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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Duett - Dufaure
corvo an, beginnt sein Unterlauf. Nach dem Sturze
(Cachao) bei Sao Ioäo da Pesqueira wendet er sich
wieder nach Westen, durchfließt das Weinland Ober-
und Nicder-Douro (s. Alto-Douro) und mündet bei
Sao Ioäo da Foz 4 I"n unterhalb Oporto. Inner-
halb Spaniens ist er ein fast überall von Steil-
ufern begrenzter, schmaler, aber tiefer Fluß, der bei
seiner Wassermasse, ungeachtet des sehr starken und
ungleichen Gefälles, leicht schiffbar gemacht werden
könnte. Bisher wird regelmäßige Schiffahrt nur
innerhalb Portugals, wenigstens für die Thalfahrt,
auf ihm betrieben, von Torre de Moncorvo ab-
wärts. Doch gehen zwischen hier und Oporto nur
mäßige Flußschiffe, 1301cm weit. Das Riff, welches
bei Sao Ioäo da Pesqueira früher den D. fperrte,
ist durch Sprengungen fast unschädlich gemacht
worden. Oberhalb Oporto ist der D. nur 130 m,
am Hafen 300 m breit, und unterhalb der Stadt er-
weitert er sich zu einem 850 m breiten, Bassin.
Seine Mündung, kaum 150 ui breit, ist durch Riffe
und Sandbänke eingeengt und vor derselben liegt
eine dopyeNe Barre, über der zur Flutzeit 6,5 in
Wasscr steben und an der die See bei starken West-
winden heftig brandet. Seeschiffe können oft wochen-
lang nicht einlaufen. Bei Oporto beträgt die Wasser-
tiefe im Mittel 4-15 m. Die Länge des D. beträgt
786 km, davon 255 km in Portugal, sein Gebiet,
das fast das ganze Hochland von Alteastilien und
Leon umfaßt, 78933 qkm. An Länge steht er nur
dem Tajo und an Größe des Gebietes nur dem
Ebro nach. Die wichtigsten Nebenflüsse sind rechts
Pisuerga, Valderaduey, C'sla und in Portugal
Sabor, Tua und Tamega; links Adaja, Tormes,
Agueda und in Portugal der Coa.
Duött (ital. vustto), ein Tonstück für zwei Stim-
men (Singstimmcn oder Instrumente), die einander
durchaus gleich, also beideHauptstimmen seinmüssen.
Demnach ist das D. ein Tonstück polyphoner Satz-
art, im Gegensatz zu der bloßen Zweistimmigkeit,
bei der die eine melodieführende Stimme durch die
andere nur harmonisch unterstützt, homopbonisch
sekundiert wird. Beim eigentlichen D.ist jede Stimme
individuell entwickelt; es setzt daher zwei Personen
voraus, die entweder durch einen Gegenstand gleich-
oder ungleichartig angeregt werden. Das gleichartige
Empsinden soll aber nicht die Individualität des
Aussprechens, die Selbständigkeit vermissen lassen,
und es soll keine Person (oder Stimme) der andern
untergeordnet erscheinen. Bei der Ungleichartigkeit
der Empfindung versteht sich die Verschiedenheit des
Ausdrucks von selbst. Sowohl das D. für Sina-
als das für Instrumentalstimmen unterliegt gleich-
mäßig jenen Grundbestimmungen, und es ergicbt
sich ein Unterschied nur in Hinsicht auf technische
Mittel, Art der Klangorgane u.s.w., wie auch beide
Gattungen von ihrem Grundcharakter der Stimmen-
selbständigkeit nichts einbüßen dürfen, wenn ihnen
eine Begleitung irgendwelcher Art beigegcben ist.
