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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dogmatiker - Dohm (Christian Wilhelm von)
D. von Melanchthon bis Schleiermacher (Lpz. 1842); Gaß, Geschichte der protestantischen D. (4 Bde., Berl. 1854-67); Frank, Geschichte der prot. Theologie (3 Bde., Lpz. 1862-75); Heppe, D. des deutschen Protestantismus im 16. Jahrh. (3 Bde., Gotha 1857); Schweizer, Die prot. Centraldogmen in ihrer Entwickelung innerhalb der reform. Kirche (2 Bde., Zür. 1854-56); Schwarz, Zur Geschichte der neuesten Theologie (Lpz. 1856; 4. Aufl. 1869). (S. Dogmengeschichte.)
Dogmatĭker, Anhänger des dogmatischen Verfahrens, Vertreter des Dogmatismus (s. Dogma); auch Lehrer oder Darsteller der Dogmatik (s. d.).
Dogmātisch, Dogmatismus, s. Dogma.
Dogmengeschichte, die wissenschaftliche Darlegung des geschichtlichen Entwicklungsganges der christl. Glaubenslehre. Das einheitliche Princip dieser Entwicklung ist das religiöse Princip des Christentums, oder die christl. Heilsidee, wie dieselbe allmählich in der Kirche erkannt und zum Teil unter langen Schwankungen und innern Kämpfen lehrhaft ausgeprägt worden ist. Die einzelnen Momente der christl. Heilsidee, in einzelnen lehrhaften Aussagen niedergelegt, sind die Dogmen, zu deren Entstehung immer zwei Momente zusammenwirkten, das unmittelbare religiöse Bewußtsein als solches oder die eigentümliche Grundbestimmtheit der Frömmigkeit in irgendeiner bestimmten Beziehung, und die von der jedesmaligen Weltanschauung mehr oder minder abhängige Reflexion über die im unmittelbaren Bewußtsein als solchem enthaltene religiöse Erfahrung. Die Veränderung und Fortbildung der Dogmen ist daher einerseits durch die innere Entwicklung des religiösen Erfahrungsgehalts als solchen, andererseits durch die Gesamtentwicklung der geistigen Bildung einer Zeit überhaupt und des philos. Denkens insbesondere bedingt. Da aber auch in einer und derselben Zeit verschiedene geistige Richtungen und wissenschaftliche Bildungsstufen nebeneinander bestehen, muß die D. auch die Mannigfaltigkeit nebeneinander geltend gemachter dogmatischer Anschauungen, namentlich sofern sie von verschiedenen Teilkirchen und Sekten ausgebildet worden sind, entwickeln. Während die D. früher nur beiläufig in der Dogmatik und besonders in der Kirchengeschichte abgehandelt wurde, ward sie in neuerer Zeit eine selbständige Wissenschaft. Sie ist vorzugsweise von Protestanten bearbeitet worden; dagegen hat sie in der kath. Kirche, weil diese in der D. die Einheit des Glaubens gefährdet sieht, keine Berechtigung. Nachdem durch Ernesti, Semler, Beck u. a. die Bahn gebrochen war, unternahm die Bearbeitung derselben in größerer Ausführlichkeit zuerst Münscher im Handbuch der christlichen D. (4 Bde., Marb. 1797-1809). Hatte dieses Werk die kritische Prüfung und Sichtung des Stoffs zum Hauptzwecke, so versuchte Baumgarten-Crusius in seinem Lehrbuch der christlichen D. (2 Bde., Jena 1831-32) und in seinem Kompendium der christlichen D., Abteil. 1 (Lpz. 1840), den Stoss zu einer gegliederten Einheit zu verarbeiten. Außerdem sind zu nennen die Lehrbücher von Mimscher Warb. 1811; 3. Aufl. von Neudecker, Cass. 1838), Engelhardt (2 Bde., Neustadt a. d. A. 1839), Hagenbach (2 Bde., Lpz. 1840-41; 6. Aufl. von Bemath 1888), F. C. Meier (Gießen 1840; 2. Aufl. 1854), Thomasius (2 Bde., Erlangen 1874-76; 2. Aufl. 1885-89) und vor allen von J. C. Baur (Stuttg. 1846; 3. Aufl., Lpz. 1867), Fr. Nitzsch (Bd. 1, Berl. 1870), A. Harnack (3 Bde., 2. Aufl., Freiburg 1888-90), dessen Grundriß (2. Aufl., ebd. 1893), der Leitfaden von Loofs (3. Aufl., Halle 1893) sowie Gieselers D. (Bd. 6 vom Lehrbuch der Kirchengeschichte, hg. von Redepenning, Bonn 1855); ferner Neander (Theol. Vorlesungen, Abteil. 1, hg. von Jacobi, 2 Bde., Berl. 1857), J. C. Baur (Vorlesungen über christliche D., hg. von F. F. Baur, 3 Bde., Lpz. 1865-67) und Landerer (neueste D. von Semler bis auf die Gegenwart, hg. von Zeller, Heilbronn 1881).
