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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Downtonpumpe - Dozy
Vom Ost ende der Salisbury-Ebene, in deren N. die
Marlborough-Hügel (bis 295 m) liegen, erstreckt sich
ein breiter Zug von Kreideland mit dein 296 in
hohen Inkpen-Beacon nach O. hin und teilt sich in
zweiZweige: der nördliche, die 100-295in(Votlcy-
Hill) hohen North-Downs, zieht sich 194 km weit
als schmale, nach N. steil und nach S. allmählich
abfallende Hügelreihe gerade nach O. hin, allmählich
breiter werdend, bis er in den Nord- und Süd-
Forelands und den Klippen von Dover und Folke-
stone endet. Die 130 km langen South - Downs,
ebenfalls gegen N. steil abfallend, ziehen von East-
bourne (Veachy-Head) durch das südl. Sussex bis
zur Grenze von Hampshire und schließen sich an die
Dorset-Hügel an. Ihre Höhe ist 35-269 m (Ditch-
ling-Beacon) und sie ziehen als niedrige, stach ge-
stutzte Rücken oder leicht gekrümmte, höchst ein-
förmige Linie von WNW. nach SO. Ein gleich-
mähiger, schöner Grasteppich bedeckt sie, von zahl-
reichen Schafherden (den berühmten South-
Down-Schafen) belebt.
Downtonpumpe (spr. daunt'n-), eine besonders
auf Schiffen benutzte Handpumpe, bei welcher in
einem Pumpencylinder drei Kolben übereinander
derart angeordnet sind, daß die Kolbenstangen der
unten befindlichen Kolben durch die darüber befind-
lichen Kolben wasserdicht hindurchgehen. Die Be-
wegung der Kolben wird von einer dreimal ge-
tropften Kurbclwelle abgeleitet. Die Kurbeln sind
dabei um 120° versetzt. Die D. hat dm Vorteil ge-
ringen Raumbedarfs.
Sowsongas, s. Wassergas.
Doxale (mittellat.), in kath. Kirchen das den
hohen Chor vom Hauptschiff trennende Gitter.
Doxographen (grch.), Schriftsteller, welche die
Lehren (äoxai) der Philosophen zu histor. überblick
sammelten. Ein Grundwerk dieser Art waren Theo-
phrasts 18 Bücher "I^Likki äoxai". Hieraus flössen
durch Zwischenglieder die dem Plutarch mit Unrecht
zugeschriebenen "^lacita. pliiloLopIioruin". - Vgl.
1 joxoAraplii Zi-a^ei, hg. von Diels (Berl. 1879).
Doxolögie (grch.), im allgemeinen ein Gesang
zum Preise Gottes, in der christl. Kirche namentlich
der Schluß des Vaterunsers ("Denn Dein ist das
Reich" u. s. w.), der Lobgesang der Engel Luk. 2,14
sowie das kleine und das große Gloria. Das kleine
Gloria ((^loi-ia Mti-i) oder die kleine D. lautete
ursprünglich: (Gloria. Mtri et iilio 6t spiritu Lkneto
(Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem
Heiligen Geiste); schon im 4. Jahrh, wurde es er-
weitert durch den Zusatz: "wie es war von Anbe-
ginn, wie es ist und sein wird von Ewigkeit zu
Ewigkeit". Das große Gloria (Hiorin. in 6x-
cklLis) oder die große D. besteht aus dem Lob-
gesange Luk. 2, 14: "Ehre sei Gott in der Höhe"
u. s. w. mit einem angefügten Gebet an Gott und
Christus. Diese beiden D. bilden, in lat. Sprache
nach mehrfachen Melodien gesungen, einen wichtigen
Bestandteil der röm.-kath. Liturgie und haben sich
auch in der luther. Gottesdienstordnung erhalten,
lange Zeit sogar in lat. Sprache.
Doyen (frz., spr. döaiäng, vom lat. äecanus,
d. i. der Vorgesetzte von zehn Mann), in der Kirche
der Dechant, bei den Universitäten der jeweilige Re-
präsentant der Fakultät (Dekan), in legislativen Ver-
sammlungen der Alterspräsident, welcher den Vor-
sitz führt, bevor der definitive Präsident gewählt ist;
in der Diplomatie der Vertreter des Diplomatischen
Korps (s. d.).
Doyen (spr. döaläng), Gabriel Francois, franz.
