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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Zuckersteuer (Allgemeines)
man gleichzeitig die Bedeutung der beimischen Industrie, insbesondere auch des Rübenbaues für die Landwirtschaft, immer mehr erkannte und schätzte. ! Genaue Angaben über die Zuckermengen, welche all- > jährlich gewonnen werden, können nicht gemacht! werden. In Ländern, in welchen nur die Rübensteuer besteht, sind zwar die Mengen der verarbeiteten Rüben bekannt, doch muß gewöhnlich erst die Zuckermenge aus jenen mit Unterstellung einer möglichst zutreffenden Ausbeuteziffer berechnet werden.
Dann müssen auch bei Reduktion der verschiedenen Zuckersorten, insbesondere von Rohzucker auf Raffinade und umgekehrt, Durchschnittszahlen zu Grunde ^ gelegt werden, welche nur zu annähernd richtigen Er- , -gebnissen führen. Über die wirklich erzeugten Men- z gen Rohrzucker läßt sich gar nichts aussagen. Der > Eigenverbrauch der solchen Zucker produzierenden ^ Länder ist unbekannt. Dagegen sind die Ausfuhrinengen aufgezeichnet, welche übrigens in erster Linie sür die europäische Zuckerindustrie von Ve^ deutung sind. Ein im ganzen richtiges Bild über die Entwickelung der Produktion von Rübenzucker in europäischen Bändern und über die Ausfuhr vou Rohrzucker aus Rohrzuckerländern bietet die nachstehende kleine Tabelle. Es war die Menge in 1000 Tonnen:
Rüben Anbaufläche in Auf 1 Hektar
m Taus Tonnen Taus. Hektar komm en Tonnen
1871-72
1504 73 20,4
1871-76
2154 86 25,u
1876-81
3040 108 2s, i
1881-86
4244 136 31/2
1886 - 90 4309 148 29,0
1889-90
5093 3^9
Im
Rüben Rohr Zu Rübenzucker in Pro;.
Betriebsjahr
zucker zucker sammen von der Gesamtmenge
^"1852/53
293 1260 1463 14,0
1859/60
452 1341 1793 25,?
1864 65 530 1467 199? 26,5
1869/70
846 1741 2587 32,?
1874/75
1303 1903 3206 40,0
187980
1540 1989 3528 43,6
188485
2698 2594 5292 51.0
1889/90
3524 250? 6031 58,2
Die Rübenzuckerindustrie hat im Laufe von 40 Iahten eine früher ungeahnte Ausdehnung angenommen.
Insbesondere aber ist die Produktion im letzten Jahr-Zehnt gewaltig gestiegen. Zum Teil ist dees dem Nmstande zu verdanken, daß die Art der Besteuerung hierfür einen unmittelbaren Anlas; gab, zum Teil <lber auch der Steigerung von Verkehr und Wolilstand, welche auch ohne den Einfluß der Besteuerung zu Verbesserungen und zu dem die Erzeugung verbilligenden Großbetrieb hingeführt hatten. Im I.
18<i3 wurde in Großbritannien und Irland für die verbrauchte Menge von ^^ Mill. Ton. die Summe von 20,9 Mill. Pfd. Sterl. gezahlt und 1883 für die doppelte Menge (1,09 Mill. T.) nur 18,8 Mill. Pfd.
Sterl. Im I. 1873 war in London der Preis eineö englischen Zentners 23,97 Schilling, und 1887 stellte er sich auf 12,il: Schilling. In Berlin und Magdeburg war der Preis für 100 ku' im I, 1822: 204 Mk., 1853 nur 103,2 Mk., 1879 wurde für Raffinade gezahlt 77,2, für Rohzucker tt2,<: und 1888 für erstere 58/> und für letztern 47,7 Mk. Dem entsprechend stieg dann auch der Zuckerverbrauch, sowohl im ganzen als auch durchschnittlich auf den Kopf der Bevölkerung.