Dognácska (spr. dógnahtschka), Groß-Gemeinde im Stuhlbezirk Bogsán des ungar. Komitats Krassó-Szörény, an einem rechtsseitigen Nebenflüßchen des Karas, südöstlich von Resiczabanya, hat (1890) 3498 E. (2149 Rumänen, 1215 Deutsche), Post, Bergbau auf Kupfer, Zink, Blei, Eisen und Silber, Marmorbrüche, Eisenhämmer und Hüttenwerke.
Dohle (Kanal), s. Durchlaß.
Dohle, eine zur Familie der Rabenvögel (Corvidae) gehörige Vogelart, welche im System den Namen Dohlenrabe (Monedula turrium Bschm.) führt und unter den deutschen Rabenarten die kleinste ist, da sie kaum die Größe einer Taube und etwa eine Länge von 21 cm hat. Sie unterscheidet sich von den andern Raben durch den kurzen, starken, oben wenig gebogenen Schnabel, ist schwarz, am Unterleibe schwarzgrau, am Oberhalse aschgrau und am Grunde des Halses beiderseits mit einem weißgrauen Flecken gezeichnet. Die D. finden sich in Europa und Asien häufig, wo sie gesellschaftlich nisten und besonders gern auf Türmen und andern hohen Gebäuden wohnen. Sie wandern im Spätherbst nach Süden und kehren zeitig im Frühjahr wieder. Sie lernen einzelne Worte vernehmlich nachsprechen, auch die Töne mancher andern Tiere nachahmen, und nützen vielfach durch die Vertilgung von Insekten, Insektenlarven, nackten Schnecken, Feldmäusen u. dgl., welche ihnen zur Nahrung dienen. Die gezähmten D. haben mit Raben, Elstern und Hähern die Gewohnheit, glänzende Sachen wegzutragen und zu verstecken, gemein. Die 4-5 Eier der D. sind blaugrünlich, schwarzbraun und aschgrau getüpfelt. Die Nestjungen ähneln im Geschmacke jungen Tauben.
Döhlen, Dorf in der Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, 1 km im SW. von Potschavpel, im Plauenschen Grunde, Mittelpunkt des großen Steinkohlenbergbaues im Plauenschen Grunde, hat (1890) 2948 (1531 männl., 1417 weibl.) E., darunter 240 Katholiken, Amtsgericht (Landgericht Dresden); Gußstahlfabrik (564 Arbeiter, 20 Dampfkessel), Glashütte (583 Arbeiter), ferner Fabrikation von Chemikalien, Maschinen, Chamotte- und Thonwaren, feuerfesten Holzes (Hylolith) und Spirituosen. Die Güter D. mit Zaukeroda und Weißig sind vom Staate angekauft. Unter Zaukeroda beginnt der zur Ableitung der Grubenwässer des königl. Steinkohlenwerks dienende, bei Brießnitz in die Elbe mündende, 1817-36 mit einem Aufwand von 466218 Thlr. erbaute, 5864 m lange Elbstollen.
Dohlenrabe, s. Dohle.
Dohm, Christian Wilhelm von, Staatsmann und Historiker, geb. 11. Dez. 1751 zu Lemgo, war kurze Zeit Hofmeister der Söhne des Prinzen Ferdinand von Preußen, gab dann in Göttingen zusammen mit Boie das "Deutsche Museum" heraus, zu welchem er auch später, als er die Mitredaktion auf-^[folgende Seite]