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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bahnhöfe

sind Ausgänge, e Telegraphenamt, f', f'' Gepäckräume, g', g'' Postbureaus, h', h'', h''' Wartesäle erster Klasse und vorbehaltene Zimmer für den Hof, i Damenzimmer, k', k'' Wartesaal, l', l'' Bahnhofswirtschaft zweiter Klasse, m', m'' Wartesaal, n Bahnhofswirtschaft dritter Klasse, o Verwaltungsgebäude. Die Bahnsteige und Gleise sind wie bei den meisten größern Personenbahnhöfen mit Glashallen überdacht (s. Taf. III, Fig.2). Bei B. von geringerer Bedeutung ist vielfach nur eine Überdachung des Hauptbahnsteigs angeordnet (s. Taf. III, Fig. I).

Zu den Hochbauten gehören auch die zahlreichen, in der Regel mit Dienstwohnungen verbundenen Weichensteller- und Bahnwärterhäuser. Bei dem in Fig. 7 und 8, Taf. III, dargestellten Bahnwärterhause bezeichnet a den Flur, b die Küche, c Wohnstube, d Kammer, e Stall und f den Wachraum. Fig. 5 u. 6 zeigen einen Lokomotivschuppen (Heizhaus) in Ansicht und Grundriß. Die Verteilung der Lokomotiven auf die sternförmig angeordneten Gleise erfolgt durch eine Drehscheibe, während bei rechteckigen Schuppen mit parallelen Gleisen die Verteilung durch eine außen oder innen liegende Schiebebühne (oft mit Dampfbetrieb) bewirkt wird. Fig. 9 stellt den Querschnitt eines Güterschuppens dar.

Der älteste größere deutsche Bahnhof war der Leipziger Bahnhof zu Dresden (1839), der neben zwei Verwaltungsgebäuden aus einer 4 Gleise deckenden Halle von 50 m Länge, aus einem Maschinenhaus für 6 Maschinen, 2 Koksschuppen und 2 Güterschuppen von 36 und 25 m Länge bestand. Der Schlesische Bahnhof daselbst (1848) zeigte bereits eine Anlage zweier Empfangsgebäude zur Seite der 96 m langen, 4 Gleise überspannenden Halle. Der (frühere) Centralbahnhof zu München (1847) zeichnete sich zuerst durch künstlerische Formen aus. Im allgemeinen machte der Bahnhofsbau in Deutschland bis in die sechziger Jahre nur bescheidene Fortschritte. - Österreich, namentlich Wien, ging mit der Ausbildung seiner B. ihm anfangs voraus. Der Bahnhof (Kopfstation) der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn (1858-65) im roman. Stil (s. Taf. II, Fig. 1) zeigte zuerst eine großartigere Entfaltung (Kosten fast 2Mill. Fl.). Zur 5 Gleise überspannenden, 140 m langen, 32 m breiten Halle, welche mehrere Meter über Straßenhöhe liegt, führen prachtvolle Treppen. Das Erdgeschoß beherbergt die Gepäck-, das Hauptgeschoß die Warteräume. Die B. der Staatsbahn (Halle 166 m lang, 40 m breit), Südbahn (1868 erweitert; Halle 142 m lang, 36 m breit), Elisabethbahn (Westbahnhof, s. Taf. II, Fig. 2, Halle 161 m lang, 27 m breit), Franz-Josephbahn (1872 vollendet; Halle 139 m lang, 28,5 m breit), Nordwestbahn (1870-73; Halle 126 m lang, 39 m breit; Kosten 2½ Mil. Fl.)sind gleichfalls als Kopfstationen angelegt. Ähnliche B. befinden sich zu Prag (Staatsbahnhof, Franz-Josephsbahnhof), zu Budapest (Centralbahnhof der Ungar. Staatsbahnen, s. Taf. II, Fig. 3) u. s. w. - In England mußten die Hallen noch weiter gespannt werden als in Österreich, da nicht nur 4-5 Gleise, sondern auch Zufuhrstraßen für Droschken, Omnibusse in sie verlegt werden. Der gewaltige Verkehr, die zur Bewältigung desselben sich ständig nötig machenden Hinderungen und anderes bewirken aber, daß man durch die Londoner B. nicht in gleicher Weise einen künstlerischen Eindruck gewinnt, wie durch die Wiener B. Bestimmend für ihre äußere Gestaltung ist der Umstand, daß sie meist inmitten der Stadt liegen und mit großen Hotels in Verbindung stehen. Großartige Bauten dieser Art sind die Charing-Croß-Station (Halle 166 m laug, 50 m breit), die Cannonstreet-Station (Halle 200 m lang, 58 m breit, 33 m hoch) und die St. Pancras-Station, deren Halle (Taf. IV, Fig. 2) eine Länge von 210 m, eine Breite von 73 m und eine Höhe von 30,5 m besitzt. Ähnliche B. finden sich in den großen engl. Städten, 10 in Manchester, Liverpool u. s. w. - Die Pariser B. vermögen den Vergleich mit den Londoner nicht auszuhalten. Die Gare de l'Est ist eine künstlerisch reizvolle, aber räumlich bescheidene Anlage, die Gare du Nord (1863), mit gewaltiger Facade, dreiteiliger Halle, gehört zu den vornehmsten Werken dieser Art.

