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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Afrika (Entdeckungsgeschichte)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Afrika (Entdeckungsgeschichte)'

erschloß endlich nach vielen frühern vergeblichen Versuchen der kühne und planvoll durchgeführte Zug von Pogge und Wißmann 1881–82. Beide erreichten Njangwe, Wißmann von dort aus die Ostküste. Pogge kehrte nach Mukenge zurück, wo er bis 1883 verblieb. Silva Porto, ein portug. Händler, hatte schon ein Jahr früher Baluba erreicht; doch blieb diese Reise bis 1886 völlig unbekannt. Man kannte jetzt eine Anzahl von Mündungen südl. Zuflüsse in den Kongo, man kannte den mittlern Kassai. Die Verbindung dieses mächtigsten Nebenflusses mit dem Hauptstrom durch vollkommen unerforschte Gebiete herzustellen, war das Werk der Expedition Wißmanns 1884 in Begleitung von François und Dr. Wolf. Daran schloß sich 1885–86 die Fahrt Dr. Wolfs auf dem Sankuru bis 6° südl. Br. Nachdem Stanley 1882 die Station Leopoldville am Stanley Pool gegründet hatte und Dampfbarkassen dorthin gebracht waren, konnte die Erforschung des Kongobeckens von diesem Punkte aus rasche und große Fortschritte machen. Stanley entdeckte 1882–83 den Leopold II.- und den Mantumbasee, deren Ufer und deren Verbindung unter sich und mit dem Kongo 1886 Grenfell und 1887 Bentley genauer untersuchten. Den Lulongo befuhren 1885 Grenfell und François, seinen Nebenfluß Lupori 1886 van Gèle. Lieutenant Kund und Tappenbeck gingen 1885 zu Land von Leopoldville aus nach Osten, überschritten den Kuango, Kuilu und Kassai, bis sie an den Oberlauf des Lukenje (Ikatta, Msini) kamen. Wißmann trat vom Stanley Pool seine zweite große Reise (1886–87) quer durch den Kontinent an; einen halbjährigen Aufenthalt im Lande der Baluba benutzte er zu wichtigen geogr. Ausflügen. Delcommune, früher thätig am Leopold II.-See, Lukenje und Sankuru, löste 1888 die schwierige Frage über die Identität des von Cameron entdeckten Lomami mit dem als Lubilasch in den Kongo mündenden Fluß, indem er diesen bis zum 4.° befuhr und damit zugleich feststellte, daß der Lomami Camerons nicht zum Stromgebiet des Sankuru gehöre, im Gegensatz zu Dr. Wolfs Annahme. Janssen stellte 1889 die Schiffbarkeit des Lomami bis 4° 27' südl. Br. fest und bewies dadurch, daß dieser Wasserweg die kürzeste und bequemste Verbindung zwischen dem Stanley Pool und Njangwe ermögliche. Nicht minder rührig waren Beamte des Kongostaates und Missionare am nördl. Ufer des mittlern Kongo: Stanley 1883 am Aruwimi bis Jambuja, Möller, Pagels und Gleerup 1883–86 am Hauptstrom, Hanssens 1884 am Mongalla und Itimbiri; Grenfell 1885 am Ubangi und Itimbiri; Baert 1886, Hodister 1889 am Mongalla. Zwei der bedeutendsten Flußexpeditionen wurden 1887 unternommen durch van Gèle, der auf dem Ubangi über die schon von Grenfell 1885 erreichten Songo-Stromschnollen nach Osten bis zum 23.° östl. L. vordrang und dadurch die Uellefrage endgültig löste, und vor allem durch Stanley, der den Lauf des Aruwimi nahezu bis zu seinen Quellen verfolgte, als er nach dem Albert-Njansa und obern Nil zog, um Emin Pascha zu befreien. Erst durch diese beiden Unternehmungen erhielten die frühern Forschungen Schweinfurths, Junkers, Luptons im Monbuttu-Lande und Dar Banda ihren wissenschaftlich befriedigenden Abschluß und durch Emin Paschas Reise mit Stuhlmann 1891 in das Quellgebiet des Ituri ihre noch notwendige Ergänzung. De la Kéthulle führte 1891–94 eine erfolgreiche Expedition vom ↔ Ubangi den Mbomu aufwärts bis nach Dar Fertit aus. Crampel überschritt als erster Europäer Anfang 1891 die Wasserscheide zwischen dem Ubangi und Schari, ihm folgte Ende 1891 Dybowski und 1892–93 mit dem größten Resultat Maistre. Zwischen Boma und Stanley Pool am untern Kongo beteiligten sich an der eingehendern Erforschung seit 1883: Bentley, Crudgington, H. H. Johnston, Pechuel-Lösche, Chavanne, Danckelmann, Comber. Savorgnan de Brazza und Ballay waren 1877 auf ihrem Marsch vom obern Ogowe zum Kongo an die Alima gekommen und hatten den Fluß stromabwärts verfolgt; Guiral erreichte 1881 von Franceville aus auf unbekannten Wegen den Stanley Pool und Rouvier 1886 von Brazzaville landeinwärts am nördl. Ufer den Ubangi. Cholet befuhr 1889 den Sangafluß bis zu 4° nördl. Br., dessen Oberlauf 1891 Fourneau und 1891–94 Brazza genauer erforschte. Wertvoll sind die kartogr. Aufnahmen des Kongo von Lenz, Oskar Baumann und Rouvier (1885–87).

