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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Papiros - Parallaxe
Aufzeichnungen, daß dieses Samarkander oder Chorasaner P. aus alten Leinengeweben erzeugt wurde und dadurch mit Recht bald den Ruf eines ausgezeichneten Fabrikats erhielt. Von den Chinesen erlernten die in Samarkand ansässigen Perser die Papierfabrikation, welche sie in großer Ausdehnung betrieben, da bereits um diese Zeit das Faserpapier alle andern Schreibstoffe zu verdrängen begann. Diesem vergrößerten Verbrauch entsprechend entstand zwischen 794 und 795 eine zweite Papierfabrik auf Veranlassung der in hohen Staatsämtern befindlichen Brüder Dscha’sâr und El Fadhl in der Kalifenresidenz Bagdad, wo die Papierfabrikation bis ans 15. Jahrh. blühte. An Bagdad schlössen sich Tihâma, Jemen, Damaskus an, welch letztere Stadt im 10. Jahrh. mit sonstigen kunstgewerblichen Gegenständen (Damastgeweben) unter dem Namen Charta damascena vorzügliches P. für das Abendland erzeugte. Dann verbreitete sich die Papiermacherkunst über die nordafrikanische Küste bis zu den Mauren in Mauretanien, um von hier nach der Iberischen Halbinsel zu gelangen, wo sie mit Bestimmtheit 1154 (wahrscheinlich erheblich früher) in Jativa, dem heutigen San Felipe in Valencia, ihren Sitz aufschlug und endlich von Spanien aus die Wanderung durch Europa antrat.
Nicht nur beweisen die in dem Fayûmer Fund vorkommenden gesponnenen Fäden und Gewebereste die Benutzung der Hadern als Rohmaterial, sondern die äußere Erscheinung der Papiere zeigt auch, daß die Araber bereits geripptes und Velinpapier anfertigten und sich dazu schon der Drahtformen bedienten, weil mit Sieben aus anderm Material (Gewebe, Holzstäbchennetz) geripptes P. nicht herstellbar ist, bei dem wie hier sechs Rippen, also auch sechs Stäbe auf 10 mm kommen. Hierdurch fällt zugleich die vielfach verteidigte Behauptung weg, daß die Drahtform eine abendländische, dem l2. Jahrh. angehörende Erfindung sei. Das Gautschen erfolgte nach chinesischer Methode auf warmen Gipsplatten oder nach heutiger Art auf Filz. Gewöhnlich wurden zwei Blätter mit ihren rauhen Flächen zusammengeklebt (zweigesichtiges P.). Die Fabrikation des Papiers war von Anbeginn ein einträgliches Staatsmonopol und wurde in Papierhäusern (kaghid-châne) unter der Verwaltung eines Vorstehers (naib) fabrikmäßig in der Weise betrieben, daß man die Hadern sortierte, der Fäulnis unterwarf, dann kochte und durch gründliches Waschen reinigte. Die Zerkleinerung der Hadern erfolgte sowohl auf Stampfwerken als Mahlstein en, die durch Wasserkraft betrieben wurden, so daß also die Papiermühle eine arabische Erfindung ist, was auch schon die Thatsache beweist, daß um das Jahr 1200 allein in der Maurenhauptstadt Fes 400 Mahlsteine für die Papierfabrikation in Betrieb standen.
Das gewöhnliche P. war von weißer Farbe, d. h. aus gebleichten Hadern hergestellt und mit roher Stärke gefüllt. Daneben standen gefärbte Papiere in Gebrauch, welche je nach der Farbe bestimmten Zwecken dienten, die mit der Bedeutung der Farben zusammenhingen. Blau war die Farbe der Trauer, daher wurden auf mit Indigo oder Kobalt gefärbtem P. die Todesurteile ausgefertigt; Rot bedeutete Glück und Humanität, rotes P. zu gebrauchen war ein Vorrecht und eine Auszeichnung hohen Ranges sowie eine Aufforderung zum Mitleid; Gelb (Gold vergleichbar) die Farbe des Reichtums und der Pracht, nut Safran gelb gefärbtes P. genoß dem entsprechend besonders hohes Ansehen. Auch bunt besprenkeltes P. fand für allerhand Zierat Verwendung.
