Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

513
Dresden (Haupt- und Residenzstadt)
dramat. Konflikte in typisch gewordenen Gestalten zur Anschauung bringen (Zeus-Prometheus, Kreon-Antigone u. a.). Die obern Vestibüle und das obere Foyer sind mit prächtigen Malereien von Choulant, Ohme, Preller, Rau u. a. versehen, die Deckengemälde sind von Hofmann, Gönne und Grosse, die Deckenmalereien im Zuschauerraum von J. Marschall, der Vorhang von Keller. Im Foyer ist 1892 eine von Professor Kietz modellierte Marmorbüste Rich. Wagners, ein Geschenk der Tiedgestiftung, aufgestellt. (Vgl. Prölß, Geschichte des Hoftheaters zu D. Von seinen Anfängen bis zum J. 1862, Dresd. 1878.) Südlich vom Theater, zwischen Schloß und Zwinger, die 1831-33 nach Schinkels Entwurf für 120000 M. erbaute Hauptwache mit einer von sechs ion. Säulen getragenen Vorhalle und den Statuen der Saxonia und des Mars. Ferner sind zu erwähnen das Gebäude der (1864 aufgehobenen) Chirurgisch-Medizinischen Akademie, früher Residenz des Herzogs Karl von Kurland das Land- und Ständehaus, 1773 durch Krubsacius erbaut; die neue Oberpostdirektion, 1881 von Zopfs vollendet; das 1741 erbaute, mit Turm versehene, 1864 im Innern umgebaute und erweiterte Rathaus am Altmarkt; das königl. Polizeigebäude (vormals Coselsches Palais); das 1859 aufgeführte Superintendenturgebäude; das Gartenpalais des Prinzen Georg an der Zinzendorfstraße; das 1842 vom Hofbaumeister von Wolframsdorf erbaute massive Orangeriehaus, ausgezeichnet durch seine reiche Façade und Bildwerke von Hähnel, und das mit mehrern Werken Rietschels (Sphinxe und allegorische Büsten) gezierte Logengebäude, beide an der Ostraallee; das 1838 nach Sempers Plane errichtete Gebäude des vereinigten Materni-, Brückenhofs- und Bartholomäihospitals (Freibergerstraße) und die 1864 vollendeten, mit den Statuen der Saxonia und Bohemia dekorierten Administrations- und Stationsgebäude der königl. Staatseisenbahnen in der Wienerstraße; die 1864-65 nach Plänen von Arnold in got. Stile errichtete Kreuzschule am Georgsplatz, mit Fresken von A. Dietrich in der Aula; das nach dem Plane des Stadtbaurats Friedrich im Renaissancestil erbaute Annen-Realgymnasium in der Humboldtstraße, mit Fresken von Diethe in der Aula; das 1872-75 nach Plänen Rud. Heyns ausgeführte Polytechnikum (Kosten 2 1/2 Mill. M.) am Bismarckplatz; die neue Jägerkaserne an der Albertbrücke, mit Ecktürmen; das Landgerichtsgebäude mit Skulpturen von Bäumer und das nach Plänen des Baurats Arwed Roßbach (Leipzig) 1892 vollendete neue Amtsgericht; das große neue Lagerhaus, nahe der Marienbrücke, die Börse im Renaissancestil, das Carola-Krankenhaus, das Victoriahaus (1892) mit Façaden in deutscher Renaissance und die Markthalle auf dem Antonsplatze nach Rettigs Plänen, 1893 eröffnet.
In Neustadt sind hervorzuheben: das 1892 umgebaute Blockhaus; der Jägerhof; das jetzt zu wissenschaftlichen und Kunstsammlungen dienende, 1715-17 von Jean de Bodt für den Grafen Flemming erbaute, dann von August dem Starken erworbene, 1730 erweiterte und zur Aufnahme von Sammlungen (s. unten) bestimmte Japanische Palais mit seinem, treffliche Aussichten bietenden Garten (der "Palaisgarten"); das Rathaus mit Turm; das 1871-73 von Schreiber erbaute Alberttheater mit Skulpturen von Menzel und Henze, Sgraffitobildern von Dietrich und Deckengemälden von Ahme, und das Gebäude des 1874 eröffneten Königl. Gymnasiums. Gegenüber der Brühlschen Terrasse erhebt sich das neue Finanzministerium, hinter diesem die Dreikönigsschule sowie das neue Neustädter Amtsgericht; die ausgedehnten alten Militärgebäude der innern Neustadt werden bald einer großen Zahl neuer staatlicher und städtischer Prachtbauten weichen. In der Friedrichstadt sind nennenswert das 1813 während des Waffenstillstandes von Napoleon bewohnte, jetzt als Stadtkrankenhaus benutzte Marcolinische Palais mit großartigen Gartenanlagen.
