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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dolgorukij (Katharina Michailowna) - Dolichotis
Jakob Feodorowitsch D., geb. 1639, wurde
1687 als Gesandter nach Frankreich und Spanien
gesandt, geriet nach der Schlacht von Narwa in
schwed. Gefangenschaft. 1710 befreit, wurde er vom
Zar zum Mitglied des neuerrichtcten Senats er-
nannt. Er starb 5. Juli 1720. - Sein Leben beschrieb
Tyrtow (2 Bde., Moskau 1807-8).
Wassilij Wladimirowitsch D., geb. 1667,
erwarb sich das Vertrauen Peters d. Gr. und er-
hielt bereits im Türkenkriege 1711 den Andreas-
orden. Am 22. Okt. 1709 unterzeichnete er das
Bündnis mit Friedrich IV. von Dänemark; 1716
vertrat er gegen die Stadt Danzig die maßlosen
Ansprüche Peters d. Gr. Trotzdem unterlag er
1718 den Intriguen Menschikows; als angeblicher
Anhänger des Zarewitsch Alexej wurde er ins Exil
geschickt. Katharina I. begnadigte ihn, Peter II. !
erhob ihn zum Generalfeldmarschall. Von der
Kaiserin Anna wurde er wieder verbannt, von Eli-
sabeth zurückgerufen und an Stelle Münnichs zum
Vorsitzenden des Kriegskollegiums ernannt. Er
starb 22. Febr. 1746.
Wassili! Lukitsch D., war 1700-6 seinem
Oheim Wassilis Feodorowitsch, der Gesandter in
Polen war, beigegeben, vertrat sodann Rußland
13 Jahre lang am dän. und 1716-23 am franz.
Hofe in Versailles. Unter Peter II. wurde D. Mit-
glied des Geheimen Rates, nach dem Tode des
jungen Kaisers verband er sich mit den Galizyns.
Er zuerst machte den Vorschlag, die Kaiserkrone
Anna Iwanowna anzutragen. Mit dem Fürsten
Galizyn und dem Generalmajor Leontjew brachte er
Anna zur Annahme der die wesentlichsten Zerrscher-
rechte beseitigenden Urkunde vom 8. Febr. 1730.
Nachdem die neue Kaiserin 19. März die ihre selbst-
herrschaftliche Macht fesselnden Bedingungen be-
seitigt, wurde D. nach Archangel verbannt und
erlag schließlich dem Schreckensgericht, das Viron
zur Sicherstellung der eigenen Zukunft für den
Todesfall der Kaiferin Anna über die aus ihren
Verbannungsorten herbeigeholten D. in Nowgorod
verbängte. Dort wurde D. 6. Nov. 1739 enthauptet.
Alexej Grigorjewitsch D. und dessen Sohn
IwanAlerejewitsch suchten durch Verführungs-
tünste jeder Art den unmündigen Kaiser Peter II.
an sich zu fesseln; ihre Wünsche schienen ihrer Er-
füllung nahe zu sein, als ersterer 11. Dez. 1729 seine
Tochter Katharina mit Peter II. verlobte. Allein an
dem zur Vermählung festgcfetzten Tage starb der
Kaiser, und unter der Kaiserin Anna verloren beide
ihre Würden und ihr Vermögen. Alexej starb wahr-
scheinlich auf dem Wege nach Sibirien; Iwan
Alexejewitfch wurde zusammen mit Wassilij Lukitsch
D. 6. Nov. 1739 in Nowgorod hingerichtet.
Wassilij Michailowitsch D., geb. 1722, be-
fehligte unter Katharina II. im russ. Heere und er-
oberte 1771 in wenig Tagen die Krim, wesbalb er den
Beinamen Krimskij erhielt. Er starb 10. Febr. 1782.
Als Dichter hat Iwan Michailowitsck D.,
geb. 18. April 1764, gest. Dez. 1823 in Petersburg,
sich einen geachteten Namen gemacht. Seine Ge-
dichte (Petersb. 1806; neue Aufl., 2 Bde., 1849)
zeichnen sich durch Vaterlandsliebe aus. Auch seine
1788 begonnenen Memoiren sind lesenswert.
Peter Wladimirowitsch D., geb. 1807 zu
Moskau, machte sich zuerst durch eine Geschichte
seiner Familie ("ska^u^'H 0 i-oäö kiijlr?6^ I).",
Petersb. 1840) und eine Sammlung russ. Genea-
logien (ebd. 1840-41) bekannt, denen er in franz.
