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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Diakonus - Dialekt
stimmte für sie das Lebensalter von 40 Jahren.
Mit dem Aufkommen eines geistlichen Standes ver-
schwand allmählich dies Amt. Die Nonnen traten
an Stelle der D. Nach der Reformation nannte
man in der reform. Kirche häusig ältere Pflege-
rinnen von Wöchnerinnen und Kranken D. Im
19. Jahrh, erneuerte Pfarrer Fliedner in Kaifers-
werth für die prot. Kirche das Diakonissenamt nach
dem Muster der kath. Barmherzigen Schwestern und
schulte feit 1836 D. zur Armen- und Krankenpflege,
zur Kindererziehung und Lehrerinnenbildung. Sein
Diakonissenhaus ist für zahlreiche Diakonissenanstal-
ten (s. d.) vorbildlich geworden. Die Schwestern,
die beim Eintritt 18 - 36 Jahre alt fein müssen,
haben eine längere oder kürzere Probezeit zu bestehen,
ehe sie in den Verband aufgenommen werden. Sie
machen einen mehrjährigen Kurfus durch, entweder
auf den Krankenstationen oder in dem Seminar,
sind an eine feste Hausordnung gebunden und
zum Gehorfam verpflichtet. Sind sie nach ihrer
Prüfung zum Dienst eingesegnet, fo verwendet sie
die Anstalt teils auf eigenen Stationen, teils im
Gemeindedienft, in Krankenhäufern u. s. w. Der
Austritt aus dem Verbände ist jederzeit gestattet,
auch der Eintritt in die Ehe unverwehrt. Sie haben
ihre besondere Tracht, und nach treuen Diensten
erlangen sie Ansprüche auf Versorgung im Alter
und im Falle der Invalidität. Geld und Geschenke
anzunehmen ist ihnen verboten. Man zählte 1892
64 Mutterhäuser, 2774 Stationen und 8478 prote-
stantische D. Die jährlichen Einnahmen betrugen
über 7^ Mill. M. In den Kriegszeiten haben sie
sich ungeteiltes Lob erworben.
Neben diesen Anstaltsdiakonissen giebt es auch Ge-
meindeschwestern, die auf eigene Kosten oder auf
Kosten einer Gemeinde, in deren Diensten sie nun
stehen, sich der Armen- und Krankenpflege widmen,
oder in Kinderbewahranstalten, Krippen u. a. wirken.
Außerdem sind in neuerer Zeit in Deutfchland und
der Schweiz Anstalten zur Ausbildung von Kran-
kenpflegerinnen für Krieg und Frieden ohne kon-
fessionell kirchlichen Charakter eingerichtet worden.
Dahin gehören die Schwestern vom Roten Kreuz
(s. d.). - Vgl. Wacker, Der Diakonissenberuf (2. Aufl.,
Gütersloh 1891); F. von Meyer, Von den D. und
ihrem Beruf (3. Aufl., Münch. 1892).
Diakonus, Diakon (grch., "Diener"), fchon
im Neuen Testament (Phil. 1, i; 1 Tim. 3, 8 fg.) der
Titel für gewiffe, den Gemeindevorstehern unter-
geordnete Gemeindebeamte, welche bei der Aus-
teilung des Abendmahls zu helfen und für die
Ordnung beim Gottesdienste zu sorgen hatten. Da
man ihre Einfetzung in der Wahl der sieben Armen-
pfleger, Apostelgesch. 6, i fg., zu finden glaubte,
übertrug man ihnen auch die Armen- und Kranken-
pflege und hielt gewöhnlich die Siebenzahl für sie
fest. Allmählich erweiterte sich ihr Wirkungskreis
fo, dah eine weitere Gliederung unter ihnen ein-
trat: Archidiakonus (s. d.), D., Subdiakonus
(s. d.). Den Diakonen verblieben bestimmte gottes-
dienstliche Gefchäfte und wie die Presbyter den
Priestern, fo wurden sie den Leviten gleichgestellt.