*Papiros, in Rußland die Zigarrette.
*Papperitz, Georg, Maler, geb. 1846 zu Dresden, studierte auf der dortigen und der Antwerpener Kunstakademie und begab sich dann nach Paris, wo er bis zum Ausbruch des Kriegs von 1870 blieb, welchen er im deutschen Heer mitmachte. Während eine5 mehrjährigen Studienaufenthalts in Italien, besonders in Venedig, schloß er sich an die klassischen Meister der Renaissance, namentlich an Michelangelo und die Venezianer, an und schuf in ihrem Stil ein figurenreiches Kolossalbild: die Ankunft der Seelen in der Unterwelt, welches auf der Münchener internationalen Kunstausstellung von 1879 seinen Namen zuerst in weitern Kreisen bekannt machte. Völlig im Stil der Venezianer war eine Kreuztragung Christi (1886) gehalten. Glücklicher als in diesen Geschichtsbildern, denen es an Wärme und Tiefe der Empfindung gebricht, ist P. im Porträt- und im Genrefach. Von seinen Genrebildern sind: die Schweden kommen, nach dem Diner, die Ankunft der Primadonna, Idyll (zwei Nymphen vor einer Satyrherme) und die Modelle des Brouwer (1887) die hervorragendsten.
Er lebt in München.
*Pappwarenfabrikation, s. Kartonagenfabrikation (Bd. 17).
*Paprocki (spr. -rotzki, Bartholomäus, polnisch-böhm. Geschichtschreiber und Heraldiker, geb. 1550 zu Paprockawola in Masovien, studierte an der Krakauer Universität, veröffentlichte die erste polnische Heraldik: »Panosza, tj. herby etc.« (Krak. 1575), schloß sich der habsburgischen Partei an und zog sich durch mehrere satirische Schriften die Feindschaft des polnischen Adels zu. Er lebte darauf in Mähren, wo er eine genealogische Geschichte der Markgrafschaft schrieb (in böhmischer Übersetzung unter dem Titel: »Zrcadlo etc.«, Olm. 1593, erschienen), dann in Prag, wo er den »Ogrod Krolewski« (1595), den »Diadochas« (1602) und kleinere Schriften historischen Inhalts veröffentlichte, durchforschte darauf die schlesischen Archive und starb, bis zu seinem Tod litterarisch thätig, 1614 in Lemberg. Seine Schriften wurden vielfach ins Lateinische übersetzt; deutsch erschienen: »Kern und Auszug aus Paprockis mährischem Geschichtsspiegel« (Bresl. u. Leipz. 1734) und »Compendioser Schauplatz des ehemaligen alten Adels in der Markgrafschaft Mähren« (Bresl. 1641).
*Paraklalen (griech.), s. Lithoklasen (Bd. 17).
Paraldehyd, s. Aldehyd (Bd. 17).
Parallaxe. Während früher die periodischen, in der Zeit eines Umlaufs der Erde um die Sonne vor sich gehenden Veränderungen in der gegenseitigen Lage benachbarter Fixsterne, aus denen man ihre P. ableitet, nur durch direkte Messungen am Himmel ermittelt werden konnten, hat man in der neuern Zeit in der mikrometrischen Ausmessung der photographischen Bilder der Sterne ein ungleich bequemeres und ebenso zuverlässiges Hilfsmittel gefunden. Die folgende Zusammenstellung der zuverlässigsten bisher berechneten Fixsternparallaxen enthält bereits mehrere auf diese Weise gefundene Werte. Die Sterne sind (nach dem Vorgang von Oudemans, »Astronomische Nachrichten«, Nr. 2915-2916) geordnet nach der Größe der jährlichen Eigenbewegung; die Sterngrößen sind teils die von Pickering aus Helligkeitsmessungen berechneten (vgl. Astrophotometrie, Bd. 17), teils Goulds »Uranometria Argentina« entnommen. Die Entfernung ist in Lichtjahren ausgedrückt, einer P. von einer Bogensekunde entspricht eine Entfernung von 206,265 Erdbahnhalbmessern oder 3 1/4 Jahren Lichtzeit.