Sprache eine "Xotics 8iir 163 princiMi68 famiiies
äs lg, Ilu88i6" s unter dem Pseudonym d'Almagro,
Vrüss. 1843; 3. Aufl., Verl. 1858) folgen ließ,
die ihm die Ungnade des Kaisers Nikolaus zuzog.
Er wurde nach Wjatka verbannt, erhielt jedoch spä-
ter die Erlaubnis, nach Petersburg zurückzukehren,
wo er sich der Ausarbeitung eines russ. Adels-
lexikons ("Ku38k^g. roäoZiovn^'g. kniAg.", 4 Bde.,
1854-57) widmete. Durch seine Schrift "1^ verits
8ui-lHllu83i6"(Par.1860;deutsch,2Vde.,Sondcrsh.
1861-62) zog er sich ewige Verbannung aus Ruß-
land zu. Er starb 17. Aug. 1868 zu Bern. Seine
teils in russ., teils in franz. Sprache veröffentlichten
Schriften, wie "De 1a HU63tion äu 86rvHF6 eu liuz-
816" (Par. 1861), "I^a Granes 80U8 16 rkZinik dona-
pHrti8t6" (Lond. 1864), sind stießend und elegant
gefchrieben, aber unzuverlässig. In seinen "Ne-
moii-68" (Bd. 1 u. 2, Lief. 1, Genf 1867-71) ist
besonders die Beleuchtung interessant, in der viele
hervorragende Zeitgenossen erscheinen.
Dolgorukij, Katharina Michailowna, Fürstin
Iurjewskaja, zweite Gemahlin des Kaisers
Alexander II., mit welcher dieser sich 31. Juli 1880
vermählte, gehört nicht dem berühmten Hause D.
an. Nach des Kaisers Tode ging sie ins Ausland
und veröffentlichte unter dem Pseudonym Victor
Laferte': "^lexanärs II. Detail W6äit3 3111-8g. vi6
Wtim6 et 8k märt" (Bafel, Genf und Lyon 1882).
Dolaorükow, russ. Fürstenfamilie, f. Dolgo-
Dolyain <spr. doläng), s. Limburg. ftukij.
Doli, russ. Gewicht, f. Dola.
Dolianä (Dbolianä), Dorf im alten Kynuria
auf der griech. Halbinsel Peloponnes, mit s1889)
1577 E. Hier fand 4. Juni 1821 zwischen Türken
und Griechen ein für letztere siegreiches Gefecht statt.
Dolichokephalie (grch.), Langköpfigkeit,
diejenige Form des menschlichen Schädels, bei
welcher der größte Breitendurchmesser erheblich kür-
zer als der größte Längendurchmesser ist, höchstens
aber 75 Proz. desselben beträgt. Menschen mit der-
artiger Schädelbildung nennt man Dolichokepha-
l en. (S. Brachykephalie und Mesokephalie.)
volioköu^x, Vogel, s. Paperling.
Dollokos I.., Pflanzengattung aus der Fa-
milie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papi-
lionaceen, mit gegen 20, meist in den wärmern Ge-
genden Afrikas, Asiens und Australiens wachsenden
Arten. Es sind niederlicgende krautartige Gewächse
oder auch windende Halbsträuchcr mit dreizähligen
Blättern und violetten oder weißen Blüten. Von
mchrern Arten werden die bobnenähnlichen Samen
und Hülsen gegessen. In Deutschland sind die
Früchte bekannt als Fasel oder Dolichosbohne,
in Südcuropa, z. B. in Italien, werden einige Arten
angebaut, so die in Südamerika einheimische D. I<u-
I)ia ^oi'F^. Die ostindische D. diÜ0ru3 _l>. wird in
ihrer Heimat im großen angebaut, die Samen dienen
als Viehfutter, die jungen Hülsen als Gemüse.
Dolichos, bei den altgriech. Wettspielen der
Dauer- oder Langlauf. Die zu durchlaufende Strecke
wird verschieden angegeben (7, 12, 20 und 24 Sta-
dien). Die letzte Angabe, d. i. die zwölfmalige
Durchmessung der Laufbahn in beiden Richtungen,
scheint die zuverlässigste zu sein; danach waren
gegen 4000 in zu durchlaufen.
Dollchosbohne, s. I)0iiclio8.
voliokosönia, schlangenartige Gattung der
Stegocephalen, s. Mastodonsaurier. Wara.
DolioliötiZ, südamerik. Nagetiergattung, s.