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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Korrespondenzblatt zum siebzehnten Band

Temperatur, und zwar vom Griffbrett aus anfangend, folgendermaßen: es, b, f, c, g, d, a, e, h, fis, cis, gis, es, B, f, c, G, d, A, e, K, Fis, cis, Gis, Es, B, F, C, G, D, A, E, K, Fis, Cis, Gis, F. - Neben der soeben beschriebenen sogenannten »Diskant-Zither« ist noch eine zweite, ähnlich gebaute und technisch zu behandelnde Art von Schlagzither, die »Elegie«-oder »Alt-Zither«, gebräuchlich, deren Saitenmensur 50-56 cm beträgt. Zahl, Ordnung und Abstand oder Weite der Saiten sind der Diskantzither entnommen, jedoch ist die Stimmung der Besaitung um eine Quarte tiefer. Ehemals wurde die Zither von Naturspielern nach Gutdünken verschieden besaitet und fast ausschließlich zur Wiedergabe von Alven- und Tanzmelodien benutzt. Erst in der Neuzeit wird, nachdem die Besaitung vervollkommt und die technische Behandlung höhere Ausbildung erhalten, auf der Zither den Ansprüchen der Kunst genügende Rechnung getragen. So behandelt, erweist sich die Zither durch ihren sowohl in homophoner als polyphoner Satzweise bildsamen Tonreichtum und ihren eigentümlichen Klangreiz als ein sehr vollkommenes Tonwerkzeug, welches besonders für lyrische Musik höchst geeignet ist. Die Notation für Zither geschieht auf zwei Systemen, im Baß- und Violinschlüssel.

Ein ebenfalls den Namen »Zither« führendes Instrument ist die Streichzither. Sie besteht gleich der Schlagzither aus einem flachen Resonanzkörper; dieser ist aber herzförmig gebaut, ist mit zwei Schalllöchern versehen und trägt auf seiner Mitte ein durch Bunde chromatisch eingeteiltes, etwas gewölbtes Griffbrett, über welches 3-4 Drahtsaiten, darunter 1-2 besponnene, gezogen sind. Die Stimmung der Saiten ist a, d, g oder a, d, g, c. Die Streichzither wird ihrer Breite nach vor den Spieler auf einen Tisch gelegt, so, daß ihre Spitze über den Rand des Tisches hinausreicht. Oberhalb dieser Spitze werden die Saiten mit einem Violinbogen gestrichen, während vier Finger der linken Hand die Applikatur auf dem Griffbrett ausführen. Auf der Streichzither läßt sich nur Melodie wiedergeben; zur harmonischen Begleitung eignet sich am besten die Schlagzither. Gleichwie letztere in zweierlei Größen Anwendung findet, gibt es auch eine Diskant- und eine Alt-Streichzither; die Saitenmensur derselben ist jener der entsprechenden Schlagzither gleich. Wird die Alt-Streichzither mit Saiten in d, g, c, F (wirkliche Tonhöhe a, d, G, C) stimmendbezogen, dann nennt man sie Baß-Streichzither. Durch Vereinigung zweier Diskant - Streichzithern, einer Alt- und einer Baß-Streichzither läßt sich ein vollständiges Streichzither-Quartett zusammensetzen. Die wichtigste Litteratur s. im Hauptwerk (Bd. 16, S. 939).

