Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

790
Rum - Rumänien
doch wird die Handelsware ganz allgemein, je nach den Wünschen der Konsumenten, mit Karamel mehr oder weniger dunkel gefärbt. Die jährliche Produktion von R. wird auf annähernd 60,000 kl geschätzt.
Versuche, R. aus Zuckerrohrmelasse in Europa herzustellen, haben keinen Erfolg gehabt. Nach den Untersuchungen von Marcano beruht das Mißlingen wesentlich darauf, daß bei der freiwilligen Gärung, der man die zuckerhaltige Flüssigkeit überläßt, in den Tropen ein andrer Gärungserreger auftritt als unsre Bierhefe. Die tropische Hefe ist am wirksamsten bei 30-35" und zeigt schon bei 18-20" eine ganz bedeutende Abschwächung. AIs Gärungsprodukte fand Marcano im R. Methylalkohol und sine eigentümlich riechende Fettsäure, welche auch bei Gärung von Kandiszucker mit dem tropischen Ferment entsteht. Glycerin und Bernsteinsäure konnte er in der Maische nicht nachweisen, wohl aber Mannit. Herzfeld hat Versuche angestellt, aus Rübensaft, Melasse und Rohrzucker R. darzustellen, und dabei besonders die angebliche Bedeutung des Dunders berücksichtigt.
Indem er sich eine ähnliche Flüssigkeit bereitete, gelang ihm der Nachweis, daß durch Verwendung sauren Dunders in der That Säureäther in den Destillaten angehäuft werden können. Da aber im Rübensaft sowohl als in der Melasse organische flüchtige Säuren in genügender Menge vorhanden sind, so wird sich bei Anwendung von gutem Dunder eine Verbesserung der Produkte der Melasse niemals, bei Rübensaft nur in beschränktem Maße erzielen lassen, wohl aber darf man hoffen, aus reinerm Zucker mit Hilfe eines Dunders, der unter Zusatz ähnlicher Stoffe, wie solche in Indien gebräuchlich sind, bereitet wurde, einen R. von guter Qualität zu erzielen. Würde auch dieser R. dem echten nicht gleichwertig sein, so spricht doch alles dafür, daß er die außerordentlich minderwertigen Nachahmungen des Rums, die sich bei uns im Verkehr befinden, leicht verdrängen würde. Der Preis echten Rums ist keineswegs so hoch, daß er die Herstellung dieser Nachahmungen rechtfertigt, welche nur denjenigen befriedigen tonnen, der gar nicht weiß, wie echter N. schmeckt. Ganz allgemein und ohne Beeinträchtigung des Aromas, welches nur geschwächt wird, streckt man den R. mit feinem Spiritus und Wasser, so daß das Produkt oft nur 10 Proz. R. enthält. Dies Produkt soll noch wesentlich verbessert werden, wenn man es destilliert und mit Karamel unter Zusatz von etwas Katechutinktur färbt. Auch Zedernholz wird bei der Destillation zugesetzt. In viel größerer Menge aber bereitet man für den Handel Rumsorten, welche keine Spur echten Rums enthalten. Teils erzeugt man die Äther, welche das Aroma bilden sollen, durch eine Destillation mit geeigneten Materialien, teils vermischt man Spiritus von geeigneter Stärke mit solchen Äthern (Buttersäure-, Essigsäure-, Ameisensäure-, Salpetcrsäureäth er), freier Buttersäure, Ameisensäure, ätherischen Ölen und allerlei Tinkturen.
