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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dinslaken - Dio Cassius
der Nasenhöhlen, des Hinterhauptgelenks u. s. w.
dein)enigen der Seekühe sehr ähnlich sieht, so wurde
das v. von vielen Naturforschern sür ein Wasser-
tier, ähnlich den pflanzenfressenden Wattieren ge-
balten; seitdem aber Reuß in Böhmen neben andern
Teilen des Skeletts die fast vollständigen Fußknocken
auffand, kann es nur als ein Rüsseltier betrachtet
werden, welches den Mastodonten und Elefanten
näher verwandt war.
Dinslaken, Stadt im Kreis Ruhrort des preuß.
Neg.-Bez. Düsfeldorf, an der Linie Oberhauscn-
Emmerich der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890)
3665 E., darunter 1029 Katholiken und 200 Israeli-
tcn, Post, Telegraph, Amtsgericht (Landgerickt
Duisburg), kath. Kranken-, israel. Waisenhaus,
Vorschußverein; Eisenwalzwerk, 4 Lohgerbereien,
Fabrikation von Cigarren (6 Fabriken), Lack und
Firnis, Kohle für elektrifche Bogenlampen (Nheinif^c
Kohlestiftfabrik für elektrische Lichtbogenlampen),
Blutegelzucht, Ackerbau und bedeutende Viehmärkte.
Dinte, s. Tinte.
Dintel, Fluh in der niederländ. Provinz Nord-
brabant, entsteht bei Breda durch die Vereinigung
der Großen Aa und Mark, und mündet nördlich von
Dinteloord (Prmfenlcmd) in die Maas.
Dinier, Ctmstian Fricor., Pädagog, geb. 29.
Febr. 1760 zu Borna, besuchte die Fürstcnschule zu
Grimma, studierte seit 1780 auf der Universität zu
Leipzig Theologie und Pädagogik, wurde 1787
Pastor zu Kitzscher bei Vorna und übernahm 1797
die Direktion des Schullehrcrseminars zu Friedrichs-
stadt-Dresden, mit der zugleich das Rektorat eiuer
Elementarschule verbunden war. 1807 wurde er
Pastor zu Görnitz bei Borna, wo er auch ein
Progymnasium gründete, 1816 Doktor der Theo-
logie und preuß. Konsistorial- und Schulrat zu
Königsberg, 1822 Professor der Theologie und starb
daselbst 29. Mai 1831. D. besaß die Gabe vorzüg-
licher Klarheit und steter Berücksichtigung des Prak-
tischen beim Unterricht. Er war ein Meister der
^okratischen Methode, mit der er lange Zeit die
Volksschule, besonders den Religionsunterricht in
rationalistischem Geiste beherrschte. Das Seminar
in Dresden stand unter seiner Leitung in hoher
Blüte. Sein praktischer Sinn machte es ihm mög-
lich, seinem Amte in Königsberg, das eine Zu-
sammensetzung der verschiedenartigsten Geschäfte
war, mit Erfolg vorzustehen. Am bedeutendsten
wirkte er als Schriftsteller. Seine Werke sind zuerst,
meist ohne seinen Namen, zu Neustadt an der Orla
erschienen. Zu nennen sind besonders: "Die vor-
züglichsten Regeln der Katechetik" (1802; 13. Aufl..
Planen 1862), "Die vorzüglichsten Regeln der
Methodik, Pädagogik und Schulmeistertlugheit"
(1806; 7. Aufl. 1836), "Kleine Reden an künftige
Volksschullehrcr" (4 Bde., 1803-5; 3. Aufl. 1337
-38), "Predigten zum Vorlesen in Landkirchcn"
(1809 u. ö.), "Anweisung zum Gebrauche der Bibel"
(3 Bde., 18 l4-15), "Ma'lwma, ein Buch sür Mütter"
(!818; 5. Aufl.,Plauen 1860), "Unterredungen über
die Hauptstücke des luth. Katechismus" (13Tle., 1806
-23 u. ö.), "Schullchrerbibel" (9 Bde., 1826-30),
"D.s Leben, von ihm selbst beschrieben" (1829; neu
hg. von Niedergesäß, Wien 1879). D.s sämtliche
Schriften gab Wilhelm (43 Bde., Neustadt 1840-
51), D.s ausgewählte Schriften Seidel (2 Bde.,
Langensalza 1880-81) heraus. - Vgl. Amelungl,
D.s Grundsätze, kurz zusammengestellt und päda-
gogisch gewürdigt (Plaucn 1881).