E. Merkel in Kiel. Der am 26. März 1890 in Genf verstorbene philosophische Schriftsteller Afrikan (von) Spir wurde 7. (15.) Nov. 1837 auf dem Landgut seines Vaters, eines Arztes, in der Nähe der Stadt Elisabethgrad in Südrußland geboren, in Odessa zuerst auf einer Privatschule, dann auf dem Gymnasium vorgebildet und trat nach Absolvierung des letztern in die Schule der Flottenjunker zuNikolajew. Aus derselben als Seeoffizier entlassen, machte er 1854 die Verteidigung von Sebastopol mit und erhielt zwei Medaillen. Nach Höherm strebend, nahm Spir 1857 seine Entlassung aus dem Marinedienst, verkaufte sein Besitztum, hörte später Vorlesungen über Geschichte, Physik und Physiologie der Pflanzen in Heidelberg und widmete sich dem Privatstudium. Seine erste Schrift (»Die Wahrheit in ihren Hauptzügen dargestellt«) erschien 1866 unter dem Pseudonym Prais bei I. G. Findet in Leipzig, mit dem er ein dauerndes Freundschaftsverhältnis schloß. Er lebte darauf elf Jahre lang in Stuttgart, siedelte aber aus Gesundheitsrücksichten nach Lausanne, später nach Genf über. Seine philosophischen Schriften erschienen 1884?85 zu Leipzig in neuer Bearbeitung, mitAusschluß einiger Broschüren, gesammelt in 4 Bänden, von denen die beiden ersten sein Hauptwerk: »Denken und Wirklichkeit. Versuch einer Erneuerung der kritischen Philosophie«, Bd. 3 »Schriften zur Moralphilosophie«, Bd. 4 »Vermischte Schriften« (alle in 3. oder 2. Aufl.) enthalten. In französischer Sprache hat Professor A. Penjon einige seiner Essays herausgegeben. Ein hinterlassenes Manuskript: »Der Weg zum Licht«, soll demnächst in der Nouvelle Revue« erscheinen.

W. U. in Stuttgart. Die erste Aufführung von Handels »Messias« in Deutschland fand erst 1775 in Hamburg statt.

G. Zehme in Köln. Wie sehr in Böhmen der Großgrundbesitz hervorragt, geht aus der Thatsache hervor, daß von den 5,106,872 Hektar Bodenfläche 1,757,800 Hektar, also 34 Proz., sich in den Händen der Großgrundbesitzer befinden. Der Höchstbegüterte ist Joh. Adolf Fürst von Schwarzenberg, sein Besitz in Böhmen umfaßt 169,522 Hektar, ist also größer als das Herzogtum Sachsen-Altenburg. Von dieser Fläche sind 96,468 Hektar Forsten, 47,000 Hektar Feld und Wiese und 9173 Hektar Teiche. Außer den Besitzungen in Böhmen hat der Fürst auch noch in Bayern, Ober- und Niederösterreich, Steiermark und andern Ländern nicht unbedeutende Ländereien. Der Katastralreinertrag der gesamten Schwarzenbergschen Herrschaften in Böhmen ist auf 880,000 Gulden veranschlagt. Der zweite Großgrundbesitzer Böhmens ist der Fürst zu Colloredo-Mannsfeld; nach Erwerbung der Herrschaft Zbirow beträgt sein Besitz 58,709 Hektar. An dritter Stelle folgt Fürst M. Egon von Fürstenberg mit 39,419 Hektar, einem völlig zusammenhängenden Besitz von 7 QMeilen im Herzen des Landes. Weiter folgen: Fürst Joh. Lichtenstein mit 36,700, Graf Ernst Waldstein mit 35,673, Graf Ed. Clam-Gallas mit 31,278, Graf Iaromir Czernin mit 30,720, Fürst Ferd Kinsky mit 29,100, Fürst Moritz Lobkowitz mit 27,677, Graf K. Buquoy mit 25,300, Fürst Alb. Taxis mit 25,100, Graf Ioh. Harrach mit 25,000, Fürst R. Metternich mit 20,200, Fürst F. I. Auersperg mit 19,800, Fürst Alfred Windischgrätz ebenfalls mit 19,800 Hektar. In den Händen der Geistlichkeit befinden sich 105,698 Hektar. Der Erzbischof von Prag hat die Nutznießung von 24,310 Hektar. Von den Klöstern besitzen: St. Margareth-Braunau 9278 Hektar, Hohenfurt 5639, Ossegg 3587, Tepl 9291, das Prämonstratenserstift Strahow in Prag 9348 Hektar etc. Außerdem sind noch 45 Stadtgemeinden Eigentümer von gegen 76,000 Hektar Landes. Prag besitzt nur ein Gut von 60 Hektar, dagegen Pisek 7048, Bergreichenstein 5484, Pilsen 4260, Eger 2787 Hektar. Zu beklagen ist, daß einzelne Großgrundbesitzer, wie der Fürst Schwarzenberg, ihr ungeheures Besitztum durch Ankauf von Bauerngütern stetig noch vermehren. Ganze Dörfer im Böhmerwald sind in den letzten Jahren noch zur Abrundung des Schwarzenbergischen »Königreichs« aufgekauft worden.