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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Amerika (Geschichte. Eisenbahnwesen. Entdeckungsgeschichte)

besitzt a. in Nordamerika: das Dominion of Canada (bestehend aus den Provinzen Ontario und Quebec [früher Ober- und Niedercanada], Neubraunschweig, Neuschottland mit Kap Breton, die Prinz-Edward-Inseln, Manitoba, Britisch-Columbia und das Nordwest-Territorium, welches die frühern Hudsonbailänder umfaßt); ferner Neufundland, die Bermuda-Inseln, Britisch-Honduras (Belize) auf der Yucatan-Halbinsel; b. in Westindien: von den Großen Antillen Jamaika; ferner die Caymans-Inseln, die Turks- und Caïcos-Inseln, die Bahama-Inseln, die Virgin-Islands, St. Kitts (oder St. Christopher mit Anguilla), Nevis (mit Redonda), Antigua (mit Barbuda), Montserrat, Dominica; Sta. Lucia, St. Vincent, Grenada mit den Grenadinen, Barbados und Tobago, Trinidad; c. in Südamerika: Britisch-Guayana und die Falklandinseln; 2) Spanien: die Inseln Cuba und Portoriko; 3) Frankreich besitzt: St. Barthélemy, Guadeloupe, Martinique und kleine Eilande in den Kleinen Antillen; die Inseln St. Pierre und Miquelon an der Küste von Neufundland; sowie einen Teil Guayanas; 4) den Niederlanden gehören: die Antillen unter dem Winde Curaçao, Aruba, Buen-Ayre; die Antillen über dem Winde St. Martin, St. Eustatius, Saba; sowie ein Teil von Guayana (Surinam); 5) Dänemark gehören: Grönland und die virgin. Inseln Ste. Croix, St. Thomas und St. John.

Die Geschichte A.s s. unter den einzelnen Staaten. Eine Übersicht der territorialen Entwicklung derselben giebt die Karte: Geschichtliche Entwicklung der Staaten Amerikas.

Eisenbahnwesen. In A. hat sich das Eisenbahnwesen am meisten und schnellsten entwickelt; Ende 1893 bestanden bereits 360 415 km Linien gegen 310 755 km in den übrigen vier Erdteilen zusammen. Davon entfielen auf die Vereinigten Staaten 286 183 km, Britisch-Nordamerika 24 172 km, Neufundland 391 km, Mexiko 11 1121 km, Costa-Rica, Nicaragua, Guatemala, Salvador und Honduras zusammen 1000 km, Brasilien 12 000 km, Uruguay 1800 km, Chile 3100 km, Peru 1067 km, Ecuador 300 km, Vereinigte Staaten von Columbia 420 km, Bolivia 1000 km, Paraguay 253 km, Britisch-Guayana 35 km, Venezuela 950 km, San Domingo 115 km, Jamaika, Barbados, Trinidad, Martinique, Portoriko u. a. 736 km, und Cuba 1731 km; in Argentinien waren 13 450 km Eisenbahnen im Betrieb. Am dichtesten ist das Netz der Vereinigten Staaten von Amerika (s. d.), in denen auf 100 qkm Flächenraum 3,7 km und auf 10 000 E. 42,6 km Eisenbahnen kommen. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl besitzen auch die dünnbevölkerten Staaten A.s mehr Eisenbahnen als die der Alten Welt. Es haben auf 10 000 E. Eisenbahnen: Britisch-Nordamerika 50,0 km, Argentinien 31,1 km, Chile 9,7 km, Cuba 10,6 Km und Uruguay 22,7 km, dagegen (1893) Deutschland 8,8 km, Osterreich-Ungarn 6,8 km, England 8,6 km, Frankreich 10,3 km, Rußland 3,3 km, Italien 4,5 km und Spanien 6,5 km. In Mexiko und Brasilien hat das Eisenbahnnetz sich erst in den letzten Jahren mehr ausgedehnt, in Mexiko 1880-93 von 1120 km auf 11 112 km, in Brasilien von 3200 km auf 12 000 km. Besondere Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung des Erdteils haben die, zusammen etwa 32 000 km langen und von 13 verschiedenen Gesellschaften betriebenen sog. Überlandbahnen zwischen dem Atlantischen und Stillen Ocean gewonnen (s. Pacific-Eisenbahnen). Auch in Südamerika wird an den ersten Pacific-Eisenbahnen (hier Transandinische, auch Andenbahnen genannt) eifrig gearbeitet, so an der Vollendung der Bahnen zwischen Buenos-Aires und dem chilen. Eisenbahnnetz. Neuerdings hat sich der Panamerikanische Kongreß für die Herstellung einer Interkontinentalen Eisenbahn (s. d.) ausgesprochen. A. besitzt auch die höchst belegene Bahn der Welt, die in Peru von Lima nach Oroya in den Cordilleren führt. (S. Cordilleren-Eisenbahnen und Interkolonial-Eisenbahn.)