Das Instrunientalduettwird zur Unterscheidung vom
Vokalduett himflg Du o genannt; doch braucht man
auch die Benennungen D. und Duo sehr oft ver-
mischt. Das Vokalduett als Kunstsatz findet sich
bereits bei den Motettkomponisten des 16. Jahrh.,
doch erhielt es seine Ausbildung erst seit 1600 mit
Einführung eines selbständigen Grundbasses m die
Komposition, denn das D. als zweistimmiger Satz
verlangt wegen seiner harmonischen Armut nach
Stütze und harmonischer Füllung, was ihm durch
den neu aufkommenden Grundbaß vollauf gewährt
Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. V.
wurde. In Verbindung mit diesem bildete das D.
sich seit der Mitte des 17.Jahrh, als sog.Kammer-
duett (Duetto 6a cam6la) aus und erreichte damit
seine kunstvollste Gestalt. Der größte Meister hierin
war A. Steffani um 1700. Die Form des Kammer-
duetts ging in die Opern und Oratorien über und
findet sich am schönsten ausgebildet bei.Händel. Das
weniger künstliche, mehr bühnenmäßige D. wurde
seit A. Scarlatti in der Oper heimisch und ist seither
nach scenischen Rücksichten oft sehr breit und wirksam
entwickelt, wie z. V. das D. im vierten Akt der "Huge-
notten" von Meyerbeer.
Tuetto (d. h. Zweifacher), Kupfermünze im ehe-
maligen Toscana und in Lucca im Werte von
2 Soldi oder 2 Quattrini.
Duo voits, s. vus.
^>?,/., bei naturwissenschaftlichen Namen Ab-
kürzung für Jean Marie L^on Dufour (s. d.).
Dufau (fpr. düfoh), Pierre Armand, franz.
Volkswirt und Publizist, geb. 15. Febr. 1795 in
Bordeaux, wurde 1815 Lehrer und 1840 Direktor
am Pariser Vlindeninstitut. Er trat 1855 mit dem
Titel eines Ehrendirektors in Ruhestand und starb
25. Okt. 1877 zu Paris. D. gehörte 1851 zu den
Gründern der franz. Gesellschaft zur Unterstützung
der Blinden. Er fchrieb: "?iNu äs i'orZimi^tioii
äe Institution ä68Min63 av6uZl6L" (Par. 1833),
"^i'ait6 äo 8tati8tiliu6n (1840), "I^6ttr68 8ur lacka-
rit6" (1847), "8tati8ti<iu6 coinMi'66 ä68 HV6UFI68"
(1854), "1)6 la i-elorins clii inout-äe-piLts" (1855);
auch gab er mit Guadet ein "Dictiollnaire ä6 1a
ZkOArapliie ancisunL 6t moäsrn?" (2 Bde., Par.
1820) heraus.
Dufaure (spr. düfohr), Jules Armand Stanis-
las, franz. Staatsmann, geb. 4. Dez. 1798 zu Sau-
jon (Depart. Charente-Införieure), studierte zu Paris
die Rechte, ließ sich 1824 in Bordeaux als Advokat
nieder und trat 1834 als Deputierter in das polit.
Leben ein. Unter dem Ministerium Thiers 1836
zum Staatsrat ernannt, gab er noch im nämlichen
Jahre seine Entlassung und machte dem Ministe-
rium lebhafte Opposition. Unter Soult übernahm
er 12. Mai 1839 das neu eingerichtete Ministerium
der Staatsbauten, trat aber zurück, als der Antrag
wegen der Dotation für den Herzog von Nemours
verworfen ward. Seitdem stimmte er in allen
wichtigen Fragen mit der Opposition und wurde
1844 das Haupt einer Art von Mittelpartei. Nach
der Februarrevolution von 1848 zum Volksreprä-
sentanten gewählt, schloß er sich der Republik an.
Cavaignac berief ihn 13. Okt. 1848 ins Ministerium
des Innern; bei der Präsidentenwahl zeigte er sich
als dessen eifrigster Anhänger und legte 20. Dez.
fein Amt nieder, als Napoleon den Sieg davon-
getragen hatte. Trotzdem lieh er sich bestimmen,
2. Juni 1849 wieder das Ministerium des Innern
zu übernehmen, das er bis zum 31. Okt. behielt.
Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 trat D.
ins Privatleben zurück und hielt sich während der
Dauer des zweiten Kaiserreichs von der Poil'tii
fern. Er wurde Juli 1852 auf der Pariser Advo-
katenliste eingeschrieben und 1863 an Pasquiers
Stelle zum Mitglied der Französischen Akademie
ernannt. Am 8. Febr. 1871 wählten ihn vier De-
partements in die Nationalversammlung, wo er für
Charente-Inf^rieure im linken Centrum Platz nahm
und 16. Febr. den Antrag stellte, Thiers zum Chef
der Exekutivgewalt zu ernennen. In dem 19. Febr.
gebildeten Kabinett übernahm er das Iustizmini-
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