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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Drache (Sternbild) - Drache zu Babel
Drache, Sternbild am nördl. Himmel, das
sich zwischen dem Großen und Kleinen Bären hin-
durchzieht und viele Doppelsterne und mehrfache
Sterne enthält. Im D. steht ein heller planetarischcr
Nebel, dessen Spektrum auf das Vorhandensein von
Wasserstoff und Stickstoff deutet.
Drachen, die ungedeckten Fahrzeuge der nor-
mann. Wikinger des 6. bis10. Hahrb., die in ihrer
Bug-undHeckforindieGestaltvonD.darstellten. Sie
wurden durch Raasegel, je eins an 1 - 3 Masten,
und durch Nuder fortbewegt. (S. Schiffahrt.)
Drachenbaum, Pflanzengattung, s. vrackeua.
Drachenblut (8kMFui8 vraconis, Nsäina. vra-
c0ni8), Bezeichnung für ein Harz verschiedener Ab-
stammung. Der heutige.handelversteht darunter aus-
schließlich das Harz von Calamug äraco ^., einer in
Ostindien einheimischen Rotangpalme (f. Oa1kmu8);
es sitzt als feste brüchige Masse an den Früchten. Zu
seiner Gewinnung werden die Früchte in Säcken
so lange geschüttelt, bis das Harz abspringt. Die
Harzmasse wird dann durch Wasserdampf oder an
der Sonne erweicht und zu Stangen verschiedener
Größe geformt, die in Streifen von Palmblättern
eingeschlagen werden (D. in Bast). Eine geringere
Sorte gewinnt man durch Auskochen der Früchte
mit Wasser, wobei sich das Harz an der Oberstäche
sammelt, durchgeseiht und in Kuchen geformt wird
<D. in Masse). Man bringt beide Sorten in
Kisten von etwa 50 bis 60 KZ Inhalt in den Handel.
Hauptproduktionsgegenden sind die Sunda-Inseln,
Ausfuhrhafen Singapur (etwa 300 Doppelcentner
jährlich). D. ist ein sprödes, dunkclrotes, geruch-
und geschmackloses Harz, das zwischen 80-120° d
schmilzt, zerreiblich ist und sich in Alkohol, Benzol,
Schwefelkohlenstoff, ätherischen und fetten Ölen löst.
Früher als Arzneimittel benutzt, wird es jetzt nur
noch zur Färbung der Tifchlerpolitur und der Fir-
nisse angewandt. Die fönst als D. bekannten Harze
stammen besonders von vrac^ena. äraco (s. Ora-
c'H6iia) und Proton äraco (s. Proton); sie sind äußer-
lich dem D. ähnlich, aber in Benzol und Schwefel-
kohlenstoff nicht löslich. Aus dem europ. Handel
sind diefelben verfchwunden. - Vgl. Lojander, Zur
Kenntnis des D. (1886). Ifels.
Drachenblut(Wein),Drachenburg,s.Drachen-
Drachenfels. 1) Die steilste der 7 Trachytkuppen
des Siebengebirges (s. d.) bei Königswinter, rechts
am Rhein, 325 m hoch (277 in über dem Rhein),
feit 1836 wegen der Steinbrüche (Dombruch),
aus welchem auch in neuerer Zeit großenteils das
Material zum Ausbau des Kölner Domes genom-
men wurde, im Besitze des preuß. Staates. Die
Drachenburg, von welcher nur noch die etwa
21 in hohe Mittelwarte übrig ist, soll vom Erz-
bifchof Friedrich I. von Köln erbaut fein. 1632
nahmen die Schweden, 1633 die Spanier die Feste,
welche bald nachher Kurfürst Ferdinand schleifen
ließ. Jetzt führt den Namen ein gotifches, reich
ausgestattetes Schloß des Baron von Sarter. Die
Platte des D., welche eine prächtige, weite Aussicht
gewährt, ziert eine 15 ui hohe got. Spitzfäule. An
der Domkaul wächst ein roter Wein, der unter dem
Namen Drachenblut bekannt ist. Auf halber
Höhe, oberhalb der Weinberge, befindet sich die
Drachenhöhle, in welcher nach der Sage der
Drache hauste, welchen Siegfried erfchlug. Seit 1883
führt eine Zahnradbahn (s. Drachenfelsbahn) mit
einer Maximalsteigung von 20 Proz. auf den D.
