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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Natronzellstoff - Naturforschergesellschaft
des Salzgemisches geschieht durch die Deckelöffnung o, während das in der Anodenabteilung entwickelte Chlor durch das Rohr h abgeleitet wird. Die Kathodenpolzelle p ist ein doppelwandiges Gefäß, welches dadurch gebildet wird, daß man von dem untern Rande der eigentlichen, die Kathoden umgebenden Polzelle z<sub>1</sub> aus eine Wand z<sub>2</sub> bis über das Niveau nn der Schmelze führt, so daß der Raum zwischen den Wandungen von z<sub>1</sub> und z<sub>2</sub> mit Lust gefüllt bleibt. Der elektrische Strom kann daher nur an der untern Öffnung der Polzelle p, nicht aber durch die Wandungen derselben seinen Weg finden. Auch bewirkt die kühlende Wirkung der Luftschicht, daß die Beschickung an der Oberfläche der äußern und innern Wandungen der Polzelle starr bleibt und mithin nicht zerstörend auf das Material der Gefäße wirken kann. Das im obern Teile der Kathodenpolzelle sich sammelnde flüssige N. wird durch den Druck der im Außenraum befindlichen spezifisch schwerern Schmelze bis zur Mündung des Abflußrohres c getrieben u. gelangt durch dieses in die mit Wasserstoff oder Stickstoff gefüllte Glocke i, welche in dem mit Petroleum gefüllten Behälter r hängt. In letzterm sammelt sich das erstarrende Metall. Bei Gegenwart der bei gewöhnlicher Temperatur flüssigen Kaliumnatriumlegierung scheidet sich das N. beim Erstarren in krystallinischer Form ab. Dadurch wird das kaliumhaltige N. für gewisse Reduktionsprozesse gefährlich, indem bei auftretender Erwärmung die ganze Metallmasse gleichsam plötzlich auseinander fällt, wobei die zahlreichen Natriumkristalle eine große wirksame Oberfläche darbieten.
^[Abbildung:]Fig. 1. Apparat zur Darstellung von Natrium.
^[Abbildung:]Fig. 2. Querschnitt.
Die braune Kruste, welche N. beim Aufbewahren unter Steinöl erhält, läßt sich nach Rosenfeld durch Abreiben mit einer Mischung aus 3 Teilen Petroleum und 1 Teil Amylalkohol entfernen. Das silberweiß gewordene Metall legr man noch kurze Zeit in Steinöl mit 5 Proz. Amylalkohol und bewahrt es dann in Steinöl mit 0,5-1 Proz. Amylalkohol auf. Eine hierbei allmählich entstehende gelbliche Hülle von Natriumamylat kann leicht durch Abreiben mit Filtrierpapier entfernt werden. Das so gereinigte N. verbindet sich bei gewöhnlicher Temperatur mit Quecksilber unter Zischen und Entflammung. Es gestattet auch, die bei 6° schmelzende Kaliumlegierung in beliebiger Menge herzustellen, wenn man das N. mit dem gleichen Gewicht auf dieselbe Weise gereinigten Kaliums in einem Gemisch von 9 Teilen Petroleum und 1 Teil Amylalkohol aneinander preßt, bis sich beide Metalle in eine dein Quecksilber ähnliche Flüssigkeit verwandelt haben. Noch einfacher kann man ein Stück gereinigtes N. unter Petroleum, dem 10 Proz. Amylalkohol zugesetzt sind, mit einem Stück Kalium abreiben, wobei die Legierung in Tropfen abfließt. Sie wird in Petroleumäther aufbewahrt.
Natronzellstoff, s. Papier.
Natter, Heinrich, Bildhauer (Bd. 18), starb 13. April 1892 in Wien.
Naturforschergesellschaft. Die 62. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte (Naturforschergesellschaft) tagte 21.-23. Sept. 1891 in Halle. Nach einer kurzen begrüßenden Ansprache des Vorsitzenden His-Leipzig und den üblichen einleitenden Reden sprach Nothnagel-Wien über die Grenzen der Heilkunst. Der Ausspruch Virchows: Kranksein ist Leben unter veränderten Bedingungen« führt zu der Frage: Was heißt heilen? Die Antwort lautet: die veränderten Gewebe zur histologischen, die gestörten Funktionen zur physiologischen Norm zurückführen, das normale Verhältnis zwischen den Aufgaben und Leistungen des Organismus wiederherstellen. Redner ging nun im einzelnen auf die Möglichkeiten ein, bei den zahlreichen krankhaften Affektionen des Körpers eine wirksame Heilung in jenem Sinne zu erzielen, um darzuthun, daß diese Möglichkeiten nicht nur zur Zeit, sondern in vielen Fällen voraussichtlich für immer sehr beschränkt sind, daß namentlich ein? eigentliche Heilung durch innere therapeutische Mittel nicht zu stände kommt, sondern immer durch den Organismus selbst. Der Arzt ist nur der Diener der Natur, nicht ihr Meister. Er kann die Natur im Kampfe gegen den Feind unterstützen, dafür sorgen, daß nicht störend in den Verlauf der Naturselbstheilung eingegriffen wird. Je weniger aber eine direkte Heilung bereits vorhandener Erkrankungen durch therapeutische Mittel möglich scheint, um so wichtiger erscheint die hygienische Aufgabe des Arztes, durch vorbeugende Maßregeln die Entstehung von Krankheiten zu verhindern, durch Erforschung der Krankheitsursachen auf Möglichkeiten hinzuführen, diese Ursachen von vornherein zu vernichten. In den wenigen Fällen, wo innere Mittel als Specifica gegen gewisse Krankheiten mit Erfolg angewandt werden, dürfte eine solche Vernichtung von Krankheitsursachen vorliegen. So bei Wechselfieber, wo das Chinin die erkrankten Gewebe nicht zur Norm zurückführen kann, wohl aber die Plasmodien, die wahrscheinlichen Erreger der Krankheit, unschädlich zu machen scheint, so daß der Organismus nun ungestört an die Selbstheilung gehen kann. Wenn aber auch die Unmöglichkeit, die Lebensvorgänge willkürlich zu gestalten, der Krankheitsheilung enge Grenzen zieht, wenn auch die Krankheitsverhü-^[folgende Seite]