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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Gautier - Gebäudegrundsteuer
getroffen und das Ventil nur wenig gelüftet wird, oder bei noch heftigerer Bewegung die Schneide auch an dem zweiten Ansatz vorbeigeht und somit das Ventil ganz geschlossen bleibt. Bei geringerer Ventilöffnung gelangt weniger Gas, also eine schwächere Ladung in den Cylinder Z der Maschine, beim gänzlichen Ausbleiben des Ventilanhubs tritt nur Gas ohne Luft ein, so daß auf diese Weise der Gang der Maschine langsamer oder schneller wieder auf die normale Geschwindigkeit zurückgebracht wird, bei welcher die Schneide HI wieder den untersten Ansatz der Ventilspindel trifft.
Nach Ebbs gestaltet sich der Betrieb der G. mit Generator - Gasin jeder Hinsicht sehr günstig, weil es billiger ist als das Leuchtgas. Von neuern für Motorenbetrieb verwendbaren Gasgeneratoren find die von Wilson und die von Dowson zu nennen, von denen namentlich der letztere sehr gute Leistungen ergeben hat. Derselbe besteht aus einem Dampfkessel mit Überhitzer nnd Strahlpumpe, einem Gaserzeuger mit Abblaserohr, Schornstein und Schacht, zwei Wasservorlagen, einem nassen und einem trocknen Skrubber und einen: Gasometer. Eine Regelung der Gaserzeugung erfolgt durch den Gasometer, indem dessen Glocke bei hohem Stande ein Ventil im Aschenfall öffnet, durch welches ein Teil der Gebläseluft entweicht. Die Zusammensetzung des Dowsongases ist nach Foster: Kohlenwasserstoff 0/-5, Wasserstoff 18,73, Kohlenoxyd 25,07, Kohlensäure 6,5,7, Stickstoff 48,98 in 100 Raumteilen. Der Heizwert beträgt 1487 Wärmeeinheiten, die zur Verbrennung von 1 c>»m Gas erforderliche Luftmenge 1,1324 odm. Das Dowsongas ist wegen des Gehalts an Kohlenoxyd giftig, jedoch ist dies beim Motorenbetrieb nicht gefährlich, weil die Gase unmittelbar in die Maschine geleitet werden.
Ein Dowsongas-Apparat für 8 Pferdekräfte kostet etwa 3000 Mark, für 80 Pferdekräfte nur etwa 5-6000 Mark. Die Kosten nehmen für größere Anlagen schnell ab. Mit Gasmotoren, die mit Dowsongas gespeist waren, wurden von Teichmann, Böcking und Witz folgende Versuche angestellt:
Versuche von Teichmann und Böcking an einem Deutzer Motor ergaben:
Bremsleistung der 40Pferd.
Iwillingsmaschine
Verbrauch an Anthracit
- Koks .. .
Tamftfvcrbrauch .. .. .
Trnck des Dampfes. .
53.63 Pferdekräfte
0,67? kF für 1 Pferd und 1 Ctunde
0,08Ü9 - - 1 - - 1 0,54 - - 1 - - 1 3,65 Atmosphären.
Ein 30pferdiger Motor brauchte 0,716 k^ Anthracit und 0,i80 k^ Koks für 1 Pferdekraft und 1 Stunde.
Versuche von Witz an einem Motor von Delamare-Deboutteville: Dauer des Versuchs 23^ Stunde; Verbrauch an Anthracit 920 1^, an Koks 171 kß', mittlere Umdrehungszahl 100,8 in der Minute; Bremsleistung 75,86 Pferdekräfte; hiernach kam man zu folgenden Ergebnissen:
Verbrauch an Anthracit- Koks .. .
0,516 kF für 1 Pferd und 1 Ttunde
0,09) - ,, 1 ,, ,1
Zusammen: 0,612 kF für 1 Pferd und 1 Stunde
Verbrauch an Wasser für
Tam^ew'jpr^ung .. .. 0,48? Lit. für 1 Pferd und 1 Tiunde Verbrauch an Wasser für die
Skrubber......10,2 - - i - - 1
Verbrauch von Kühlwasser
für den Motor. .. .. .. 50,o ,, ,, 1 ,, - i
Gesamtwasscrverbrauch: 60,68? Lit. für 1 Pferd und 1 Stunde Verbrauch an ^l^l und F<'tt
für den Cylinder 3.84 ^^ und 0,45 x für 1 Pferd und 1 Stunde Gasverbrauch.....2370 Lit. - 1 - - 1
Mcycrs Konv, -Lexikon, 4. ^ufl., XIX Bd.