Maler, geb. 1726 zu Paris, war Schüler Vanloos,
lebte 1748-55 in Italien, wurde 1777 Hofmaler
des Prinzen von Artois, dann Professor der Kunst-
akademie, 1791 Direktor der Kunstakademie zu
Petersburg, wo er 5. Juni 1806 starb. D. malte
farbig prächtig, dekorativ wirkungsvoll, namentlich
m der Verkürzung. Seine Hauptwerke sind: Der
Tod der Virginia (1758), vom Prinzen von Tu-
renne angekauft; Venus von Diomedes verwundet,
Odysseus den jungen Astyanax suchend, beide für
den Herzog von Parma; Triumph der Amphitrite
(im Louvre), ferner Die Rettung der Stadt Paris
durch die heil. Genoveva, jetzt in der Kirche des
heil. Rochus daselbst, sein bedeutendstes Werk; Der
Tod des heil. Ludwig in Tunis, 1773 gemalt; die
Malereien in der Georgskapelle des Invaliden-
hotels ; dieDekorationenzurKrönung Ludwigs XVI.
in Reims 1774, andere Gemälde in der Kunst-
akademie und in der Eremitage zu Petersburg
(die Fresken im Winterpalast daselbst zerstörte der
Brand 1838). Ferner malte er Bildnisse, z. B. das
des Dichters Ersbillon.
Dözsa (spr. dohscha) oder Dosa, Georg, An-
führer des ungar. Bauernaufstandes 1514, war von
Geburt ein Szekler, hatte sich im Zweikampfe mit
einem Türken ausgezeichnet und war deshalb vom
König mit dem Adel beschenkt worden. Ihn wählten
die Kreuzfahrer (Kuruczen, f. d.), die sich auf den
Ruf des Kardinal-Primas Thomas Bakacs zu-
sammengethan, hanptsächlich Bauern, verarmte
Edelleute, Priester und Mönche, zum Anführer.
Eine vollständige Vernichtung der Adelsherrschaft
anstrebend, rief er die untern Volksklassen zu den
Waffen. Auf 60000 Mann soll die Zahl der Auf-
ständischen gestiegen sein. Es begann nun ein all-
gemeines Morden und Plündern; im ganzen Lande
wurden die Adligen von den aufständischen Bauern
verfolgt. D. zog nach Niederungarn, lieferte hier
den Truppen des Temeser Grafen Stephan Bäthory
mehrere siegreiche Treffen, nahm die Stadt Csanäd
sowie eine Reihe fester Schlösser und belagerte die
Festung Temesvär. Hier aber wurde sein zusam-
mengelaufenes Vauernheer vom siebenbürg. Woi-
woden Johann Zäpolya vernichtet, nachdem er selbst
bei einer Rekognoscierung gefangen war (Ende
Juli). D. wurde auf einen glühend gemachten
eifernen Thron gesetzt, aufs Haupt ihm eine eben-
falls glühende eiserne Krone, in die Hand ein solches
Scepter gedrückt, und er dann mit glühenden Zangen
zu Tode gepeinigt. Infolge diefes Bauernaufstan-
des wurde der ungar. Bauer zu vollständiger Hörig-
keit verurteilt. Joseph Eötvös hat diesen Aufstand
zum Stoffe seines Romans " Na.F79.r0r8xü.F 1514
den" (Pest 1847; deutsch von Dur u. d. T. "Der
Bauernkrieg in Ungarn", 3 Bde., ebd. 1850) gewählt.
Dozy (spr. -sih), Reinhart, Orientalist und Histo-
riker, geb. 21. Febr. 1820 zu Leiden, widmete sich
seit 1837 auf der dortigen Universität philol. und
histor., besonders aber orient. Studien. Nachdem er
1844 die Doktorwürde erworben hatte, erhielt er eine
Anstellung bei der Sammlung orient. Handschristen
zu Leiden. 1850 wurde er außerord., 1857 ord. Pro-
fessor der Geschichte daselbst. Er starb 29. April 1883.
Seinen Ruf als Kenner des Arabischen begründete
D. bereits mit seiner ersten umfangreichern Schrift,
dem "DietionukirE äetNiiiö äss Q0in8 ä63 vöte-
M6nt8 "1162 163 ^rad68" (Amsterd. 1845), vom
Niederländischen Institut gekrönt. Demselben ließ