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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ethnographische Litteratur 1886-91 (Amerika)
Canarien« in den »Archives des missions scientifiques« 1887, kommt nach sorgfältigen und ausgedehnten Messungen an Skeletten der Tumuli und Höhlengräber zu dem Schluß, daß in der alten Bevölkerung der Kanarischen Inseln drei Elemente vertreten sind. Leclerc, »Les peuplades de Madagascar« (Par. 1887), macht den Versuch, die vielfach gemischte Bevölkerung der großen Insel historisch zu deuten; in seinem Aufsatz: »Les Pygmées de Madagascar« in der Pariser »Revue d’Ethnographie« 1887, glaubt er in den von den Reiseschriftstellern des 17. und 18. Jahrh. erwähnten Quimos oder Kimos die jetzigen Vetsileos wiederzuerkennen. Kurze behandelt »Das Volk der Südsakalava« in den »Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft zu Jena« 1889; Keller, »Natur und Volksleben der Insel Réunion« (Bas. 1888), enthält auch anthropologisch interessante Thatsachen.
Amerika.
Hier liegt eine Reihe zum Teil sehr umfangreicher Arbeiten vor. In der »Conference on the natives of America« im »Journal of the Anthropological Institute«, Bd.16, bringt John Rae »Remarks on the natives of British North America«. Aus langjähriger Erfahrung berichtet Petitot, »Les grands Esquimaux« (Par. 1887), über die Bewohner des untersten Mackenzie und des ostnordöstlich von diesem mündenden Andersonflusses. Mit demselben Gebiet beschäftigt sich ein Abschnitt von Bompas, »Diocese of the Mackenzie River« (Lond. 1888), worin er drei, ganz verschiedene Sprachen sprechende Stämme unterscheidet. Hall, »Grammar of the Kwagiult language«, in den »Transactions of the Royal Society of Canada« 1888, behandelt die Sprache dieser den Norden Vancouvers und der angrenzenden Festlandsküste bewohnenden Indianer. Die »Annual reports of the Smithsonian Institution« 1886 bringen zwei Abhandlungen über die Indianer in der Union: Beckwith, »Notes on customs of the Dakotahs« und Willoughby, »Indians of the Quinault Agency«. Boas veröffentlicht in den Berichten der American Philosophical Society 1887: »Notes on the ethnology of British Columbia«, im »Popular Science Monthly« 1888 einen Artikel: »The Indians of British Columbia«, und in den »Transactions of the Royal Society of Canada« 1887 unter dem Titel »The Eskimo« Mitteilungen über religiöse Anschauungen u. Mythologie der drei Eskimostämme, welche er bei seiner Überwinterung in Baffinsland 1883-84 näher kennen lernte, im »Journal of the American Folk-Lore Society« 1888 einen Aufsatz: »Gleanings from the Emmons collection of ethnological specimens from Alaska«, in derselben Zeitschrift 1891 »Dissemination of tales among the natives of America«, im »Report on the North Western tribes« der Association for the advancement of science 1889 einen Bericht über eine Reise zu den nördlichen Stämmen von Britisch-Columbia, daselbst 1890 über die Nordwestindianer, 1891 dasselbe Thema ethnologisch und linguistisch, in den »Transactions« der Royal Society of Canada 1888 nach ethnologischen und physischen Gesichtspunkten »The Indians of British Columbia«. Auch das Werk von Greely, »Drei Jahre im hohen Norden. Die Lady Franklinbai-Expedition 1881-84« (deutsch, Jena 1888), enthält wichtige ethnographische Ergebnisse. Allen, »Report of an expedition in the territory of Alaska« (Washingt. 1887), gibt eine gute Schilderung der Tinneh. Das gleiche Thema behandelt Niblack, »The Coast Indians of Southern« (Washingt. 1890). Über die Indianerbevölkerung haben wir außer den schon genannten vornehmlich anzuführen: Gatschet im »Science« 1887: »Ethnological results obtained upon an expedition in the Sout West of the United States«, ein Bericht über indianische Sprachen am Golfe von Mexiko, und »Two ethnographic maps«, das gleiche Thema kartographisch behandelnd. Die archäologischen Forschungen in Arizona behandelt Baxter, »The old New World. An account of the explorations of the Hemenway S. W. archaeological expediton« (Salem 1888), die nördlichen Indianer im allgemeinen Mac Lean, »The Indians; their manners and customs« (Toronto 1889), einzelne Stämme Somerset, »Cree Indians of Calgary« im Journal der Manchester Geographical Society (Lond. 1889), Rand, »Dictionary of the Micmac Indians« (Halifax 1890), Töppen, »Die Urbewohner Neufundlands« im »Globus« 1890, Shepherd, »The antiquities of the state of Ohio. Full and accurate description of the works of the mound builders« (Cincinnati 1890), Thomas, »The problem of the Ohio mounds« (Washingt. 1890) und »The circular, square and octagonal earthworks of Ohio« im »Journal of American Folklore«, Matthews, »The gentile system of the Navajo Indians«, und Bourke, »Notes upon the gentile organization of the Apaches of Arizona«, ferner Fewkes, »A journal of American ethnology and archaeology; the Henenway archaeological expedition« (Bost. 1891).
[Mittelamerika und Westindien.] Das »Journal of American Folklore« 1889 bringt einen Aufsatz von Newell, »Reports of Vadoo worship in Hayti and Louisiana«. Ball, »Witchkraft in teh West Indies« (Lond. 1889), enthält Schilderungen des Aberglaubens, der Schlangenverehrung etc. bei den Negern in Westindien. Die im Supplement zu Bd. 1 des »Internationalen Archivs für Ethnographie« (Leiden 1889) erschienene Arbeit von Stoll, »Die Ethnologie der Indianerstämme von Guatemala«, ist eine der besten ethnographischen Publikationen, welche wir über dies Land besitzen.
Aus Südamerika bringt Ten Kate, »Over Llano en Sierra, Fragmenten out mijn reisjournal« (in der »Tijdschrift van het Kon. Nederl. Aardrijkskundig Genootschap« 1890) Mitteilungen über die Chaymas. Coudreau, »La Haute Guyane« (in der »Revue de Géographie« 1888) und Brunetti, »La Guyane français« (Tours 1890), besprechen die Stämme dieses Gebiets. In der »Revue d’Anthropologie« 1887 liefert Ten Kate »Observations anthorpologiques recueillies dans la Guyane et le Venezuela«, worin der Verfasser hauptsächlich die von ihm an Indianern, Buschnegern, indischen Kulis gewonnenen anthropometrischen Resultate schildert. Von großer Bedeutung ist als Ergebnis der Schingu-Expedition das Werk des Reisenden von den Steinen, »Durch Zentralbrasilien« (Leipz. 1886), deren Ergebnisse zu einer vollständigen Umgestaltung unsrer bisherigen Anschauungen über die Verwandtschaftsverhältnisse und Wanderungen der Stämme der Nordhälfte von Südamerika führten. Von demselben Verfasser bringen die »Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Erdkunde« 1888 den Aufsatz: »Ein Totenfest bei den Bororo-Indianern«.
Eine der wichtigsten Urkunden zur Ethnographie der Eingebornen Brasiliens ist Ehrenreich, »Beiträge zur Völkerkunde Brasiliens« (Berl. 1891). In der Berliner »Zeitschrift für Ethnologie 1887 macht derselbe