Temperatur des Kühlwassers beim Eintritt .. .. 19° C.
- - - - Austritt .. .. 43.5° C.
der Auspuffgase.......440" C.
Kosten (nach Witz)
einer Tampfmaschinenanlage:
Mark
75pfcrd. Korlißmaschine 12800
essel und Vorwärmer. 7200
Rohrleitungen .... 1040
Fundamente .... 800
für den Kessel 800
Schornstein.....2400
Montage...... 800
Zusammen: 25840
einer Gasmotorenanlage:
Marl
75pfcrd. Motor .. .. .. 18400 Pumpe und Rohrleitung 240 Vollstä'nd. Gasgenerator 5600 Rohrleitungen .... 200 Fundamente .... 400 des Generators 160 Montage...... 800
Zusammen: 25800
Die Anlagekosten sind demnach für Dampfmaschine und Gasmotor mit Generatorgasbetrieb gleich hoch.
Sind die Kohlenpreise: Anthracit 25,36 Mk., Koks 28, Steinkohle 22Mk., so betragen die Betriebskosten für einen l Ostündigen Arbeitstag
bci der Dampfmaschine:
Mark
Zinsen u. Abschreibung 12,90 Kohle ^1,18 k^für i Stunde
und 1 Pferd) .. .. .. 19,42 Öl ^1,5 kF für 1 Tag). 0,78
Fett.......0.36
Heizer.......4.80
Zusammen: 38,26
bei dem Gasmotor:
Zinsen u. Abschreibung Anthracit ....
Koks......
Ql (2,805 Kss) .. .. .
Fett (0,32? K3) .. . Elektrische Zündung .
Heizer......
Mark
12,90
9.81
2,00
1,45
0,40
0,28
4,80
Zusammen: 31,64
Hiernach würde sich bei einer 75pferdigen G. der Betrieb pro Tag um 6,62 Mk. billiger als bei einer gleich starken Corlißmaschine stellen.
Gauticr (spr. gohtjch), Emile, Astronom, geb. 18. April 1822 zu Genf und durch seinen Oheim Alfred G. (geb. 1793, gest. 30. Nov. 1881; 1819 - 39 Direktor der Sternwarte in Genf) schon frühzeitig der Astronomie zugeführt, studierte in Genf und Paris, wo er sich an Leverriers Rechnungen beteiligte, und promovierte 1847 in seiner Vaterstadt mit dem »U58ai 8111' 1a tli60ii6 (168 P6lwi'datioii8 ä68 com^t68 <. Später widmete er einen großen Teil seiner Zeit der Thätigkeit als Offizier im Schweizer Geniekorps, in welcher Stellung er bis zum Oberst aufrückte. Doch ging er 1860 zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis nach Spanien, auch veröffentlichte er in den >^icliiv68 äs« 8ci6iic68 i)Ii^8i^uo8 6t nn.-tiir6ii68 (Ie ^6iiöv6« eine Reihe astronomischer Artikel, namentlich über die Physik der Sonne, und nach Plantamours Tode wurde ihm 1882 die Direktion der Genfer Sternwarte übertragen, die 1889 an seinen Sohn Raoul G. überging. Er starb 95. Febr. 1891.
Gavril Pascha, s. Krestowitsch.
Gebiiudegrundftruer. Die G. wird in Frankreich in einer doppelten Form erhoben. Sie zerfällt in eine Grundsteuer der Bodenfläche, auf welcher das Haus steht, nach dem Satze des besten Ackerlandes der Gemeinde, und in eine eigentliche Gebäudesteuer, Steuer des Bauwerkes, mit Zugrundelegung des Mietwertes des Hauses unter entsprechendem Abzug für die Bodenfläche. Beide Steuern waren Repartitionssteuern und wurden auf Grund von umfassenden Kontingentierungsarbeiten veranlagt, deren Entwickelung und Ausbildung die Geschichte der französischen Grundsteuerverfassung im 19. Jahrh, ausfüllen. Durch das neue Gesetz vom 8. Aug.
1890, welches eine längst geplante Anregung zur Ausführung brachte, wurde die Grundsteuer der Bodenfläche nach Umfang, Kontingentierung und Repartition beibehalten, die Steuer des Bauwerkes dagegen in eine Quotitätssteuer vom Mietwert in jährlich fest 23