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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Sklaverei (Sklavenhandel an der Ostküste Afrikas)
freilich ist dort die S. abgeschasst, aber man kauft sich noch immer Arbeiter für die Pflanzungen, und wiewohl es dem Arbeiter freisteht, in andre, ihm mehr zusagende Dienste zu treten, so bürgen doch die Einigkeit der Sklavereibesitzer einerseits sowie die Toleranz der Behörden anderseits dafür, daß der Arbeiter auch bei der schlechtesten Behandlung bei seinem Herrn ausharrt. Das beim Ankauf von Sklaven bevorzugte Gebiet ist das Reich dss Muata Jamvo, die Händler sind meist Bangala. Auf dem Transport werden den Sklaven, damit sie arbeitsfähig an ihren Bestimmungsort gelangen, so wenig Schwierigkeiten wie möglich bereitet, besonders Widerspenstige indes in plumpe hölzerne Fesseln gelegt und zum Weitermarsch Unfähige kalten Blutes abgeschlachtet.
Aber dieser Handel verschwindet ins Unbedeutende gegen den, welcher nach der Ostküste seinen Weg nimmt und dazu dient, das mohammedanische Westasien zu versorgen. Gegenwärtig gibt es drei Hauptzentren, aus denen Sklavenausfuhr stattfindet: der Sudan, südlich von der Sahara, das Nilbecken bis zu den großen Seen, endlich die östlichsten Teile des Kongostaates mit den Nyassadistrikten. Vom Sudan gehen die erbeuteten Sklaven meist nach Marokko und Tripolis, wie schon gezeigt wurde, ein Teil auch nach Ägypten und übers Rote Meer nach Arabien. Dorthin wird auch die Beute der Raubzüge aus dem Nilbecken geführt. Hier haben die Sklavenräuber wieder freies Spiel, seitdem das ganze große Gebiet der Äquatorialprovinzen im Sudan bis zu den Quellen des Nils und seiner Nebenflüsse, den Gordon, Gessi und Emin vom Fluche der Sklavenhändler zu reinigen suchten, durch die große Bewegung des Mahdi wiederum eine Beute der Sklavenhändler geworden ist, welche das Land mit einem förmlichen Netz ihrer Seribas überziehen. Wie im N., so sind es auch weiter südlich mohammedanische, meist arabische oder doch dieser Nationalität sich zurechnende Individuen, welche den abscheulichen Handel betreiben. Nachdem die Araber an der Ostküste Afrikas und namentlich auch auf der Insel Sansibar sich festgesetzt hatten und durch die Forschungen der letzten Jahrzehnte das vordem unbekannte Innere immer mehr erschlossen worden war, ergoß sich ein wahrer Strom arabischer Kaufleute in die ungeheuern Landschaften zwischen den von Livingstone, Speke und Burton entdeckten Seen, dem Tanganjika, Mwutan und Ukerewe, und der Küste und dann über jene großen Binnenmeere hinaus nördlich, östlich und südlich in das Innere Afrikas. Livingstone traf schon 1859 am Ausfluß des Schire aus dem Nyassasee auf arabische Sklavenhändler, die aus dem damals großen Negerreich des Kazembe neben Elfenbein und Malachit auch zahlreiche Sklaven brachten. Bald danach wurde das Kazembereich von einer kleinen Macht arabischer Händler überfallen, gestürzt und der Kazembe selbst getötet. Wenige Monate nach Livingstone kam Röscher zum Nyassa. Erfand bereits ganze Landschaften durch die Sklavenjäger verwüstet. Noch schlimmer sah es aus, als Young 1867 zur Aufsuchung des verschollenen Livingstone am Schire erschien. Wissmann kam westwärts vom Tanganjika auf seiner ersten Durchquerung Afrikas durch schöne, von wohlhabenden Negerdörfern dicht besetzte Gegenden. Als er wenige Jahre später zum zweitenmal desselben Weges zog, starrte ihm überall die Öde der Verwüstung entgegen, tagelang ging der Marsch durch verlassene, halb zerstörte Dörfer und Pflanzungen. In derselben Weise sprechen