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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lupinen - Lymphe
Geschichte«. Vgl. K. Müller-Fraureuth, Die deutschen I. bis auf Münchhausen dargestellt (Halle 1881); tzönncher, Fahrten nach Mond und Sonne.
Studien insbesondere zur französischen Litteraturgeschichte des 17. Jahrhunderts (Oppeln 1887).
Lupinen. Unter den zahlreichen Verfahren zur Entbitterung der L. hat in neuester Zeit das v. Seelingsche allgemeines Aufsehen erregt, und auf ministerielle Veranlassung hat Holdefleiß (»Journal für Landwirtschaft«, 1890, S. 335-348) dasselbe einer eingehenden Prüfung unterzogen, v. Seeling-Saulenfels, Direktor in Izdebnik (Galizien), wurde zu seinem Verfahren angeregt durch eine Notiz im »Österreichischen landwirtschaftlichen Wochenblatt«, nach welcher in Griechenland die Bohnen mit Meerwasser entbittert werden. Er übergießt die trocknen L. mit heißem Wasser und leitet zu Anfang der Kampagne durch Zusatz von etwas Sauerteig oder saurer Milch eine Gärung (Milchsäuregärung) ein; später haften an den Bottichwandungen genügende Men gen des Ferments. Nach 10 Stunden wird das Wasser (21ü pro 100 kß' L.) abgelassen und wegen seines Stickstoffgehaltes (1,224 ^^ pro Liter) als Jauche verwertet. Nach zweimaligem Auswaschen mit kaltem Wasser werden die L. 45 Minuten mit Wasser gekocht, entweder in einem Bottich durch Einleitenvon Dampf oder in einem Kessel mit direkter Feuerung, .hierauf wird nochmals unter Beigabe von 5 ^^ Kochsalz auf1 Lit. ursprünglich trockner L. 1,5 Stunde lang gekocht. Nach abermaligem Abwäschen mit reinen: Wasser werden die L. sogleich gequetscht, mit etwas Salz (5 F pro Liter) vermischt und als Futter verwendet, welches einen angenehmen, absolut nicht bittern Geschmack aufweist und von Kühen mit Gier aufgenommen wird. Nach den Untersuchungen von tzoldefleiß wurde der ursprüngliche Gehalt blauer L. an Alkaloiden von 0,28 auf 0,oi Proz. der fertig entbitterten L. reduziert, so daß die Entbitterung durch dieses Verfahren thatsächlich erreicht wird. Die weitern Untersuchungen ergaben dagegen mit Bezug auf die Größe der Verluste an Nährstoffen, daß das v. Seelingsche Verfahren nicht besser, aber auch nicht wesentlich ungünstiger als die besten der bisher gebräuchlichen Methoden ist. Dagegen besitzt das v. Seelingsche Verfahren gegenüber andern bisher gebräuchlichen den Vorteil, daß der größte Teil der extrahierten Stickstoffmengen zu Düngungszwecken Verwendung finden kann und daher nicht verloren geht, und daß keinerlei schädliche Chemikalien angewendet werden. Auch spricht für das v. Seelingsche Verfahren die einfache und schnelle Ausführbarkeit sowie die geringen Kosten desselben. Vgl. v. Seeling-Saulenfels, Ist die Verallgemeinerung des Lupinenanbaues und der Verfütterung entbitterter Lupinenkörner wünschenswert? (Wien 1890).
Lutschitzty, Iwan, russ. Geschichtsforscher, geb.
1845 zu Kamenez-Podolsk in Podolien, besuchte das Gymnasium in Kiew, dann 1862-66 die Universität daselbst, an welcher er sich 1870 als Privatdozent der Geschichte niederließ. 1872 - 75 bereiste er mit Unterstützung der russischen Regierung Frankreich, Italien und Deutschland, um in den Archiven Studien über die Geschichte oer Religionskämpfe des ^.Jahrhunderts zu machen. 1875 wurde er zum Professor der Geschichte in Kiew ernannt und hielt besonders über die Geschichte der europäischen Staaten vielbesuchte Vorlesungen; auch veröffentlichte er über sie zahlreiche Werke. Außerdem beschäftigte er sich eingehend mit der Geschichte und den ländlichen Institutionen Klemrußlands.