e. Äquatoriale Westküste. In der Biafrabai regte von jeher das hochaufstrebende Kamerun-Gebirge zu Forschungsexpeditionen an. Die ersten Besteiger waren Burton und Man (1860–61); ihnen folgten 1877 Comber, 1879 Flegel, 1883–87 Knutson und Baldau, 1884 Zöller und Rogozinsky, 1887 H. H. Johnston. Das Delta des Kamerunflusses und die Nächstliegenden Landschaften durchstreiften und untersuchten 1872 Buchholz, Reichenow und Lühder (in zoolog. Beziehung), 1876–79 Grenfell und Comber, 1884 Buchner; als Touristen Rogozinsky, B. Schwarz und Zöller. H. H. Johnston drang landeinwärts auf dem Wuri (1886) und dem Rio del Rey (1887) vor. Nach mannigfach früher verunglückten Bestrebungen anderer gelang es endlich Kund, Tappenbeck und Weißenborn 1887 und 1888–89, den Urwaldgürtel des Batanga-Landes zu durchbrechen und das angrenzende Hochplateau zu betreten, das Lieutenant Morgen, nordwärts gehend, 1890 bis Adamaua und bis zum Binue erforschte; denselben Erfolg errangen im Norden, von der Barombi-Station am Elefantensee ausgehend, Zintgraff und Zeuner; Zintgraff erschloß 1889 Baliland und gelangte von hier nach Ibi am Binue, nach Jola, Gaschka und Takum in Adamaua. Eine Expedition zur Sicherung des Hinterlandes von Kamerun unter von Gravenreuth wurde nach seinem Tode von Ramsay 1892 bis zur Jaunde-Station und durch von Stetten über Tikar bis Jola fortgesetzt. Üchtritz und Passarge drangen 1893 östlich von Jola bis zur Landschaft Marua, an der Grenze von Bornu, vor. – Gabun und Ogowe blieben bis in die Mitte des 19. Jahrh. fast gänzlich unbekannt; was Bowdich 1817 über die Existenz eines Flusses Ogowe, und Bouët-Willaumez 1838 über die nächsten Umgebungen am Gabun berichteten, war sehr dürftig. Bahnbrechend wirkte Du Chaillu mit seinen Reisen (1851–65) im Innern der Küstenzone, längs des Ngunie, Orembo und am Ogowe, den er bis 12° 35' östl. L. von Greenwich verfolgte. Alle Anstrengungen galten von nun an der Erforschung des Ogowe: Burton, Reade 1861–62, Grifton und Serval 1862, Walker 1866, der den Ngunie genau verfolgte, Compiegne und Marche 1873–74. Lenz (1874–79), der zuerst von der Coriscobai den Muni erforschte, kam auf dem Ogowe bis zur Mündung des Sebe. Gekrönt wurde das Werk aller Vorgänger durch die Expedition

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 193.