Dem entsprechend bildet in der katholischen
Kirche noch jetzt der Diakonat als der dem Pres-
byteriat zunächst vorangehende Weihegrad die letzte
Vorstufe für den Priesterstand (s. 0läw68). In be-
treff des Cölibats gelten für die Diakonen dieselben
Vorschriften wie für Priester; zur Erlangung des
Diakonats ist zurückgelegtes 22. Lebensjahr erfor-
derlich. Dah die Weihe zum D. schon sakramentalen
Charakter trägt, wird bestritten. (Vgl. Seidl, Der
Diakonat in der röm. Kirche, Regensb. 1884.) In
der lutherischen Kirche führen die neben den
Pfarrern (s. d.) angestellten Geistlichen häufig den
Titel D. (auch deutfch "Helfer"); wenn sie auch hier
und da nach befonderer Ordnung bestimmte geist-
liche Amtshandlungen, z.V. die Konfirmation, nicht
zu verrichten haben, fo besitzen sie doch ebenso wie
die Pfarrer die Vollmacht für alle geistlichen Hand-
lungen. Die reformierte Kirche hat das Amt
der Diakonen wefentlich in dem altkirchlichen Sinne
erneuert und den Pastoren und Presbytern (s. d.)
Diakone als die Verwalter der Armen- und Kran-
kenpflege an die Seite gesetzt. - In neuerer Zeit ist
der Gedanke angeregt worden, solch ein besonderes
Diakonenamt für kirchliche Liebesübung auch in den
deutsch-luth. und unierten Kirchengebieten herzu-
stellen; den Namen Diakon gebraucht man schon jetzt
nicht selten zur Bezeichnung solcher Männer, die be-
rufsmäßig im Dienste der Innern Miffion (s. d.)
beschäftigt sind, als Laiengehilfen in der Armen-,
Kranken-,Gefangenenpflege dienen. Felddiakonen
heißen dieselben, sofern sie den Dienst der Barmher-
zigkeit aufSchlach tfeldern und in Lazaretten verfehen.
Diakope (grch.), Hiebwunde, namentlich im
Schädel; Längsbruch eines Knochens.
Diakovür, flaw. Djakovo, polit. Gemeinde
und Hauptort des Stuhsbezirks D. (38377 E.) im
ungar. Komitat Virovititz (Veröcze) in Kroatien-
Slawonien, ist Sitz eines röm.-kath. Bifchofs (Vi-
fchof von D. und Syrmien) und hat (1890) 9127
meist röm.-kath. E. (102 Griechifch-Katholische und
373 Israeliten; 6006 Serben, 2171 Deutsche, 718
Magyaren), in Garnison die 6. Eskadron des 12. un-
gar.-kroat.-slawon.Nlanenregiments "Franz II., Kö-
nig beider Sicilien", Post, Telegraph, Sparkasse,
schöne Kathedrale, vom Bischof Stroßmayer durch
den Professor Rösner in Wien im roman. Stil erbaut
und 1883 eingeweiht, prächtigen lnfchöfl. Palast, Ka-
pitelgebäude, Nonnenkloster, Gymnasium, Seminar
und Kavalleriekaserne. Der Bischof von D. führt
auch den Titel eines Bischofs von Bosnien.
Diakowa, ^tadt in Albanien, s. Djakova.
Dmkrlse (grch.), Sonderung, Scheidung, Unter-
scheidung, namentlich von Krankheiten.
Diakritische Zeichen, Unterscheidungszeichen
für die richtige Ausfprache der Wörter, wie z. B. im
Hebräischen der Punkt, welcher das Sin vom Schin
unterscheidet.
Diaktinismus (grch.), die Durchdringbarkeit der
Körper für chemifch wirksame (aktinifche) Lichtstrah-
len, sehr verschieden von dem Grade der Durchsichtig-
keit und am vollkommensten bei Wasser und Eis,
Bergkrystall, farblosem Flußspat und Steinsalz.
Dialökt (grch.), Mundart, bisweilen Bezeich-
nung für die Gefamtsprache einer bestimmten Volks-
genossenschaft im Gegensatz gegen die Sprache an-
derer Völker (s. Idiom), gewöhnlich versteht man aber
darunter kleinere Ausschnitte aus der Gesamtsprache
eines Volks, wie man z. V. die Sprache der Schwa-
ben einen D. des Deutschen nennt. Es ist jedoch un-
möglich, zwischen D. und Sprache eine scharfe Grenze
zu ziehen. Man kann z. B. das Niederländische einer-
seits einen deutschen D. nennen, wenn man nur auf
das sprachliche Verhältnis Rücksicht nimmt, anderer-
seits eine selbständige Sprache, wenn man die polit.
Selbständigkeit des Volks und die niederländ. Litte-
ratur im Auge hat. Indemman alle german.Sprachen