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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dorgali - Doria
zusammenhängenden Streifen etwa senkrecht zu der !
bisweilen stundenlangen Dorfstraße. Die Gehöfte
befinden sich bandartig am Kopf oder erstrecken sich
durch die Mitte der Streifen. Die Allmende, welche
auch hier meist nicht fehlt, befindet sich weiter ab
von der Ansiedelung. Die Planmäßigkeit der ge-
schilderten Anlage weist auf grundherrliche Ver-
anstaltung hin, sie kennzeichnet die Form, in welcher
sich die grundherrliche Kolonisation Deutschlands
vollzogen hat. Die Ausbreitung der Deutschen
außerhalb ihrer ursprünglichen Ansiedelungen be-
gann im westl. Deutschland schon zur Zeit der Karo-
linger und erreichte dort ihren Höhepunkt im 12. und
13. Jahrh. Aus dieser Zeit stammen die Kolonial-
dörfer (Hagen-oder Wald Hufen) in den Thälern
der Vogesen, des Odenwaldes und Spessarts, in
den Ardennen, dem Südharz, in Franken. In
größerer Verbreitung aber tritt das Kolonialdorf
- unter der Bezeichnung von vlämischen, frank.,
westfä'l. u. s. w. Hufen nach der Herkunft der An-
siedler, auch von Marschhufen und in Preußen
kulmischen Hufen - in denjenigen Teilen Deutsch-
lands auf, welche als reines Kolonialgebiet der
Deutschen zu betrachten sind: im alten Slawenlande
östlich der Elbe, Saale und Regnitz. Die dortigen
Kolonialdörfer stammen vorwiegend aus dem 12.
bis 14. Jahrh. Sie nehmen große zusammenhängende
Striche ein in Nord- und Mitteldeutschland bis über
die Weichsel hinaus und bis zur Oder, im Süden
bis zu den Karpaten und den Steirischen Alpen hin.
Die Geschäftsführung bei den mittelalterlichen Ko-
lonisationen im Osten lag in den Händen eines
Erb schul zen, der dafür eine größere Hufe, das
Schulzcngut. und das Recht erhielt, mehr Schafe
auf die Stoppeln und die Allmende zu schicken; bis-
weilen blieb derselbe auch von Abgaben befreit. -
Die Anlage des deutschen Kolonialdorfs ermög-
licht von vornherein eine freiere Wirtschaftsweise,
die Hufen behalten selbst bei eintretenden Par-
zellierungen immer gut abgerundete Planstücke.
Die Auslegung von geschlossenen Streifen ist durch
die Natur der Verhältnisse in Kolonialdörfern so
sehr geboten, daß man dieselbe Anordnung unter
anderm in den franz. Kolonien am St. Lorenz in
Nordamerika findet. Indessen fehlte es auch in
deutschen Kolonialdörfern nicht an sehr störenden
gemeinsamen Nutzungen des Ackerlandes; die Be-
hutung der nicht bestellten Grundstücke, der Stoppel-
und Brachfelder war überall althergebracht. Man
konnte sich dem nur durch Einzäunen des Landes
entziehen, mußte aber dann wenigstens den Über-
gang der Gemeindeherde gestatten. Auch hier hat
erst die moderne Gemeinhettsteilungs-Gesetzgebuna
Abhilfe geschaffen.
Neben den Kolonialdörfern kommen im östl.
Deutschland und in Osterreich auch die alten Ge-
wanndörfer, und zwar in überwiegender Zahl
vor. Außerdem finden sich dort vereinzelt zwischen
den deutschen noch altslawische Anlagen, wo die
Gehöfte um einen kreisrunden, oft nur von einer
Seite zugänglichen Dorfplatz liegen. Die Gehöfte
verbreitern sich gegen das Feld zu und waren in
alter Zeit durch feste Hecken mit Graben zur Ver-
teidigung umgeben. Das sind die sog. Rundlinge.
Von der slaw. Feldeinteilung - in blockartigen
Stücken - ist nur wenig erhalten.
