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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Posen - Prag
Posen, Die Bevölkerung in der Provinz P. betrug nach der Volkszählung vom 1. Dez. 1890: 1,751,642 Seelen und hat seit 1885 um 36,024 Seelen oder 2,i Proz. zugenommen. Davon entfallen auf die
Reg.-Vez.
Posen .. .
Bromberg
Einwohmr
1120591
025051
Zunahme
19632
16392
Die jährliche Zunahme mit durchschnittlich 0,42 Proz. war stärker als in den Jahren 1880-85 (0,i4 Proz.), aber erheblich schwächer als in der Zählungsperiode 1871-75 (1,1? Proz.). Nach dem Geschlecht entfallen auf 100 männliche 108,« weibliche Personen. Die Provinz besitzt nur 2 Städte mit mehr als 20,000 Einw.: Posen 69,627 und Bromberg 41,3W Einw.
Über die bisherigen Erfolge der deutschen Kolonisation in der Provinz P. vgl. den besondern Artikel (S. 180); als Ergänzung hierzu s.unten: »Prämiierung bäuerlicher Wirtschaften«. -Zur Litteratur: Ehr. M e y er, Geschichte der Provinz P. (Gotha 1891).
Pofttongroß. Der vierte Weltpostkongreß tagte 1891 in Wien. Es waren 48 Staaten durch 74 Bevollmächtigte vertreten. Das wichtigste Ergebnis des Kongresses ist der Beitritt der sieben australischen Kolonien zum Weltpostverein, der mit 1. Okt. 1891 erfolgt ist. In posttechnischer Beziehung ist erwähnenswert: 1) Die Einrichtung eines internationalen Zeitungsdienstes, so daß also hinfort die Postanstalten eines jeden Landes Bestellungen auf die in den übrigen vertragschließenden Ländern erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften entgegennehmen. Diesem Abkommen sind zunächst beigetreten: Deutschland, Österreich-Ungarn, Ägypten, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Dänemark, Kolumbien, Liberia,
Schweden, Schweiz, Türkei und Uruguay; 2) die Einrichtung einer Zentralabrechnungsstelle bei dein internationalen Bureau des Weltpostvereins, welche es den Postverwaltungen der vertragschließenden Länder ermöglicht, sich für die Zahlungen aus dem Postverkehr für gewisse oder alle Dienstzweige und für die Abrechnungen mit den andern Ländern der neu geschaffenen Dienststelle Zu bedienen. Außerdem sind die Grenzen für die Ausdehnung der Warenproben erweitert und die Bestimmungen über die bei Drucksachen zulässigen Änderungen und Zusätze erheblich gemildert worden. Der nächste P. findet 1897 in Washington statt. - Zur Litteratur: Sieblist, Die Post im Auslande. Eine Darstellung der Posteinrichtungen des Auslandes nach amtlichen Quellen (2. Aufl., Berl. 1892).
Potnntm, Gregor Alexandro witsch, Fürst, russ. Feldmarschalü Ihm zu Ehren erhielt 1891 das 10. russische Dragonerregiment seinen Namen.
Poteutialgefälic, elektrisches, s. Atmosphärische Elektrizität, S. 55.
Pötzl, Eduard, Wiener Journalist und Dialekt-Humorist, geb. 17. Mai 1851 zu Wien, widmete sich denjuristischen Studien und ist seit 1874 journalistisch thätig als Mitarbeiter und Redakteur des »Neuen Wiener Tagblattes«. Seine Feuilletons, meist im Stile der amerikanischen, zur Karikatur geneigten Humoristen, sind in mehreren Bändchen gesammelt erschienen: »Wiener Skizzen aus dem Gerichtssaal« (Wien 1884); »Jung-Wien« (Leipz. 1885); »Kriminal-Humoresken« (das., in Reclams.Universalbibliothek«, 1884-1887, 3Bde.); »Wien« (das. 1885-86,3Bde.);'Rund um den Stephansturm« (das. 1888); »Die Leute von Wien« (das. 1890); »Herr Nigerl und lauter solche Sachen (Teschen 1889); »Klein-Wiener (3. Aufl.,
Wien 1890); »Wiener von heute« (das. 1891). P. hat das Wort und den Begriff »Gigerl« geschaffen: die Vorstellung des Modegecken, welche durch die Zeichnungen Hans Schließmanns populär und in einer (sehr anspruchslosen) Dramatisierung durch den Wiener Lokalschriftsteller H. Wimmer auf die Bühne gebracht wurde.