Der Rübenbau ist nicht allein in den Ländergebieten, in welchen er bereits eingebürgert war, weiter ausgedehnt worden, fondern er wird auch heute in Gegenden gepflegt, welche früher als für denselben weniger geeignet erachtet wurden, und zwar hier zum Teil mit'sehr gutem Erfolg, wie in Ost- und Nestpreußen, Posen und Hannover. Dabei wurde die wirtschaft eine immer intensivere. So wurden auf den deutschen Fabrikäckern, d. h. Fabrikbesitzern gehörigem Rübengelände, gewonnen im Durchschnitt der Jahre:
Die Rübe selbst ist dabei immer zuckerreicher geworden, insbesondere diejenige, welche von Fabriken auf eignen Äckern oder von Aktionären von Fabriken auf Grund der ihnen auferlegten Verpflichtung zum Rübenbau gewonnen werden. Hier wurde durch Zuchtwahl, gute Samenzucht, Auswahl des Samens, geeignete Bodenbearbeitung und Pflege der Rübe die letztere immer mehr verbessert und veredelt. Die Kaufrüben, d. h. diejenigen Rüben, welche von bei Zuckerfabriken nicht beteiligten Landwirten geliefert werden, sind im allgemeinen weniger zuckerreich, weil die Verkäufer mehr auf hohes Gewicht sehen. Doch suchen die Fabriken auch die letztern zu besserer Kultur anzuhalten, indem sie ihnen guten Sauren und geeigneten künstlichen Dünger liefern, auck Vorschriften über Anbau, Fruchtfolge, Bearbeitung 2c. erlaffen oder ihnen auch besondere Vorteile bei Lieferung guter Rüben einräumen, etwa einen Anteil am Reingewinn zugestehen oder die Rüben nach der Polarisation bezahlen. Vielfach werden mit Bedingungen dieser Art Verträge auf eine Reihe von Jahren abgeschlossen. Hand in Hand damit gingen Einführung von Erfindungen und erfolgreiche Verbesserungen der Zuckerindustrie, wie sie der Übergang zum Großbetrieb ermöglichte. Früher wurden die gewaschenen Rüben zu einem Brei verrieben und hieraus der Saft durch Pressen, Auslaugen mit kaltem Wasser (Maceration) oder Ausschleudern in Zentrifugen gewonnen.
Heute wird mehr die Diffusion angewandt, welche eine Verkürzung oer Betriebszeit, eine Verminderung der Verluste, welche durch langes Lagern der Rüben erwachsen, sowie eine bessere Äuslaugung der Rüben und damit eine Steigerung der Zuckerausbeute gestatten. So gewannen aus 100 kg- Rüben die Fabri» ken im Durchschnitt mit
Diffusion Pressen
1874-83 .. .. 9,<n. 8,.« k^ Rohzucker
18^.-86 .. .. 11.44 10.,i Infolgedessen gingen die Fabriken immer mehr zum Diffusionsverfahren über, 1871 wendeten dasselbe 52 von 311 und 1885 bereits 39.) von 399 an.
Auch in Österreich-Ungarn ist dies Verfahren nun ausnahmslos in sämtlichen 211 Fabriken eingeführt.
Ein anschauliches Bild über die ganze Entwickelung der Zuckerindustrie in Deutschland bieten die folgenden Zahlen:
An Mcnae derverar Gewonnener Durchschnittlich Für 1 k^ Zucker Im
zahl beiteten Roh verarbci Zucker ausbeute
^ctricbs-jahr
der Fanten Rüben Tausend zucker Tausend Fabril Rüben aus Rüben
Ton.
Ton.
Tonnen ^ilogr., Pro;.
1836,37
122 25 1.4 208 17.3 5,6
1840/41
145 241 14.2 1665 17,8 5,9
1850/51
184 736 53,5 4 0l)1 13,8 7.3
1860/61
247 1468 126.5 5942 11.6 8,6
1870/71
304 3051 186.4 10068 11,6 8,0
1880/81
333 6272 622.3 18690 11.1 9,0
1689/90
400 9825 1267,o 24503 8,0 12,8
Eine einzige Fabrik verarbeitet heute so viel Rüben wie früher deren 122 und gewinnt daraus über die