Echter, noch nicht für den öandel zurecht gemachter R. enthielt nach tzerzfeld 46-94 Proz. Alkohol; in echtem, dem Handel entnommenen R. wurden im kaiserlichen Gesundheitsamt 66,^8-72,46 Proz. Alkohol gefunden. N. enthält außerdem höhere Alkohole (Fuselöl), Aldehyde und freie Säuren. Ameisensäure konnte tzerzfeld in echtem Iamaicarum nicht, wohl aber in Cubarum nachweisen; das Gesundheitsamt fand in allen echten Rumsorten, auch im Iamaicarum, Ameisensäure, Essigsäure, Buttersäure und Kaprinsäure. Alle Rumsorten enthalten zusammengesetzte Äther (Ester), zum Teil in sehr erheblicher Menge,
und zwar Äther der zuletzt genannten vier Säuren, am meisten Essiqsäureester, von den andern Säuren sehr wechselnde Mengen. Der Extraktgehalt der Numproben, welche das Gesundheitsamt untersuchte, schwankte zwischen 0,029 und 0,842 und bestand aus Zucker- und Mineralstoffen. Lindet hat in verschiedenen Rumsorten organische Basen gefunden, welche wohl schon vor der Gärung in den Melassen durch Mikroorganismen gebildet werden. Ob solche stickstoffhaltige Vasen bei der physiologischen Wirkung des Rums beteiligt sind, muß als unentschieden angesehen werden.
Die Beurteilung eines Rums aus dem Befunde der chemischen Analyse unterliegt den größten Schwierigkeiten. Die bei Untersuchung echter Ware gefundenen Werte schwanken innerhalb sehr weiter Grenzen, und dies kann nicht auffallen, da auch die aus erster Hand bezogene Handelsware ein Kunstprodukt ist, welches nach dem Ermessen ocs Fabrikanten hergestellt wird. Die von Wiederhold, Scala u. a. angegebenen Reaktionen zur Unterscheidung von echtem und Kunstrum haben sich im Gesundheitsamt als nicht zutreffend erwiesen, und man muß sagen, daß es heute unmöglich ist, auf Grund chemischer Untersuchungen über die Beschaffenheit einer Rumsorte ein zutreffendes Urteil abzugeben.
Der Sachverständige wird durch Geruchs- und Geschmacksprobe viel eher im stände sein, echten R. von nachgeahmtem zu unterscheiden. Vgl. Herzfeld, Bericht über Versuche zur Darstellung rumartiger Produkte aus Rübensaft, Melasse und Rohrzucker (»ZeitschriftfürZuckerindustrie« 1890); de Brevans, I^n. tadricntion ä68 li^ueurs 6t oouskives (Par.
1890); Gaber, Likörfabrikation (5. Aufl., Wien 1889); Sell, Über Kognak, Rum und Arrak (Berl.
1891).
Rumänien, Geschichte. Die Neuwahlen für die Deputiertenkammer fanden Ende April 1891 statt.
Durch die üblichen Einschüchterungs- und Vestechungsmittel erlangte das konservative Ministerium Florescu die Mehrheit, aber erst bei den Stichwahlen, und diese Mehrheit war keineswegs zuverlässig, indem von 183 Deputierten nur etwa 90 der alt- oder liberal-konservativen Partei, aus welcher das Ministerium hervorgegangen war, angehörten, etwa 20 sich zur reinkonscruativen Gruppe Mano-Lahovary rechneten oder Wilde waren. Die Opposition, Nationalliberale und Junimisten, errang 70 Mandate.
Die Kammern wurden 11. Mai vom König mit einer Thronrede eröffnet; in derselben hieß es: »Ich bin überzeugt, daß die Wählerschaft bei der Erneuerung des einen gesetzgebenden Körpers unsrer Volksvertretung eine Mehrheit gesichert hat, welche die Regierung in stand setzt, mit Ansehen und Erfolg die Interessen des Staates wahrzunehmen.« Dennoch wurden keine Vorlagen von Bedeutung angekündigt und nur die unverzügliche Genehmigung des Staatsbudgets und des Zolltarifs empfohlen; die Regierung wollte die Festigkeit ihrer Mehrheit nicht auf eine gefährliche Probe stellen. Das 25jährige Regierungsjubiläum des Königs gab der Deputiertenkammer die Veranlassung, den Monarchen durch eine Adresse zu beglückwünschen und der Liebe zu ihm Ausdruck zu geben, der die großen Ziele der Nation verwirklicht, namentlich die Dauerhaftigkeitdes Thrones errungen habe, deren Mangel früher viel Unheil über R. gebracht. Auffällig war, daß Rußland von dem Regierungsjubiläum nicht die geringste Notiz, nahm, obwohl das Ministerium Florescu aus Männern bestand, die den Dreibund und die Befestigungs-