Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

713
Papier (Cylindeimaschme; Trockenapparate)
Trockenpartie der Papiermaschine zusammenschmelzen, während die Nachleimung mittels Tierleim eine Verklebung der Fasern durch einfache Verdunstung des Leimwassers bewirkt. Der letzte Vorgang ist die Ursache, daß die tierische Leimung dem P. eine größere Festigkeit gibt, und hat schon seit langer Zeit Versuche veranlaßt, das P. im Zeuge mit Tierleim zu leimen, jedoch ohne brauchbare Ergebnisse. In einem besondern Material (Ammonium albumin) hat man nun nicht nur die Eigenschaften des Tierleims, sondern auch zum Teil die des Harzleims vereinigt und somit! eine Leimart gefunden, die alle Aufmerksamkeit verdient. Das Ämmoniumalbumin wird aus den in der Milch enthaltenen leimenden Körpern hergestellt, die bei der Butterbereitung als Topfen oder Quark zurückbleiben und, mit Ammoniak behandelt und getrocknet, eine in Wasser zu einer milchigen, gallertartigen Flüssigkeit sich auflösende Masse bilden.
Diese Masse hat die Eigenschaft, wie der Harzleim durch schwefelsaure Thonerde auf die Fasern niedergeschlagen zu werden, dabei aber wegen ihrer gallertartigen Beschaffenheit wie tierischer Leim dieselben zu überziehen und durch Verdunstung des Lösungswassers zu verkleben. Die Verwendung dieses Leimmaterials erfolgt gleichzeitig mit dem Harzleim im Holländer, indem man 300-400 ^^ davon in 1 Liter Wasser von 15" Wärme durch 94stündiges Stehen- ^ lassen löst und je nach der beabsichtigten schwachen l oder starken Leimung in kleinern oder größern Mengen zu Beginn des Mahlens zusetzt. Während eines 4-8stündigen Mahlens nehmen die Fasern die durch Thonerdesalze abgeschiedenen Aluminate begierig auf, ! welche zugleich mit dem Harzleim eine vollständige, Ausfüllung der Papierporen hervorbringen.
Da diesogen. Cylindermaschine zur Erzeugung des Papiers sich den Langsiebmaschinen gegenüber durch eine große Einfachheit auszeichnet, weil das ganze für die letztere Maschine notwendige Zubehör (Führungs- und Spannwalzen, Rüttelzeug :c.) in Wegfall kommt, jedoch der fehlenden Rüttelung wegen dem P. eine zu geringe Querfestigkeit erteilt, so ist man mit Erfolg bemüht gewesen, diesem letzten Nachteil dadurch zu begegnen, daß das Anlegen der Papierfasern an den Cylinder nicht ausschließlich in der Bewegungsrichtung des letztern, sondern mehr in der Querrichtung (parallel zur Achse) stattfindet.
Zu dem Zwecke werden entweder an der Auflaufstelle hin und her gehende Rechen oder schräge Führungsleisten für den Stoff oder bewegliche Trogböden angebracht. Die letztere, sehr wirksame Einrichtung geht aus Fig. 2 hervor. Der bei der Eintrittsstelle U etwas weiter von dem Siebcylinder 0 abstehende Trogboden L erhält mit den die Siebachse tragenden Seitenwänden eine nachgiebige Verbindung durch Kautschukplatten und eine Rüttelung unter dem Cylinder mittels eines Exzenters mit oder auf dem schwingenden Gestell N. Das Zeug läuft durch den Kanal V und die Gange 0, 21 und ^^ bei H auf den Cylinder. Um demselben zunächst das Bestreben zu nehmen, sich stark in die Richtung der Cylindertanyent? zu legen, gibt man ihm durch ein Gefalle eine Geschwindigkeit, welche der Oberflächengeschwindigkeit der Siebtrommel fast gleich ist. Hierzu dient die Kammer?, in welcher das Zeug bis zur obern Kante des Regulierschiebers 1^ aufsteigt, wobei das Überflüssige durch den Kanal H in die Bütte zurückläuft.
Beim Einlaufen in den Trog passiert der Brei sodann eine biegsame, konzentrisch den Cylinder umgebende Platte, deren Verstellung die Papierdicke regelt. Der ablaufende Teil des Zeuges gelangt i
durch den Kanal <3 ^^ zu der Flügelpumpe K, um vor dieser wieder mit frischem Zeugs von genügender Konsistenz vermischt zu werden.
Beim Trocknen des Papiers entsteht infolge der Wasserverdunstung ein Zusammenziehen desselben und dadurch eine Annäherung der Fasern, die einen sehr günstigen Einfluß auf die Festigkeit des Papiers ausübt, wenn das Zusammenziehen ungehindert vor sich gehen kann, aber das P. spröde macht, wenn dasselbe sich nicht zusammenzieht, wie es auf den Papiermaschinen der Fall ist.
Außerdem soll eine plötzliche Wasserentziehung durch Wärme vermieden werden, weil auch hierdurch eine Beeinträchtigung der guten Beschaffenheit stattfindet.
Mit Rücksicht auf diese Vorgänge hat man vielfach in neuerer Zeit die gewöhnliche, mit der Papiermaschine verbundene Trockenpartie aufgegeben und durch besondere Vorrichtungen ersetzt oder derart abgeändert, daß während des Trocknens ein zwangloses Zusammenziehen des Papiers vor sich geht. In allen Fällen nähert man sich mehr oder weniger der alten Methode des Trocknens in freier Aufhängung.
Unter den neu entstandenen Anordnungen seien hier als die wichtigsten folgende erwähnt: Äei dem Trockenapparat von Kaiser wird im Anfang, wo das P. noch sehr feucht ist, eine direkte Berührung des Fig. 2. Cylindermaschine.
selben mit den Trommeln dadurch vermieden, daß die letztern mit Haspeln umgeben sind, über welche zwei schmale endlose Bänder das P. hinwegführen.
Außerdem durchströmt der Dampf sechs Trockentrommeln nacheinander in der Weise, daß die zuletzt vom P. verlassene Trommel den frischen Dampf erhält, also am heißesten ist. Zum Trocknen von Papierbahnen, die nachträglich geleimt sind, findet in Amerika ein Apparat Verwendung, der aus einer Kammer besteht, in welcher das P. im Zickzack dreimal an großen hohlen, mit heißer Luft oder Wasserdampf geheizten Platten vorübergezogen wird. Seitdem die Fabrikation des Papiers in Bogen durch Hand oder Sembritzkis Maschine wieder größern Umfang angenommen hat, sind auch verschiedene höchst wirkungsvolle Bogentrockner eingeführt. Dieselben beruhen darauf, daß die Bogen entweder auf Rahmen gelegt oder über Stäbe gehängt werden, die mittels'horizontaler oder vertikaler endloser Ketten genügend erwärmte und gelüstete Räume ooer Kammern durchziehen. Von den Stäben vereinigt man in der Regel 8-10 Stück zu einem Roste in einem Rahmen, aus dem die Blätter nach abwärts herunterhängen, ohne sich berühren zu können. Wenn sich die vertikal gespannten Ketten mit diesen Rahmen in Türmen von etwa 30 in Höhe bewegen, denen warme Luft unten zu- und oben mittels eines Ventilators abströmt, so ist der Erfolg ein vorzüglicher, da die unten mit nassen Bogen gefüllten Rahmen, nach einem Rundgang wieder unten angekommen, vollkommen trockenes P. abliefern.