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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dunst - Dun-sur-Auron
der Begharden berufen, wo er plötzlich starb. Seine
Lehre entwickelte er auf dem Boden des Realismus
(s. d.), zum großen Teil im Gegensatze gegen Thomas
von Aquino, in der rein begrifflichen Beweis
feiner Zeit mit einem dem Gegner wiffenfcha
orm
tlich
pitz-
überlegenen Scharfsinn, dcr sich oft in die
findigste Dialektik verliert, weshalb er voctol 8ul>-
tilig genannt wurde. Seine Abweichung von Thomas
von Aquino besteht hauptfächlich darin, daß sich bei
ihm das innige Verhältnis zwifchen Philosophie
und Theologie zu lockern beginnt: er verbindet mit
dem aufrichtigen Glauben eine wissenschaftliche Kritik
und Skepsis, vermöge deren er den Schwerpunkt des
religiöfen Lebens aus dem theoretischen ins prak-
tische Gebiet verlegen möchte. Es hängt das zu-
gleich mit seiner indeterministischen Lehre von der
Willensfreiheit zusammen, aus der sich sowohl für
die Gotteslehre wie für die Theorie der Erlösung
Folgen ergaben, die den thomistischen Ansichten ge-
rade entgegengesetzt sind. Mit großem Eifer vertei-
digte D. S. die Lehre von der sündlosen Empfängnis
Maria gegen Thomas. Die berühmteste seiner
Schriften ist, abgesehen von seinen Kommentaren
zu den biblischen Büchern und den Schriften des
Aristoteles, der in Orford entstandene Kommentar
^ den Sentenzen des Petrus Lombardus, das sog.
"0M8 0x0ui6ii36" oder"^nZIicHuum", von welchem
das "Opus?ai-i8i6N8o" eine abgekürzte Bearbeitung
ist. Die Hauptausgabe seiner Werke, die aber nichi
vollständig ist, hat Wadding (12 Tle., Lyon 1639j
besorgt, über den Streit zwischen Scotisten und
Thomisten s. Thomas von Aquino. - Vgl. Vaum-
garten-Crusius, v6 tiieoIoFia 8eoti (Jena 1826);
Werner, Joh. D. S. (in der "Scholastik des spätern
Mittelalters", Bd. 3, Wien 1881).
Dunst,wissenschaftlich gleichbedeutend mit Dampf
(s. d.). Gewöhnlich wird D. für minder hochgespann-
ten Dampf angewendet, daher fagt man z. B. Ver-
dunstung für die Entwicklung von Dämpfen bei
niedriger Temperatur. - In der Iägerfprache
ist D. der feinste Schrot.
Dunstable (spr. dönnstäbbl), Stadt in der engl.
Grafschaft Vedsord, 30 km im S. von Vedford, hat
(1891) 4513 E., eine normann. Priorei; Strohhut-
flechterei, Korbwaren- und Spitzenfabrikation.
Dunstan (fpr. dönnst'n), der Heilige, Erzbischos
von Canterbury, war 924 in Glastonbury als Sohn
vermögender Eltern geboren und trat später in das
dortige Kloster ein. Edmund (940-946) zog ihn an
seinen Hof. Er wurde um 945 zum Abt von Glaston-
bury erhoben und erhielt unter König Eadred (946
-955) zuerst Einfluß auf die Leitung der Neichs-
gefchä'fte, den er nur vorübergehend unter Eadwig
(956-959) verlor, unter Edgar (959-975) aber
in vollstem Maße wiedergewann; von diesem König
wurde er zum Erzbiscbof von Canterdury und zum
Primas des Reichs erhoben. Seine kirchliche Politik
wandte sich vornehmlich der Hebung dcr Klostcrgeist-
lichkeit gegenüber dem Weltklerus zu; er hielt die Ein-
heit des Reichs mit fester Hand aufrecht, die natio-
nalen Unterschiede der feindlichen Angelsachsen und
Dänen suchte er zu mildern, indem er beide zum
Dienst in Staat und Kirche heranzog; streng hiclt
er auf Ordnung und gesicherte Rechtspflege. Neben
dem erneuten geistigen Leben erfuhren Handel und
Verkehr bedeutenden Aufschwung. Nach Edgars
Tod (975) fetzte er noch die Erhebung Eduards "des
Märtyrers" durch. Mit dessen Ermordung 978 und
dcr Erhebung Ethclstans "des Unberatcnen" war
jedoch D.s Macht zu Ende. Seit 980 lebte er vom
öffentlichen Leben zurückgezogen in seiner Diöcese
Canterbury; dort starb er 19. Mai 988. - Vgl.
Stubbs, Memorial ok 3t. v. (Lond. 1874); Hook,
l^iv68 ol t1i6 ^1'elidi8^0p8 ol (^ÄNt61'dui'^, Bd. 1
(ebd. 1864); Green, 00nyn68t ol^nZianä (ebd. 1884).
Dunstdruck oder Spannung des Wasser-
dampfes (f. Dampf) in der Luft. Der D. wird
gemessen durch die Höhe (mm) einer Quecksilber-
säule, die durch die Wasserdampfatmosphäre ge-
tragen wird; man ermittelt den D. mit Hilfe des
Psychrometers (s. d.). Den Taupunkt (s. d.) liefert
das Kondenfationshygromctcr (s. d.). Zwischen bei-
den Größen besteht folgende Abhängigkeit. Dcr D.
lann bei jeder Temperatur der Luft nur einen be-
stimmten Wert erreichen. Wie groß diefe Werte fein
können, lehrt beistehende kleine Tabelle:
Tem-
peratur
-20° 0.
-15°0.
-10° 0.
- 5°0.
Dunst-
Tem-