Pradier-ssodere, Paul, franz. Publizist, geb.
11. Juli 1827 zu Straßburg, studierte daselbst'die Rechte, ließ sich darauf als Advokat in Parvs nieder und wurde 1857 zum Professor des öffentlichen Rechtes am armenischen Kolleg von Moorat, später an dem von Paris ernannt. 1874 folgte er einem Rufe der peruanischen Regierung nach Lima, wo er den an dortiger Universität neuerrichteten Lehrstuhl für Staats, Wissenschaften einnahm. Seit seiner Rückkehr bekleidet^ er eine Richterstelle am Appellhof zu Lyon. Er schriebI unter anderm: »I^i'6ei8 ä6 äroit aciniini^r^tif« (7. Aufl. 1876); »I^i'6Li8 ä6 äioit oommkioial« (2. Aufl. 1866); »?iincii)68 Aönörkuix d6 äioit, äk 1)o1iti(iu6 6t äs lö^isiktion« (1869); »I^a. HUkstion sl6 1'^.Iadamk et 16 cli'0it ä68 H-6U8« (1872); »l?om-M6nwii6 8N1' 16 d'0(l6 ä6 M8tic6 iuiiitkii'6 < (1873, mit Le Faure; Nachtrag 1876); »(^ours äs clroit <Iii)i0MlNMi6« (1881, 2 Bde.); »I^itö äs äioit int6i'NlUis)im1 mi!)1io 6UI'0I)66U 6t amöi'ioain« (1885 bis 1891, Bd. 1-5). Auch übersetzte er des Grotius »Oö M1'6 deiii 6t MC18« (1865 - 66) u. a.
Prag hat (,8W) 4277 Häuser, 35,933 Haushaltungen und 183,085 Einw. Vom 15. Mai bis 15. Okt. 1891 wurde in P. zur Erinnerung an die vor 100 Jahren daselbst anläßlich der Krönung Leopolds II. zum König von Böhmen veranstaltete gewerbliche Ausstellung, welche zugleich die erste Industrieausstellung überhaupt bildete, eine allgemeine Landesausstellung abgehalten. Dieselbe sollte ursprünglich als Besiegelung des zwischen den Tschechen und Deutschen abgeschlossenen Ausgleichs gelten, ist aber durch die Nichteinhaltung des Ausgleichs seitens der Tschechen und den hierdurch veranlaßten Rücktritt der Deutschböhmen von dem Unternehmen zu einer fast ausschließlich tschechischen Gewerbe-, Knnst- und landwirtschaftlichen Ausstellung geworden. Immerhin bot sie aber ein gelungenes Bild der wirtschaftlichen Entwickelung Böhmens, speziell des tschechischen Landesteils. Der Ausstellungsplatz befand sich im Baumgarten, zu welchem vom Belvedere aus eine elektrische Eisenbahn geführt wurde. An Baulichkeiten umfaßte die Ausstellung eine Industriehalle, vor welcher sich das Reiterstandbild Georgs von Podiebrad und einerseits die Kunsthalle und die retrospektive Ausstellung, anderseits die Pavillons des Landesausschusses und der Stadt P. erhoben; hinter der Industriehalle parallel zu dieser lag die Maschinenhalle, die Perle der Ausstellung.
Zwischen beiden Hauptgebäuden war eine t'ouwiii6 wmiii6N86 errichtet. Die Parkanlage des Ausstellungsplatzes barg zahlreiche Pavillons. Außer der Maschinenhalle Zeigte besonders die Schulabteilung eine sehr gelungene Anordnung. Die Ausstellung wurde übrigens zu einer Reihe fortgesetzter nationaler, insbesondere panslawistischer Demonstrationen mißbraucht, so daß der Kaiserbesuch ernstlich in Frage stand und erst gegen Ende der Ausstellungszeit stattfand. Am 1. Sept. 1891 wurde in P. eine Zuckerbörse eröffnet, welche dem bedeutenden Zuckerhandel (in P. werden jährlich ca. 5 Mill. metr.
Ztr. Roh- und i'/^Mill. metr. Ztr. raffinierter Zucker in den Verkehr gebracht) die notwendige Organisation bieten soll.