Dinzenhofer, Baumeister, s. Dientzenhoser.
Dio (grch. Dion), Coccejanus, wie er sich wohl
wegen seiner Beziehungen zu Nerva (Marcus Coc-
ccjus) nannte, während er von seiner Wohlredenheit
den Beinamen (5hrysostomus (d.i. Goldmund)
erhielt, ein griech. Rhetor, war zu Prusa in Vi-
thynieu um 50 n. Chr. geboren. Er erwarb sich
seine Bildung namentlich durch Studien an den
.hauptsitzen der Litteratur und Kultur und durch
größere Reisen und lebte dann zuerst in seiner
Vaterstadt, später in Rom, wo er mit Vespasian be-
freundet war. D. mußte aber unter Domitian Rom
und Italien verlassen, worauf er große Reisen an
der Nordküste des Schwarzen Meers machte. Die
dort wohnenden Geten schilderte er in einem jetzt
verlorenen Werke, betitelt "ttotica". Nach der Thron-
besteigung Nervas, mit dem er befreundet war,
kehrte er nach Rom zurück und lebte hier, auch von
Trajan hochgeschätzt, mit Ausnahme eines kürzern
Aufenthalts in Prusa bis zu seinem Tode (117
n. Chr.). Er hielt als Wauderredner in Rom wie in
seiner Vaterstadt und auf seinen Reisen mit großem
Beifall Vorträge. Erhalten sind von ihm noch 80
Reden, von denen aber nur ein Teil wirklich die
Form von Reden hat, während die andern Auf-
sätze moralischen oder littcrar.-ästhetischen Inhalts
sind. Die Sprache ist den besten attischen Mustern,
namentlich Xenopbon und Platon glücklich nachge-
bildet. Unter den ältern Ausgaben ist die von Reiste
(2 Bde., Lpz. 1784) hervorzuheben. In neuerer Zeit
lieferten Ausgaben Empcrius (Vraunfchw. 1844),
L. Dindorf (2^Bde., Lpz. 1857) und I. von Arnim
(Berl. 1893).
Dio, Juan de, s. Barmherzige Brüder.
Diobölon ("doppelter Obolos",s.Obolos), griech.
Geldstück von 10 Lepta (s. Drachme).
viooa.08a.roa., röm. Name für Sepphoris (s. o.).
Dio Cassius, eigentlich Cassius Dio Cocce-
janus, griech. Historiker, geb. um 160 n. Chr. zu
Nicäa in Bithynicn, stammte mütterlicherseits von
Dio Chrysostomus ab. 190 saß er bereits im Senat
und wurde 221 zum ersten-, 229 zum zweitenmal
Konsul. Infolge der Strenge, die er als militär.
Befehlshader gezeigt hatte, ward er von den Prä-
torianern bedroht, sodaß er auf den Rat des Kaisers
Alexander Severus während seines zweiten Kon-
sulats aus Rom sich entfernte. Bald darauf zog er
sich in seine Vaterstadt zurück. Sein Geschichtswerk,
dem er, wie er selbst sagt, 22 Jahre widmete, nämlich
10 Jahre der Sammlung, 12 der Ausarbeitung des
Stoffs, enthielt die röm. Geschichte von der Grün-
dung Roms bis 229 n. Chr. in 80 Büchern. Er-
halten sind aber nur das 37. bis 59. abgesehen von
einigen Lücken vollständig, das 36. und 60. unvoll-
ständig, außerdem ein Teil des 35. und das 36. bis
80. im Auszüge des Ioannes Aiphilinus; dazu
kommen zablreiche Fragmente namentlich in den
Excerpten des Konstantmos Porphyrogennetos und
die im 12. Jahrh., was die röm. Geschichte angeht,
größtenteils aus D. C. excerpierte Weltgeschichte des
^onaras. D. C.' Werk ist für die Geschichte der letzten
^eit der Republik und die der ersten Jahrhunderte
der Kaiserzeit eine dcr wichtigsten Quellen. Beste
Ausgabe von I. A. Fabricius und Reimarns
(2Bde.,Hamb. 1750-52; neu bearbeitet von Sturz,
9 Bde., Lpz. 1824 - 43), neuere Handausgaben
von I. Bekker (2 Bde., Lpz. 1849) und L. Din-
dorf (5 Bde., ebd. 1863-65; neue Bearbeitung von
Melber, Bd. 1, ebd. 1390). Deutsche Übersetzungen
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