Dunst-
Tem

druck
peratur
druck
peratur

0,9 MM

0.
4,6MM
4-20'

1,4 mm
l- 5°
0.
6,5MM
4-25°
0.
2,1 mm
,10°
(I
9,2 MM
4-30°
0.
3,1 mm
>15°
0.
12,7 MM
4-35'

Dunst-
druck
17,4MM
23,6 mm
31,6 mm
41,8 mm
Ist der D. bei irgend einer Temperatur so groß,
als diese Zahlen angeben, so ist die Luft gesättigt.
Bei der geringsten weitern Abkühlung scheidet sich
dann ein Teil des Wasserdampfes aus. Sowie
man also den Taupunkt kennt, findet man aus obiger
Tabelle sofort den D. Hätte man z. B. durch das
Kondensationshygrometer gefunden, daß der Tau-
punkt bei ^ 5" liegt, fo findet man aus der Ta-
belle, daß der D. alsdann 6,5 mm sein muß. Ein
weiterer Vergleich mit der Tabelle im Artikel Sät-
tigungsdcficit lehrt weiter, daß dann im Kubik-
meter Luft 6,8 F Wasserdampf enthalten sind. Es
möge hier noch angegeben werden, wie man aus
den Angaben des Psychrometers den D. finden
kann. Die Negcl lautet einfach: 1) Mit der Angabe
des feuchten Thermometers sucht man aus obigcr
Tabclle den zugehörigen D. auf. 2) Man zieht hier-
von die Zahl ab, die mit der psychrometrischen
Differenz aus folgender Tabelle sich ergiebt:
Psychro-metrische Differenz
Abzugszahl
Psychro-metrische Differenz
Abzugs-zahl
Psychro-mctrische Differenz
Abzuqs-Ml
i°c.
2°0. 3°0. 4°0.
0,6 1,2 1,8
2,4
5°0. 6°0.
7°c.
8°0.
3,0 3,6 4,2 4,8
9°0. 10° (^. 11° <ü. 12° 0.
5,4
5,9 6,5
7,1
Hätte also das Psychrometer ergeben:
Trocknes Thermometer ^ 25" 0.
Feuchtes " ^ 20" 0.
Differenz " --- 5° 0.
fo findet man den
D. ^ 17,4 - 3,0 -- 14,4 mm,
also die Lage des Taupunktes --- 17,3° 0. und wei-
ter wird man schließen können, daß im Kubikmeter
Luft fast genau 14,4 3 Wasserdampf enthalten sind.
^- Vgl. die Psychromctertafeln von Ielinek (Leipzig,
W. Engelmann) und Schreiber (Chemnitz, C.
Dunstkreis, s. Atmosphäre. IBrunner).
Dunstputzmaschine, s. Griesputzmaschinen.
Dun-sur-Auron (spr. döng ßür oröng) oder
Dun-le-Roi (spr. röä), Hauptstadt des Kan-