3) Die Weiler. Endlich ist noch eine besondere
Form der dorfartigen Ansiedelung zu erwähnen,
welche in Süddeutschland auf bergigen Höhen und
Hängen, in Heiden und sonstigen ungünstigen Lagen
häusig vorkommt. Die Grundbesitzkomplere der ein-
zelnen Bauern bestehen hier aus unregelmäßigen
und ungleich großen Blöcken, teils in Parzellen
verteilt, teils in sich geschlossen und jedenfalls ganz
abweichend von der volkstümlichen Besiedelungs-
weise gesetzt. Auf diesen Fluren bestehen selten grö-
ßere Dörfer, sondern meist nur Weiler, aus wenigen
Gehöften bestehend, und große Einzelhöfe. Man
führt diese Besiedelungsform ebenfalls auf grund-
herrliche Veranstaltung zurück. (S. auch Bauern-
Haus.) - Vgl. Meitzen, Der Boden und die landwirt-
schaftlichen Verhältnisse des preuß. Staates, Bd. 1
(Berl. 1868), und dessen Aufsätze in Schönbergs
"Handbuch der polit. Ökonomie", Bd. 2 (Tüb. 1886)
sowie über Ansiedelung im "Handwörterbuch der
Staatswissenschaftenv, Bd. 1 (Jena 1889), S. 291 fg.
Dorgali, Dorf im Kreis Nuoro der ital. Pro-
vinz Sassari auf der Insel Sardinien, nicht weit
vom Meer, hat (1881) 4364 E., Post, Telegraph und
eine Gewehrfabrik; hier wurde 1882 eine große Sta-
laktitenhöhle mit 15 unterirdischen Gängen entdeckt.
Dorheim, Dorf bei Bad Nauheim (s. d.).
Doria, altes, meist ghibellinisches Adelsgeschlecht
in Genua, das mit denFieschi, Grimaldiund Spinola
an der Spitze der Aristokratie stand; seine wichtigsten
Mitglieder sind: Antonio D., 1154 einer der vier
Konsuln, brachte Genuas Handel und Schiffahrt zu
hoher Blüte. Andrea D. gewann durch Heirat
mit der Tochter von Barrisone d'Arborea einen
Teil von Sardinien, wo das Geschlecht auch später
ruhmvoll für Genua kämpfte. Perceval D., 1260
Statthalter der Mark Ancona, des Herzogtums
Spoleto und der Romagna, war einer der tapfersten
Heerführer König Manfreds. An den Kämpfen der
genues. Geschlechter um die Herrschaft nahmen die
D. hervorragenden Anteil. Nach ihrem Siege in
! Verbindung mit den Spinola über die Grimaldi
und Fieschi beherrschte Oberto D. gemeinsam mit
einem Spinola Genua. Er vernichtete 2. April 1284
mit seinem Sohne Corrado in der Seeschlacht bei
Meloria die Flotte und Seemacht Pisas für immer
(s. Gherardesca). Unter Corrado D., der mit
Oberto Spinola die Herrschaft teilte, schlug Lamba
D. 8. Sept. 1297 bei den Curzolaren die venet.
Flotte unter Andrea Dandolo vollständig. 1309
entzweiten sich die D. und Spinola; die Spinola
wurden vertrieben. Allein der Kampf dieser führen-
den Geschlechter hatte nur das Emporkommen an-
derer und das Aufsteigen der Macht der Popolaren
in Genua zur Folge. Dies trieb die D., außerhalb
Genuas auf der See ihre Thätigkeit zu suchen, wo
sie nun im 14. bis 16. Jahrh, eine Neihe der glän-
zendsten Flottenführer stellten, außer Antonio D.,
der in Flandern für Philipp IV. von Frankreich
kämpfte, namentlich Filippo D. und Paganino
D. Jener bekämpfte die Venetianer, die ihn auf
der Rückkehr von einem Krieg auf der Krim ange-
griffen, im Griechischen Meer mit Glanz (1340 und
1350) und unternahm auf eigene Faust die Erobe-
rung von Tripolis. Der Wiederverkauf desselben
an die Saracenen und die Auslieferung der Verkaufs-
summe und Beute an Genua söhnte dieses mit ihm
wieder aus und nun wandte er sich (1356) zu einem
Plünderungszug gegen die Küste von Catalonien,
um die Aragonier für ihr Vordringen auf Sardinien
zu züchtigen. - Paganino (gest. um 1358) begab
sich nach einem Plünderungszug in der Adria nach
dem Griechischen Meer, wo er am Athos sich gegen