verein, Iunimea, her.
Ihre Führer sind Th. Rossetti und Carp.
Junker, Wilhelm, Reisender, veröffentlichte nach seinen Tagebüchern: »Reisen in Afrika 1875 -U6« <Men 1889 ff.). Die wissenschaftlichen Ergebnisse sei ner Reisen erschienen als Ergänzungsheft zu »Peter manns Mitteilungen« (Gotha 1888).
Iunkermann, August, Schauspieler, veröffentlichte: »Aus den Memoiren eines Hofschauspielers" (Stuttg. 1889).