Die deutschen B. nehmen in neuerer Zeit die hervorragendste Stellung ein. Für die Bahnhofsanlagen der Preuß. Staatsbahnen sind seit 1876 weit über 120 Mill. M. bewilligt worden. Der größte Bahnhof in Deutschland, und wohl auch einer der bedeutendsten der Welt, ist der neue Hauptbahnhof (Kopfstation) zu Frankfurt a. M., seiner Zeit auf rund 25 Mill. M. veranschlagt. Auf Taf. I, Fig. 1 und 2, ist die Hauptfacade des Empfangsgebäudes und das Innere der Hallen veranschaulicht; Taf. IV, Fig.1, zeigt den Grundriß. 18 Gleise führen, 9 Personenbahnsteige umschließend, nach dem Kopfsteig. Die hierfür beanspruchte Fläche ist 168 m breit und 330 m lang; 186 m Länge sind von Hallen überspannt, die in drei Einzelhallen von je 56 m Weite und 29 m Höhe zerfallen. Das Empfangsgebäude ist über 200 m breit; die Eingangshalle ist 30 m breit, 55 m tief, 25 m hoch und in Eisen ausgeführt. Auf Taf. III, Fig. 10, ist der neue, über 19 Mill. M. kostende Bahnhof (Durchgangsstation) zu Hannover im Grundriß dargestellt. Neue großartige Bahnhofsanlagen befinden sich in Düsseldorf. Die Herstellungskosten des neuen großen Centralbahnhofs in Köln überschreiten den Betrag von 30 Mill. M. Auch Erfurt hat seit 1894 einen großen Centralbahnhof. Von größern B. in Berlin sind zu erwähnen der Potsdamer (1870-72; Halle 172 m lang, 36 m breit), der Lehrter (1869-71; Halle 188 m lang, 39 m breit) und der auf Taf. I, Fig. 3, abgebildete Anhalter Bahnhof (Halle 167 m lang, 60 m breit und 34 m hoch). Von den beiden 207 m langen Hallen des Schlesischen Bahnhofs in Berlin ist die eine 55 m breit, 17 m hoch, die andere 37 m breit, 24 m hoch. Der neue Centralbahnhof in Münch en ist ein mächtiges Bauwerk mit einfacher, nur durch Säulen getrennter Halle, die bei 142 m Länge 150 m breit ist und 16 Gleise überdeckt. - Nachstehend folgen noch die Abmessungen der Personenhallen einiger anderer größerer B. des In-und Auslandes.

1) Oldenb. Staatsbahn zu Oldenburg, 205 m lang, 19 m breit.

2) Württemb. Staatsbahn zu Stuttgart, jede Halle 166 m lang, 29 m breit.

3) Centralbahnhof zu Zürich, 169 m lang, 50 m breit.

4) Fenchurch-Streetstation zu London, 180 m lang, 48½ m breit.

5) Paddingtonstation zu London, 213 m lang, 73 m breit.

6) King-Croßstation zu London, 245 m lang, 64 m breit.

7) Lime-Streetstation zu Liverpool, 115 m laug, 47 m breit.

8) Bahnhof zu Manchester, 215 m lang, 34½ m breit.

9) Bahnhof zu Birmingham, 256.m lang, 68 m breit.

10) Paris-Lyon-Mittelmeerbahn zu Paris, 220 m lang, 43 m breit.

11) Bahnhof St. Lazare zu Paris, 94 m lang, 125 m breit (26 Gleise).

12) Franz. Nordbahn zu Paris, 180 m lang, 70 m breit.

13) Orleansbahn zu Paris, 280 m lang. 51 m breit.