Von den Privathäusern zeichnen sich besonders aus: Oppenheims Palais an der Bürgerwiese, erbaut nach Entwürfen von Semper; das sog. Venetianische Haus an der Elbe, erbaut von Bothen; das Struvesche Palais in der Wienerstraße, erbaut von Nicolai; das ehemalige mit trefflichen Reliefmedaillons gezierte Wohnhaus Rietschels auf der Zinzendorfstraße; Villa Rosa von Semper u. a.
Im N. schließt sich an die Antonstadt die mit einem Aufwande von etwa 20 Mill. M. erbaute Albertstadt an mit den meisten Kasernen der Garnison und den Gebäuden für sämtliche militär. Anstalten des (12.) sächs. Armeekorps, besonders das ausgedehnte Arsenal (Zeughaus, Werkstätten und Fuhrwerksdepot enthaltend), Montierungskammern, Pulvermühle, Magazine, Bäckerei, Kadettenhaus, Reitanstalt, Militärstrafanstalt, Lazarett u. s. w.
Verwaltung. Die Stadt D. wird verwaltet von einem Oberbürgermeister (Dr. Stübel, seit 1878, lebenslänglich, 15000 M.), 2 Bürgermeistern (Beutler, lebenslänglich, 11000, Dr. Nake, 10000 M.), 29 Stadträten (11 besoldet), 1 Stadtschreiber, 7 Assessoren und Referendaren, 72 Stadtverordneten (Vorsteher Geh. Hofrat Ackermann) und einem königl. Polizeipräsidium (Präsident Le Maistre) mit 4 Polizeiraten, 1 Polizeihauptmann, 1 Fremdenpolizeikommissar, 2 Kriminalkommissaren, 15 Inspektoren, 16 Wachtmeistern und 373 Gendarmen. Die Berufsfeuerwehr (seit 1868) bestand Ende 1892 aus einem Branddirektor, Brandmeister, Feldwebel, 14 Ober- und 115 Feuerwehrleuten und hat je ein Depot in Alt- und Neustadt, neun Feuerwachen, 69 Feuermelder (davon 67 mit Fernsprechverbindungen), 30 Spritzen und Fahrzeuge. Drei städtische Gasanstalten (1828, 1864, 1865 erbaut) gaben ab (1892) 22,951 Mill. cbm Gas, darunter 4,146 Mill. cbm zur öffentlichen Beleuchtung für 7250 Flammen und 2,529 Mill. cbm zu technischen Zwecken (363 Gasmotoren, darunter 49 zur Erzeugung elektrischen Lichts). Elektrische Beleuchtung findet sich in einer Anzahl von Privatgebäuden.
Das neue Wasserwerk (1871) oderhalb Neustadt, am Fuße der Saloppe, lieferte aus zwei Hauptbrunnen, aus denen das Wasser nach dem Hochreservoir (60 m über der Elbe) beim Fischhause gehoben wird, (1892) 8,911 Mill. cbm Trinkwasser; die alten Wasserkünste sind wieder in Betrieb gesetzt. Der Bau eines zweiten Wasserwerks oberhalb Blasewitz wurde 1893 begonnen. Die Ausdehnung des Rohrnetzes der Wasserleitung betrug (1892) 192,48 km. Der große Schlacht- und Viehhof befindet sich in der Leipziger Straße. Der Bau einer zweiten (für den Großhandel) und dritten Markthalle außer der 1893 vollendeten auf dem Antonsplatz ist geplant.
Finanzen. Der Haushalt für 1892 schließt ab in Einnahme mit 15,227 Mill. M., in Ausgabe mit 14,56 Mill. M. Es wurden aufgewendet für Schulen etwa 2 Mill., für Armen- und Krankenwesen 1039203 M., für Straßenreinigung