sich die Berichte Stanleys aus, welcher trotzdem einen der berüchtigtsten Sklavenhändler, Tippu Tip, zum Gouverneur des obern Kongo einsetzte, allerdings unter dem Versprechen, daß er fortan dem Sklavenhandel entsage. Wie wenig dies Versprechen aber gehalten wurde, hat die Folge gezeigt. Die Hauptsitze der Araber am Kongo sind Nyangwe, Kassongo und weiter flußabwärts Singatini, gegenüber Stanley Falls. In den letzten Jahren sind sie auch in die Gegenden nördlich des Kongo gedrungen und suchen eine engere Verbindung mit den Arabern und Sklavenjägern des Sudans. Schon ist im letzten Jahrs von dort Elfenbein den Kongo herunter gekommen. Stanley konnte auf seiner letzten Reise bereits die Anwesenheit arabischer Sklavenjäger am mittlern Aruwimi feststellen; Barttelot hat gezeigt, daß das ganze Land zwischen der Fallsstation und dem untern Aruwimi von arabischen Lagern besetzt ist, und daß die Araber schon über den Rubi (Itimbiri) nach dem Ubangi gedrungen sind, während Jameson nachwies, daß die Araber den Spuren Stanleys folgten und Stationen längs seiner Route anlegten, welche sie mit ansehnlicher Truppenmacht besetzten. Kapitän Trivier fand die Araber bereits am rechten Ufer des Aruwimi. Heute bedrohen sie schon Djabbir, eine der erst ganz kürzlich durch Van Gele am Uëlle gegründeten Stationen des Kongostaates. Hier berühren sich die Sansibar-Araber mit den Sudanesen. Nach neuesten wiederholten Meldungen beabsichtigen die Araber das ganze Land den Kongo abwärts bis Bangala in Besitz zu nehmen, um im Falle eines Zerwürfnisses mit dem Kongostaat einen genügenden Rückhalt zu haben; sie suchen auch das linke Kongoufer in ihre Gewalt zu bekommen. Tippu Tips Hauptquartiere sind Singatini und Kassongo, andre große Araberhäuptlinge sind Said bin Abédé (in Nyangwe), Mohamed bin Hamed, Said bin Habib, Riba Riva u. a. Nyangwe besteht aus drei Dörfern; das nördlich gelegene ist zum großen Teil von Ansiedlern aus Bagamoyo bewohnt und Muni Muharra unterthan, dem Stellvertreter eines mächtigen Häuptlings in Bagamoyo. In dem mittlern und südlichen wohnen Sansibar-Araber, welche über den Lomami bis zum Sankuru vorgedrungen sind, ihrerseits wieder die Sklaven jagenden Bassongahäuptlinge verdrängend. Der Kongostaat zeigte früher oft eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem Vordringen der Araber. Er hat jeden Konflikt vermieden, aber im Hinblick auf die ihm selbst drohende Gefahr neuerdings eine starke militärische Organisation am obern Kongo geschaffen. In der Bangalastation wurde ein großes Waffen- und Munitionslager errichtet und mit drei Maximgeschützen und 16 Bronzekanonen ausgerüstet. Zugleich wurde eine einheimische Miliz eingerichtet und einer der Dampfer des Kongostaates als ein Kanonenboot armiert. Weiter aufwärts wurden in Upoto und Jambiga Beobachtungsstationen und am Zusammenfluß des Kongo und Aruwimi ein zweites, stark befestigtes Lager, Basoko, errichtet und mit 10 Europäern und 400 Haussa- und Bangalasoldaten besetzt, während der Fluß durch einen bewaffneten Dampfer beherrscht wird. Von dort werden die nördlichen Stationen Ibembo, Akuettana, Likatu, Djabbiv bis zum Uëlle unterstützt. Im mittern Gebiet sind besonders gute Stützpunkte die Stationen Luluaburg, Lusambo und Bena Kamba, das letzte am Lomami gelegen und nur einen kurzen Marsch vom Kongo entfernt. Den Hauptstoß gegen die Sklaven jagenden Araber zwischen Kongo und Uëlle scheint die Expedition van Kerkhoven führen zu sollen, welche aus 20 Europäern und 300 Soldaten aus Ägypten besteht und von Bangala aufgebrochen ist, um zwischen