- 2) Gipfel der 'Hardt in der bayr. Rheinpfalz,
10 km füdwestlich von Dürkheim, 571 in hoch; unter
der Plattform wölbt sich ein weiter, höhlenartiger
Felsbogen. Auch hierher verlegt die Sage Sieg-
frieds Drachenbesiegung.
Drachenfelsbahn, Bahn von Königswinter
nach dem Drachenfels (f.d.), erste in Deutschland für
den Personenverkehr nach dem System Riggenbach
<s. Bergbahnen) erbaute Zahnradbahn der Allge-
meinen Lokal- und Straßenbahngesellschaft zu Berlin
(s. Deutsche Lokal- und Straßenbahngesellschaft)
von 1520 in Länge und 1 in Spurweite; eröffnet
16. Juli 1883. Anlagekosten 354 500 M.
Drachenhöhle, f. Drachenfels.
Drachenkopf, der aufsteigende Knotenpunkt
ls. Knoten) der Mondbahn. (S. Drachenfchwanz.)
- In der Baukunst heißt D. der mit einer drachen-
topfähnlichen Nohröffnung versehene Ausguß der
Dachrinnen (s. d.). - D., Pflanzengattung, f. vra-
coespnaluin.
Drachenköpfe (ZcorMsniäas), eine Familie
der Panzerwangen (s. d.), bestehen aus 23 Gat-
tungen und gegen 120 Arten. Der Körper ist läng-
lich, zusammengedrückt, beschuppt oder seltener nackt
und oft am Kopfe mit Stacheln und eigentümlichen
fadenförmigen Anhängen versehen. Die Tiere hal-
ten sich auf dem Boden aller Meere auf und können
mit den Stacheln der Rückenflossen, welche öfters
mit einer Giftdrüfe in Verbindung stehen, sehr
gefährliche und außerordentlich fchmerzhaste Ver-
letzungen verursachen.
Drachenmonat, der Zeitraum, innerhalb dessen
der Mond die auf- und niedersteigende Knotenlinie
vollendet, also zweimal die Ellipti'k in Knoten (s. d.)
durchschneidet. Die Zeitdauer beträgt 27 Tage
5 Stunden 5 Minuten 36 Sekunden.
Drachenorden (sonunA-iunF-MOLinZ), chines.
Militärorden, gestiftet 1863 für europ. Offiziere,
die China während des Tai-ping-Aufstandes Dienste
geleistet hatten, hat drei Klassen und besteht in einer
goldenen, einer silbernen und einer bronzenen Me-
daille, auf der sich zwei Drachen befinden; wird an
hellgelben: Bande auf der linken Brust getragen. -
Am 19.Dez. 1881 wurde der Orden vom doppel-
ten Drachen gestiftet, eine aus fünf Klassen be-
stehende Auszeichnung für Europäer. Die Orden
der ersten Klaffe sind rechteckig, die übrigen rund;
alle zeigen zwei Drachen in je nach den Klassen ver-
schiedenem Felde.
Drachenphotographie, s.Vallonphotographie.
Drachenfchwanz, der absteigende Knotenpunkt
(s. Knoten) der Mondbahn. (S. Drachenkopf.)
Drachenstärling, f. Stärlinge.
Drachentaube oder Dragon, auch Dra-
goner t a u b e, f. Orientalische Tauben.
Drachenthaler, f. Tael.
Drache zu Babel, ein apokryphisches Stück
des Alten Testaments, mit dem "Vel zu Babel" ur-
fprünglich griechifch verfaßtund sehr jungen Datums,
bildet in der alexandrinischen Übersetzung einen An-
hang zum kanonischen Buche Daniel. Hie der
"Vel" die heidn. Göttermahlzeiten, so persifliert der
"Drache" den heidn. Tierdienst und verherrlicht den
Daniel, der einen göttlich verehrten Drachen durch
einen Kuchen tötete, dafür in den Löwenzwinger
geworfen wurde, aber durch die Hilfe des Gottes
der Juden unverfehrt blieb. Hierdurch weist sich
der Gott Daniels als alleiniger Gott aus. Von ge-
schichtlicher Wahrheit kann bei dieser Erzählung
noch weniger die Rede sein als bei dem Abschnitt