Luxemburg. Die Bevölkerung des Großherzog« tums belief sich nach der Volkszählung vom 1. Dez.
1890 auf 211,088 Einw. (gegen 213,283 im 1.1885), hat sich alfo um 2195 Seelen (1 Proz.) vermindert. -Der Großherzog Adolf beschloß, um seine Dynastie durch Erwerbung von Großgrundbesitz in L. mit dem Lande noch enger zu verbinden, die Privatdomänen des verstorbenen Königs Wilhelm III. für 3 Mill. anzukaufen und dieselben in ein nassauisches Familienmajorat zu verwandeln. Ein besonderes Gesetz genehmigte diese Ausnahme von den Gesetzen.
Die Neuwahlen für die Kammer im Juni 1891 erhielten trotz der Wühlereien der frühern Staatsminister Servais und v. Vlochausen der Regierung die Mehrheit, und die neue Kammer bewilligte sofort ^2 Mill. Fr. für die Erweiterung des großherzoglichen Palastes. Der Großherzog, erbot sich, alle Mehrkosten aus eignen Mitteln zu bestreiten. Da bei der Übernahme der Regierung durch den Großherzog der Hof- und Landestrauer wegen alle gröbern Festlichkeiten hatten unterbleiben müssen, so wurden sie beim ersten Geburtstag, 24. Juli 1891, nachgeholt.
Die Luxemburger wollten ihrer Freude über die glückliche Wendung ihrer Geschicke Ausdruck geben.
»Durch unsre würdige und maßvolle Haltung«, hieß es in einem amtlichen Aufruf, > werden wir beweisen, daß das luxemburgische Volk die großen Wohlthaten der durch die Mächte gewährleisteten Neutralität und Selbständigkeit zu schätzen und zu verdienen weiß.«-Zur Litteratur: P. Rappert, statisti^us tii8t(>riciU6 clu (^i'lmä - Oueiiö äe I^vixkindoui^'« (Luxemb. 1889); Derselbe, I>63 6tat8 provincia,ux än Arauä-OueliL äe lMX6llid(mrAi816-31« (das. 1890).
Luzern. Am 26. Nov. 1890 nahm der Kanton ein Verfassungsgesetz an, welches neue Bestimmungen über Referendum, Initiative und Einteilung der Wahlkreise enthält.
Lymphe. Über die Bildung der L., d. h. jener für die Ernährung der Elementarteile des Organismus überaus wichtigen, dem Blutplasma ähnlichen Flüssigkeit, die sich in den Spalträumen aller Körpergewebe befindet und aus ihnen durch ein eignes Röhrensystem, die Lymphgefäße, abgeleitet und oem Blute zugeführt wird, herrschen noch sehr unklare Vorstellungen. Meistens wird angenommen, daß die L. durch Filtration durch die Wand der Blutkapillaren hindurch sich abscheidet und, in die Gewebsspalten gelangend, den Organelementen das für sie bestimmte Nährmaterial abgibt, um anderseits von ihnen andre Stoffe aufzunehmen und fortzuschaffen. Neuere Untersuchungen von Heidenhain dürften geeignet sein, diese Auffassungsweise wesentlich zu modifizieren. Wäre ein einfacher Filtrationsvorgang vorhanden, so müßte, damit die Gewebe ihren Bedarf an Nährmaterial aus der Zufuhr decken könnten, der Zufluß ein ungemein viel größerer sein, als er es wirklich ist. So werden in den Geweben eines Hundes von 10 kg' Körpergewicht 274 z- mit der Nahrung aufgenommenes Eiweiß in 24Stunden zersetzt. Zur Überführung einer solchen Eiweißmenge aus dem Blute in die Gewebe wären bei dem geringen Prozentgehalte desselben an diesem Stoffe mindestens 6850 ecin L. erforderlich. Die gesamte, wirklich von einem Hunde gebildete Lymphmenge beträgt aber höchstens ein Zehntel dieses Wertes.
Die Filtrationshypothefe ist demnach nicht zureichend; vielmehr deutet diese Überlegung ebenso wie eine Reihe von neuern experimentellen Erfahrungen darauf hin, daß die Kapillarwand eine Art