Die Spurweite der amerik. Bahnen, bei deren Bau man sich möglichst den Bodenverhältnissen anpaßte, ist selbst bei den Hauptbahnen noch heute sehr verschieden. Die Normal-(Voll-)Spur ist die gleiche wie bei den Eisenbahnen der übrigen Länder (4 Fuß 8½ Zoll englisch = 1,435 m). Außerdem finden sich Spurweiten von 0,763 m bis 1,678 m vor. Die brasil. Bahnen besitzen meist eine Spurweite von 1 m. Neuerdings sind mehrere Bahnen in normalspurige Bahnen umgebaut worden, so die südl. Bahnen der Vereinigten Staaten von 1,525 m auf eine der Vollspur fast gleiche Spurweite von 4 Fuß 9 Zoll, statt 4 Fuß 8½ Zoll. Auf der Eriebahn liegen drei Schienen; sie hat neben der Breitspur von 1,830 m auch die Vollspur von 1,435 m.

Das herrschende Eisenbahnsystem A.s ist das der Privatbahnen. In den Vereinigten Staaten, in Britisch-Amerika und in Mexiko bestehen gegenwärtig nur Privatbahnen, in den mittel- und südamerik. Staaten, besonders in Brasilien, Chile und Argentinien befinden sich auch viele Bahnen im Eigentum und der Verwaltung des Staates.

Nähere Angaben über die Eisenbahnen der einzelnen Länder und Staaten sind in den betreffenden Einzelartikeln enthalten.

Eine Zusammenstellung der wichtigsten amerik. Eisenbahnen, deren Papiere an deutschen Börsen gehandelt werden, s. auf der Tabelle S. 519.

Entdeckungsgeschichte. Das Verdienst, das amerik. Festland Europa zuerst erschlossen zu haben, gebührt dem Genuesen Christoph Columbus (s. d.), der auf seiner ersten Entdeckungsreise 12. Okt. 1492 Guanahani, eine der Bahama-Inseln, auffand, die er San Salvador nannte. Was das Altertum über ferne Länder im westl. Ocean berichtet, ist Fabel. Die Behauptung de Guignes' des Ältern, daß die Chinesen seit dem 5. Jahrh. n. Chr. A. gekannt, ist nicht völlig unwahrscheinlich, obwohl das Land Fusang, wohin der buddhistische Glaubensbote Hwischan gekommen sein will, Rinder und Pferde besessen haben soll, welche in A. erst im 15. Jahrh. eingeführt worden sind. Dagegen steht urkundlich fest, daß Normannen seit dem 10. Jahrh. Grönland bewohnt haben. Von Island aus wurde Grönland 982 durch Erik den Roten besucht und drei Jahre später besiedelt. Sein Sohn Leif, der 999 nach Norwegen gegangen und Christ geworden war, wurde, als er 1000 nach Grönland zurückkehrte, aus seinem Kurs nach Süden verschlagen und entdeckte die Ostküste von Nordamerika von Neuschottland bis Labrador. Der Waldreichtum und der wilde Wein im Süden erregten die Aufmerksamkeit der Normannen; aber von einer Ansiedelung war keine Rede, Leif kam noch im Herbste des J. 1000 nach Grönland zurück. Hier rüstete man sich, die Entdeckung zu verfolgen; aber der erste Zug, an dem auch der alte Erich teilnahm, schlug fehl, man erreichte das gesuchte Land nicht. So kam denn erst 1003 eine